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Elektroschrott boomt: Bei der EVA werden immer mehr Geräte abgegeben (hier Mitarbeiter Niclas Solygan am Wertstoffhof Weilheim) – nicht immer denken die Besitzer daran, ihre Daten auf Rechnern und Handy zu löschen.

Geräte sind prall gefüllt mit persönlichen Daten

Vorsicht bei der Entsorgung von Elektroschrott - Zerstörung der Geräte kann helfen

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EC-Karten, Speicherkarten, Festplatten und andere Datenträger: Die Flut an Klein-Elektroschrott ist groß. Der muss fachgerecht entsorgt werden. Doch nicht immer nehmen es die Bürger mit der Datensicherheit so genau.

Landkreis – Im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) ist alles geregelt. Unter anderem, dass die Verbraucher ihre ausrangierten Geräte separat vom Hausmüll entsorgen müssen. Diese können Sie kostenlos bei den kommunalen Sammelstellen abgeben – im Landkreis bei den Wertstoffhöfen der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA). Alternativ verlangt das Gesetz eine gewisse Abnahmepflicht von Herstellern und Händlern.

Eigenverantwortung bei der Entsorgung technischer Geräte mit persönlichen Daten

Allein bei der EVA liefen im vergangenen Jahr 1317 Tonnen an Elektroaltgeräte an, wie Abfallberaterin Claudia Knopp vorrechnet. Zum Vergleich: 2018 waren es 1220 Tonnen. „Das ist ein wichtiger Posten“, sagt die Expertin. Angesichts der Mengen wächst ein Problem: Computer und Laptops, Speicherkarten und USB-Sticks, Telefone und Handy landen in den Containern – prall gefüllt mit persönlichen Daten. Eine Sicherheitslücke ohne Grenzen. Die EVA kann aus Personal- und Zeitgründen nichts machen. „Wir überprüfen das nicht“, sagt Knopp. „Jeder hat eine eigene Verantwortung.“ Überhaupt: Laut Elektrogesetz seien die Bürger „zur Löschung ihrer Daten verpflichtet, nicht die Annahmestelle“ – so steht es einem eigens aufgelegten Infoblatt .

Rabiates Mittel: Vollkommene Zerstörung des Objekts

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät zu rabiaten Mitteln. Beispiel Festplatten: Wenn jemand diese nicht überschreiben wolle oder könne, „so sollten Sie die Festplatte physisch beschädigen oder zerstören“. Tipp: „Richten Sie am Objekt möglichst maximalen Schaden an.“ Diesen Ratschlag gibt die Behörde auch für Speichermedien wie CDs, DVDs und USB-Sticks.

Mit der Gesetzesnovelle von 2018 haben Elektrogeräte Zuwachs bekommen: Die rund fünf Gramm schweren EC-Karten und Kreditkarten dürfen wegen des Mikrochips als „kleine Geräte der Informations- und Telekommunikationstechnik“ nicht mehr im Hausmüll entsorgt werden. Dies macht meist ein durchgestrichener Mülleimer auf der Karte deutlich. Auch hier gilt: Vorsicht vor Datenklau! Die Sparkasse Oberland hat nach eigenen Angaben 82 528 Karten ausgegeben, die eine Laufzeit von vier Jahren haben. „Im Jahr werden circa 20 600 Karten ausgetauscht“, sagt Sprecher Robert Christian Mayer. Dazu kommen etwa 18 100 Kreditkarten, die vier Jahre gültig sind – jährlich werden beim Geldinstitut rund 4500 Exemplare getauscht.

Penzberg hatte einen eigenen Reißwolf angeboten

Probleme mit entsorgten Karten hat es laut Mayer zwar bei seiner Bank noch nicht gegeben, dennoch rät die Sparkasse ihren Kunden, die abgelaufene Karte vor der Abgabe bei einer Sammelstelle vor Missbrauch durch Dritte zu schützen: Empfohlen wird das Zerkleinern im Aktenvernichter oder das Zerschneiden – für Letzteres halten die Weilheimer Banker eine grafische Anleitung bereit. „Wir sind zwar nicht verpflichtet, nehmen die Karten aber selbstverständlich zurück“, ergänzt der Sprecher. „Wir prüfen, ob noch Guthaben auf der Chipkarte ist, dann löschen wir die Karte im System. Letztlich zerschneiden wir die Karte.“

Die Stadt Penzberg hatte zuletzt 2018 einen besonderen Datenschutzservice angeboten: Privatleute und Kleingewerbetreibende konnten einen eigens angemieteten Reißwolf für eine mobile Aktenvernichtungsaktion nutzen. Das Angebot wurde rege angenommen. Übrigens: Wer ausgemusterte Rechner und Mobilgeräte fachgerecht entsorgt, „tut auch etwas Gutes für die Umwelt“, wirbt die EVA. Denn die Geräte enthalten wertvolle Metalle, die wiederverwendet werden können.

Infos

bei der EVA (08868/180180, 0881/40803, Mail info@eva-abfallentsorgung.de) und auf eva-abfallentsorgung.de. Weiteres auf www.bsi-fuer-buerger.de.

Im August hatte die Peißenberger Bürgervereinigung erfolgreich im Marktrat beantragt, einen Wettbewerb zur Entwicklung einer Kampagne gegen die Müllverschmutzung im Ort zu initiieren – und nun geht es an die Umsetzung.

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