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„RECUP“-Becher sollen bald vermehrt im Einsatz sein. 

Umweltschutz

Landkreis sagt Einwegbechern den Kampf an

Dem Einwegbecher soll es an den Kragen: Die Stadt Weilheim will mit dem Landratsamt, Schongau und Penzberg das Mehrwegbecher-Pfandsystem vom Münchner Startup RECUP im Landkreis Weilheim-Schongau durchsetzen.

Landkreis – 2,8 Milliarden „Coffee to go“-Einwegbecher werden im Jahr in Deutschland verbraucht. Zumindest der Deutschen Umwelthilfe zufolge, Stand 2016. Das ist zweifelsohne eine hohe Belastung für die Umwelt. Der Landkreis Weilheim-Schongau kann sich da nicht ausnehmen. „Das kostet so viel Energie in der Herstellung und im Recycling“, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Immer wieder greife man im Alltag auf die Einwegbecher zurück. „Einfach, weil es zu oft nichts anderes gibt“, sagte sie.

Die Standortförderung Weilheim hatte bereits 2018 die Werbetrommel gerührt. Jetzt wollen der Landkreis und die Städte Weilheim, Schongau und Penzberg dem „Coffee to go“-Einwegbecher gemeinsam den Kampf ansagen – mit einem Mehrwegbecher-Pfandsystem, das sich RECUP nennt. Den Anstoß zu dem Projekt hatte Jutta Liebmann, Leiterin des Amts für Standortförderung in Weilheim, gegeben. Die Vorteile sollen sein: weniger Müll, mehr Sauberkeit und vor allem geringere Kosten als Einwegbecher.

Betriebe können sich an Münchner Startup RECUP wenden

Und das soll so funktionieren: Als Betrieb kann man sich an RECUP, ein Münchner Start-up, wenden, und bekommt beliebig viele Mehrwegbecher ausgehändigt. Pro Becher ist ein Euro Pfand zu entrichten. Den sieht der Betrieb später wieder, wenn der Kunde seinen Kaffee in einem Mehrwegbecher kauft.

Und auch der Kunde kann sich diesen Euro zurückholen und den Becher bei jedem Betrieb, der Teil des RECUP-Systems ist, wieder abgeben. Anschließend wird der Becher ausgespült und kann an den nächsten Kunden abgegeben werden. Etwa 500-mal soll ein solcher Mehrwegbecher verwendet werden können.

Schon 16 Betriebe im Landkreis Weilheim-Schongau sind dabei

Für Unternehmen wird zusätzlich pro Tag und Abgabestelle ein Euro fällig – um alte Becher austauschen und Werbematerial zur Verfügung stellen zu können. Die Becheranzahl sei davon unabhängig, sagt Judith Dangel, die im Landratsamt für Kreisentwicklung und Klimaschutz zuständig ist.

Im Landkreis gibt es schon 16 Betriebe, die mit dem Mehrwegbecher arbeiten. Allein in Weilheim gebe es sechs teilnehmende Unternehmen, sagt Bürgermeister Markus Loth. Über den Bio-Supermarkt „Biomichl“, das Café „Sonnendeck“ und die „Bäckerei und Konditorei Kasprowicz“ etwa berichtete die Heimatzeitung bereits.

Schongau hinkt bei Mehrwegbechern hinterher

Auch in Penzberg gibt es schon drei Betriebe, die mitmachen. Schongau hat dagegen noch Nachholbedarf, sagt Bürgermeister Falk Sluyterman. Noch gibt es keinen Teilnehmer in der Stadt. Dabei sei gerade der Abfall ein Problem. „Einwegbecher sind ein Ärgernis für die Bürger. Immer wieder landen sie in den Stadtgräben und werden nicht so entsorgt, wie es sich gehört.“ Sein Appell an die Schongauer Betriebe lautet daher: „Lasst uns von Weilheim lernen!“ Vor allem hoffe er auf Tankstellen und Bäckereien.

Eines ist klar: „Das System kann nur leben, wenn viele mitmachen“, sagt Andrea Jochner-Weiß. Ob es andere Regionen als Erfolgsbeispiele gebe? Ja, sagt sie. Vor allem im Allgäu funktioniere es super. „Da haben sich die Menschen solidarisch zusammengeschlossen. Das können wir doch in Oberbayern auch“, sagt die Landrätin.

Zweifel, ob es auf dem Land so gut funktioniert wie in Städten

Stefan Frenzl vom Amt für Standortförderung, Kultur und Tourismus in Weilheim räumt allerdings ein: „In München ist der Mehrwegbecher recht oft vertreten, auf dem Land wird es sicherlich schwieriger.“ Wer sich näher zu den Bechern informieren will, kann das bei Veranstaltungen am Donnerstag, 31. Januar, ab 15 Uhr in der Penzberger Stadthalle sowie am Donnerstag, 7. Februar, ab 15 Uhr in der Peißenberger Tiefstollenhalle tun.

VON CHRISTOPH ZEMPEL

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