Petition eingereicht

Landwirten stinkt neue Düngeverordnung

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Die neue Düngeverordnung (DüV) kommt nicht bei allen Landwirten gut an. Deshalb haben sie eine Petition gegen die Verordnung, die ab 2025 für Grünflächen in Kraft treten soll, beim Bayerischen Landtag eingereicht.

Ein Landwirt düngt mit Gärresten aus einer Biogasanlage ein Feld.

Landkreis – Mehrere Landwirte – auch aus dem Landkreis Weilheim-Schongau – haben eine Petition gegen die neue Düngeverordnung (siehe Kasten) im Bayerischen Landtag eingereicht.

Wie die Obersöcheringer Landwirtin Lucia Egner sagt, deckt die Petition auf, dass die Versuche zur bodennahen, streifenförmigen Ausbringung der Gülle nicht praxisnah durchgeführt wurden. „Da wurde mit Rechen und Gießkannen gearbeitet, aber das ist in der Praxis ganz anders.“ Zudem seien die bisherige Techniken nicht so schädlich, wie es dargestellt wird. „Es kommt nämlich mehr auf die Temperatur und den Ausbringzeitpunkt an, als auf die Technik“, so Egner. Bei leichtem Regen in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden sei es am besten.

Egner selbst bringt ihre Gülle mit einem „Möscha Gülleverteiler“ bei „Güllewetter“ aus. Dabei wird der Dünger großtropfig verteilt. So könne der Dünger besser in den Boden gelangen und werde weniger in der Luft verteilt. Doch diese Methode sei bei den bisherigen Versuchen in Bayern gar nicht berücksichtig worden. Die hohen Kosten, die bei der Anschaffung eines Schleppschlauchs oder Schleppschuhs für die bodennahe Aufbringung anfallen würden, seien nicht das Problem. ��Aber wenn ich nicht sicher bin, dass es der Natur was bringt, bin ich nicht überzeugt, mir solche Geräte anzuschaffen“, meint die 60-jährige Landwirtin.

Bernhard Heger, Beirat im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), „will die Technik nicht grundsätzlich schlecht reden“. Er arbeite selbst mit einem Schleppschlauch, aber nur, weil er sich mit zwei weiteren Landwirten zusammengetan habe. „Die Kosten für die Anschaffung eines neuen Fasses liegen bei rund 160 000 Euro“, erklärt der Peißenberger. Das könne sich ein einzelner Landwirt gar nicht leisten.

Er findet, dass die Einführung der neuen DüV ein Schnellschuss war. Denn „wenn die Gülle fachgerecht ausgebracht wird, sprich bei geeignetem Wetter und geeigneter Bodenbefahrung, ist der Unterschied zu den anderen Techniken marginal“, so BDM-Beirat Heger. Die bisherigen Forschungen und Untersuchungen sind auch seiner Meinung nach nicht aussagekräftig. Denn „der Versuch, Stickstoffemissionen mit der neuen Technik zu reduzieren, wurde nicht lang genug durchgeführt“, erklärt Heger.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) sieht die neue Düngeverordnung ebenfalls kritisch. Wie Wolfgang Scholz, Kreisobmann des BBV-Kreisverbandes Weilheim-Schongau, auf Nachfrage sagt, hat Deutschland nicht das zweitschlechteste Trinkwasser Europas. Deutschland habe sich bei der Nitratbelastung schlechter dargestellt, als es eigentlich ist und „wir müssen es ausbaden“, so der Landwirt.

„Ich wünsche mir sehnlichst, dass wir eine andere Technik bekommen.“ Statt dem großen Schleppschlauch oder Schleppschuh, wünsche er sich eine kleinere, bodennahe Technik, wie sie zum Beispiel bereits in der Schweiz eingesetzt wird. „Das können sich auch kleinere Bauern leisten“, so Scholz. Für neue Versuche zur bodennahen Gülleausbringung und den damit verbundenen Nitratwerten müssen seiner Meinung nach Wissenschaftler engagiert werden, die auch im Ministerium anerkannt werden. „Es muss einfach bilanziert sein“, so der BBV-Kreisobmann. Sollten Ausnahmen zur Düngeverordnung sehr umfänglich werden, sei das nur ein Erfolg auf den ersten Blick. „Es könnte dann passieren, dass es uns in der Stallhaltung härter trifft, als es jetzt der Fall sein wird“, vermutet Scholz.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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