Traten beim letzten „Teatro Coronato“ auf: Bariton Robson Bueno Tavares und Pianist Florian Daniel.
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Traten beim letzten „Teatro Coronato“ auf: Bariton Robson Bueno Tavares und Pianist Florian Daniel.

Beliebtes Theaterfestival geht zu Ende

Leidenschaftliche Arien zum Abschluss von „Teatro Coronato“ in Weilheim

Dem Theaterleiter Andreas Arneth ist ein Durchatmen anzumerken: Das bereits zweite pandemiegemäße Sommerprogramm „Teatro Coronato“ ist mit einem Arien-Abend zu einem guten Abschluss gelangt.

Weilheim – Die meisten Aufführungen wurden wetterbedingt nach innen verlegt, fast alle waren komplett nachgefragt, manche auch – in der Theorie – mehrfach ausverkauft: „Auch den heutigen Abend hätten wir drei mal bringen können“, so Arneth. Immerhin: Der Gesangs-Abschluss wurde, mit abstandsgebotener Sitzzahl, im Stadttheater zweimal gegeben.

Die italienische Oper bot den ersten thematischen Bogen für Maria Czeiler (Sopran) und Robson Bueno Tavares (Bariton). Beider Sänger Stimmen waren gut gelagert und reich koloriert, indes schien Maria Czeiler dem Stadttheater das doppelte Forte zu ersparen, wohingegen der gebürtige lateinamerikanische Bariton meist ungezügelt schmetterte, als sänge er bei der einstmals so geschätzten „Italienischen Woche“ auf den offenen Platz hinaus. Da wurde schon mal ein „ziemlich laut“ von einer Zuhörerin geflüstert, die – nota bene – in einer der hintersten Reihen saß; und sie hatte recht.

Ein „Abend nur mit Happy Ends“

Der untadelige Münchner Pianist Florian Daniel übernahm auch die Moderation und versprach einen „Abend nur mit Happy Ends“. Dazu gab es erst einmal Arien aus Mozarts „Don Giovanni“, worin auch Bueno Tavares flirtend schmelzig seine Gesangsparterin anschmachtete: „Andiam’“, lass uns gehen. Die Koloraturen saßen, die Stimme war sehr ausdrucksstark, dazu erinnerte der Bariton optisch an König Ludwig II – ein Reigen von Pluspunkten, und hier sogar mit gefühlvoll gelagerter Stimme.

Allerdings bemerkte man bald in einer Verdi-Arie, dass der Sänger an der Artikulation der „harten“ Konsonanten sparte, sodass sein Italienisch eher einem französischen Satzklang entsprach, was schade war, denn es war kaum je ein einzelnes Wort herauszuhören. Hingegen sang Maria Czeiler trennscharf und dosierte die Forti auf kluge Momente, etwa auf’s „Perché Signor“ (Warum, Herr) im „Vissi d’arte“ aus „Tosca“ – in dieser Zeile kombiniert mit grandioser Höhe: auf den Punkt!

Auf Arien folgen italienische Volkslieder

Intensiv waren Mimik und Gestik, wenn beide Protagonisten sich im Dialog-Gesang mit Liebesschwüren bedachten: „Sì, baciami“ – ja, küsse mich: da überzeugte der Auftritt zusätzlich auch szenisch mit der suchenden Hand der Sopranistin auf der Brust des Baritons. Es folgten italienische Volkslieder, mal einzeln, mal im Duett geboten: „Non ti scordar di me“, vergiss mich nicht, 1942 erstmals auf Platte eingespielt und später durch Pavarotti bekannt gemacht – das hatte Herz: eine Darbietung für die Seele. Mittlerweile bekam jedes Lied Applaus.

Zuletzt traf das Programm die Schlusskurve zum namensgebenden „Summertime“ aus „Porgy and Bess“. Wiederum waren beide Stimmen in der Anlage wunderschön, doch Maria Czeiler verstehbarer, filigraner, dosierter – Robson Bueno Tavares stimmlich quasi die Sahnetorte mit Extra-Sahne: einfach etwas zu wuchtig für das Raumvolumen. Aber alle Mankos verschwanden im „O sole mio“, denn die Sehnsucht nach Sonne war wohl nie so akut wie in diesem verwässerten August. Langer Beifall.

VON ANDREAS BRETTING

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