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Großer Andrang am Büchertisch im Weilheimer Theaterfoyer , wo Adele Neuhauser nach ihrer Lesung bereitwillig plauderte und signierte. 

Lesung mit Adele Neuhauser

„Volles Haus – nur für Adele!“

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Die Schauspielerin Adele Neuhauser begeisterte im ausverkauften Stadttheater mit ihrer Autobiografie. Im Publikum saßen einige ihrer Weggefährten.

Weilheim – Sie kam nicht als „Tatort“-Kommissarin Bibi Fellner ins Weilheimer Stadttheater, sondern schlicht und einfach als Adele Neuhauser. Dass dies am Sonntagabend 300 Menschen erleben wollten, kam ihr selbst seltsam vor. „Unglaublich!“, staunte sie in die ausverkauften Reihen: „volles Haus – nur für Adele!“ Zwar trat die Wiener Schauspielerin, die bis 2005 in Polling gelebt hat, schon oft im Weilheimer Theater auf, als „Medea“, als Callas in „Meisterklasse“ oder als Vorleserin kurioser Kurzgeschichten. Doch nun saß sie ja, eingeladen vom „Verein der Freunde des Weilheimer Theaters“, erstmals „nur als Adele“ da und las aus ihrer druckfrischen Autobiografie – die zu schreiben sie sich beim letzten Besuch vor drei Jahren noch gar nicht hätte vorstellen können.

„Ich bin doch noch nicht so alt“, so habe sie die ersten Anfragen von Verlagen abgewehrt, erzählte Neuhauser, 58. „Und außerdem: Was hab’ ich schon so Großes gemacht?“. Aber dann hat sie der von ihr wohlgelittene „Brandstätter Verlag“ doch locken können. Und natürlich weiß Adele Neuhauser ganz genau, warum die Welt auf dieses Buch gewartet hat (und es, das nebenbei, gleich mal in die Top 10 der meistverkauften Sachbücher in Deutschland katapultierte): „Es hat sicher auch etwas mit dem ,Tatort’ zu tun. Dadurch bin ich so sichtbar geworden – na ja, ist auch nicht das Schlechteste...“

Tatsächlich wirkt die 58-Jährige glücklich mit ihrem Leben, das sich durch den Fernsehruhm auch privat „komplett verändert hat“. Sie gehöre nicht zu den Schauspielern, denen es unangenehm sei, auf der Straße erkannt zu werden. Also erzählt sie nun freimütig aus ihrem erstaunlichen Leben, und zwar nicht nur die Strahlefrau-Erfolgsgeschichten. Nicht zufällig heißt die Autobiografie „Ich war mein größter Feind“: Neuhauser berichtet, wie ihre Familie auseinanderbrach, als sie neun war und ihre Eltern sich endgültig trennten. Sie erklärt, warum sie in den Jahren danach sechs Selbstmordversuche unternahm. Sie schildert drastisch, wie sie nach dem ersten Jahr an der Schauspielschule in eine „Höllentour“ mit drei älteren Mimen durch die Provinz geriet, dabei mutterseelenallein, aber mit größeren Mengen Rotwein in einer Pension ihren 18. Geburtstag beging – und wie sie versuchte, sich mit heftigen Schlägen gegen ein Waschbecken den Unterarm zu brechen, um diese Tour vorzeitig abbrechen zu können. Auch über den Tod ihrer Eltern und eines ihrer Brüder – und über die Krise, in die sie das stürzte – schreibt Neuhauser. Und machte die Erfahrung: „Das Schreiben war die heilendste und beglückendste Trauerarbeit, die ich leisten konnte.“

So ist ihre Autobiografie trotz allem ein positives, mitreißendes, oft komisches Buch geworden. Denn die leidenschaftliche Wandererin richtet den Blick stets nach vorn und versprüht eine unbändige Lust auf Neuanfänge. „Da kommt noch so viel Schönes, das auch gelebt werden will. Und gelebt werden wird“, so schloss die 58-Jährige die Lesung in Weilheim, die ihre erste Buchpräsentation überhaupt in Deutschland war. Mucksmäuschenstill hingen die Zuhörer eine gute Stunde lang an ihren Lippen, gebannt folgten sie ihren Sprüngen durchs Leben: vom ersten „Tatort“- Drehtag 2010 in Wien zum Tod des geliebten griechischen Vaters, zurück zu Kleinkinderjahren im sonnigen Athen, vorwärts zum ersten Theater-Engagement im westfälischen Münster, rasant zur durchaus impulsiv geführten Ehe mit dem Schauspielerkollegen Zoltan Paul, mit dem sie dann in Polling landete...

Und wie viel ist erst passiert, seit Adele Neuhauser Paul, Polling und das sichere Engagement am Theater Regensburg verlassen hat! So munter die Schauspielerin in ihrem Buch und an diesem Abend von all dem erzählte: Es blieb etwas Geheimnisvolles an ihr. Zwar gab sie pro forma noch die versprochene Gelegenheit zu Publikumsfragen, beendete sie aber, noch ehe der erste sich melden konnte, mit einem charmanten Lächeln: Sie sei dann ja auch noch draußen am Büchertisch und droben im Foyer anzutreffen...

Dafür vollstes Verständnis in Form von sehr, sehr herzlichem Applaus. Von Ragnhild Thieler, der Vorsitzenden der „Theaterfreunde“, bekam Neuhauser als Dankeschön den erhofften Wein statt Blumen. Und im Stadttheater gab’s weitere anderthalb Stunden großes Hallo und beste Stimmung, eine lange Schlange beim Bücher-Signieren und gute Gespräche am Büffet. Kein Zweifel: Für Adele Neuhauser ist und bleibt Weilheim ein Stück Heimat.

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