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Keine Scheu vor großen Themen: Reiseautor Andreas Altmann las im Stadttheater aus seiner „Gebrauchsanweisung für das Leben“.

Lesung mit Andreas Altmann im Stadttheater 

Berührendes, mitten aus dem Leben

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Im Weilheimer Stadttheater las  der Reiseautour Andreas Altmann Berührendes aus seinen Büchern. Und die „Express Brass Band“ begleitete ihn dabei. 

Weilheim – Reisen bildet, heißt es. Und das stimmt ja auch – zumindest, wenn sich das Interesse eines Reisenden nicht auf den Strand und das Hotelbüffet beschränkt. Der Reiseautor Andreas Altmann hat in seinem „beschissen schönen Leben“ (wie er es in einem seiner Buchtitel genannt hat) so einige Horizonterweiterungen erlebt und diese gut vermarktet. Viele seiner 20 Bücher, die seit 1996 erschienen sind, wurden Bestseller. Titel wie „Weit weg vom Rest der Welt“ oder „Sucht nach Leben“ sind Programm. Und spätestens seine Altöttinger Traumata-Verarbeitung „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (2011) ließ ihn prominent werden.

Altmanns Markenzeichen ist die Mischung aus wohlgesetzten und derb-direkten Worten, aus tief wahrhaftigen und lässig schnoddrigen Sätzen. Dazu kommt ausreichend Übermut, dass es der inzwischen 68-jährige Autor mit kalkuliert größenwahnsinnigen Buchtiteln wie „Gebrauchsanweisung für die Welt“ und „Gebrauchsanweisung für das Leben“ aufnimmt. Letztere ist sein jüngster Bestseller – und führte den Schriftsteller, der auch schon Spüler, Anlageberater, Straßenbauarbeiter, Nachtportier, Dressman, Parkwächter und Schauspieler war, am Freitagabend auf die Bühne des Weilheimer Stadttheaters.

„Ich werd’ Sie anstrengen“, begrüßte Altmann dort seine rund 80 Zuhörer: Man werde mitfühlen und mitdenken müssen bei seiner Lesung, mal Erfreuliches hören – „und dann ziehe ich Sie wieder runter“. Anstrengend war aber nur, dass Altmann zu hastig las und am Kapitel-Ende stets zu harte Schnitte machte, atemlos ins nächste Thema fiel. Denn man hätte seinen Gedanken und Beobachtungen aus aller Welt gern etwas nachsinniert. Sie sind es eigentlich wert.

Zum Beispiel die berührenden Zeilen über die Kindheit, den Schmerz oder die Einsamkeit. Altmann nähert sich sehr menschlich den großen Begriffen. Natürlich auch der Liebe: Die, schreibt er, funktioniere „wie der Körper, wie das Hirn, wie jedes Talent: Sie alle sind zuerst einmal da, als Geschenk. (...) Doch bald muss man sich um sie kümmern. Sonst verkümmern sie.“

Was entstehen kann, wenn Musiker Talent und Liebe pflegen, das zeigte die „Express Brass Band“ nach den beiden Leseteilen: Welch Schwelgen in Rhythmen und Melodien aus Kabul, Burkina Faso oder Mazedonien. Und welch Luxus, diese zehn internationalen Musiker aus München (aus einem Kollektiv von insgesamt 25) vor so kleiner Kulisse zu erleben. Da meinte es das Leben mal wieder gut mit den Weilheimern. 

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