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Beeindruckte mit ihren Familiengeschichten und ihren Deutschkenntnissen: Nino Haratischwili. 

autorenlesung in weilheim  

Georgien ist gar nicht so ostig

Weilheim - Nino Haratischwili beeindruckte mit ihrer Familiensaga „Das achte Leben – Für Brilka“. Und das sowohl sprachlich als auch inhaltlich.

Man möchte glauben, sie sei in Deutschland aufgewachsen. So souverän und selbstverständlich geht Nino Haratischwili schreibend und sprechend mit der deutschen Sprache um. Doch die georgische Regisseurin und Autorin erklärt, sie sei in Tiflis aufgewachsen und erst zum Studium der Theaterregie 2003 nach Hamburg gekommen. Die Besucher in der übervollen „Lesbar“ in Weilheim nehmen es mit raunendem Erstaunen zur Kenntnis.

Nachdem sie in Georgien bereits veröffentlicht hatte, begann sie in Hamburg, mit der für sie neuen Sprache zu experimentieren. Als Theaterregisseurin musste sie das ohnehin; als Autorin, die nach dem Studium entschied, in Deutschland zu bleiben, schien es ihr folgerichtig. „Ich habe die Sprache gewechselt“, erklärt sie schlicht, als sei es das Einfachste von der Welt. Die zahlreichen Preise, mit denen sie für etliche Bühnenwerke und nunmehr drei Romane ausgezeichnet wurde, belegen, wie hervorragend ihr das gelungen ist.

In Weilheim überzeugt die Autorin mit einer natürlichen Ausstrahlung; sie liest ganz selbstverständlich, völlig unaufgesetzt, mit guter Diktion. Es wirkt tatsächlich wie ein Erzählen – und zieht die Zuhörer in den Bann. So sehr, dass man jedes Mal bedauert, wenn sie am Ende einer Lesestrecke angekommen ist. Und damit perfekt, um das Verlangen zu schüren, diese Geschichte ganz und gar zu erfahren.

Gut gewählt hat Haratischwili die Leseproben, was bei einem 1275 Seiten umfassenden Roman nicht leicht ist. Sie führt die Erzählerin ein, die 1973 geborene Niza, die nach Berlin ausgewandert ist und für ihre Nichte Brilka die sechs Generationen umspannende Familiengeschichte aufschreibt. Sie beschreibt den Urvater der Sippe, der um 1900 als Schokoladenfabrikant alle Konkurrenten aus dem Feld schlägt mit seinem einzigartigen Schokoladenrezept, das den Esser süchtig macht. Sie zeichnet dessen jüngste Tochter Christine, der ihre blendende Schönheit zum Verhängnis wird: Ein hoher Parteifunktionär macht sie zu seiner Geliebten; ihr Ehemann verätzt darauf ihr Gesicht. Spürbare Betroffenheit im Publikum, das die Autorin so nicht entlassen möchte und deshalb einen Abschnitt aus den 70er-Jahren anfügt. Dieser schildert die amüsante Kindersicht Nizas auf den Sozialismus und den Kapitalismus.

In der „Lesbar“ schließt sich nun ein reger Gesprächsaustausch an. Wie denn dieses Georgien so sei, man wisse ja so wenig darüber, möchte ein Besucher wissen. „Georgien ist ein wunderbares Reiseland: sehr südlich, also gar nicht so ostig, wie sicher viele vermuten, mit einer phantastischen Küche und dem besten Wein der Welt“, antwortet Haratischwili. „Ich kann Ihnen eine Reise nur empfehlen.“

Nächste Autorenlesung

in der Weilheimer Buchhandlung „Lesbar“: Marjana Gaponenko (ausgezeichnet mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis 2013) stellt ihren neuen Roman „Das letzte Rennen“ vor – am Freitag, 15. April, 20 Uhr. Karten: 0881/923 25 85.

Sabine Näher

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