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Innehalten ließen die Lieder und Gedanken von Ernst Deger die Besucher in der Weilheimer Pfarrkirche St. Pölten. 

Liederpoet Ernst Deger zum Holocaustgedenktag

Lobpreis der Menschlichkeit

Weilheim – Ein wichtiger Gedenktag hat in Weilheim nun erstmals eine konkrete Form gefunden: Zum „Holocaustgedenktag“, begangen am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, gab es am Freitag eine Gedenkstunde in der Kirche St. Pölten.

 Bevor Texter und Liedermacher Ernst Deger die Gestaltung übernahm, sorgte Benediktinerpater Matthias Leidenberger für eine unerwartet aktuelle Einordnung. „Der Anlass ist, an das Leid zu erinnern, aber auch, wieder ins Bewusstsein zu rücken, zu was ideologisierte und fanatisierte Menschen fähig sind.“ Der Pater fuhr aufrüttelnd fort: „Es gilt auch, angesichts des Erstarkens von populistischen Politikern in und außerhalb Europas zu Wachsamkeit aufzurufen und uns nicht in falscher Sicherheit zu wiegen, sondern gegenwärtigen unheilvollen Entwicklungen mit Widerstand zu begegnen. Fühlen wir uns gestärkt, unsere Freiheit und Werte zu verteidigen.“

Nach der Verlesung eines Psalms durch Diakon Stefan Reichhart gestaltete Ernst Deger 50 Minuten im Wechsel aus zumeist eigenen Liedern und im Wortvortrag gehaltenen Gedankengängen. Die Vielfalt an Anknüpfungspunkten, die der in Dachau geborene Poet und Musiker fand, war höchst beeindruckend und berührend. Die Lieder zur Gitarre thematisierten zunächst das Leid der Inhaftierten in den Konzentrationslagern. „Ihr habt aus mir eine Nummer gemacht, doch solang ich noch zu unterscheiden vermag, habt ihr mich nicht bezwungen“, so eine der zentralen Zeilen. „Gebe Gott, dass in unzähligen Gärten eine weiße Rose blüht“, stellte die Möglichkeit zum Widerstand als ermutigendes Vorbild heraus. Die teils recht komplexen Sätze konnte Degers biegsame Stimme einfühlsam in die musikalische Gestalt einpassen.

Der christliche Liederpoet wusste auch zu überraschen. Da gab es plötzlich ein Lied mit kraftvollem bairischem Text – es lobte den Dorfbürgermeister von Niederroth, der ein jüdisches Mädchen als eigenes Kind annahm und dadurch schützte. Auch musikalisch gab es Wechsel. Das Lied „Amsterdam“ bezauberte durch eine wiegende Chanson-Struktur und setzte zudem in poetischer Form die Fahrt eines Deportationszuges mit der inneren, religiösen Erfahrung des Judentums parallel: ein staunenswert stimmiger Kunstgriff.

In seinem Lied „Schalom“ blickte Deger über den Tellerrand der Holocaust-Erinnerung hinaus. Er sang er von zwei Soldaten, einem israelischen und einem arabischen, die sich im Sechs-Tage-Krieg gegenseitig ins Zielfernrohr ihrer Gewehre nehmen – um dann bebenden Herzens eine Zigarette zu teilen. So schloss sich der Kreis zu einem Lobpreis des Friedens und der Menschlichkeit. Die leider nur rund 30 Besucher hielten noch lange inne, ehe sie aufstanden.

Am Aschermittwoch

liest Autorin Anna Andlauer aus ihrer Biografie über den Weilheimer Claus Bastian, der im KZ Dachau „Der Häftling mit der Nr. 1“ gewesen war. Die Lesung wird von Ernst Deger musikalisch begleitet (Mittwoch, 1. März, 20 Uhr, Pfarrheim an der Theatergasse).

Andreas Bretting

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