Seit einem Jahr unermüdlich im Einsatz: Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes werden von immer mehr Helfern aus anderen Behörden bei der Nachverfolgung von Infektionsketten unterstützt.
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Seit einem Jahr unermüdlich im Einsatz: Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes werden von immer mehr Helfern aus anderen Behörden bei der Nachverfolgung von Infektionsketten unterstützt.

Inzidenzwert mittlerweile bei 35,4

Lockdown-Lockerung für den Landkreis Weilheim-Schongau wird geprüft

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Weilheim-Schongau sinkt immer weiter. Und damit auch der Sieben-Tages-Inzidenzwert, der gestern bei 35,4 lag. Was hat das für praktische Auswirkungen?

Landkreis – Der bundesweite Lockdown wurde unter anderem auch damit begründet, dass eine Nachverfolgung der Infektionsketten nur dann möglich ist, wenn der Inzidenzwert 50 nicht überschreitet. Da stellt sich die Frage, ob durch die niedrigen Zahlen im Landkreis eine effektive Nachverfolgung jetzt wieder möglich ist. „Die konsequente Nachverfolgung der Infektionsketten ist durch das Gesundheitsamtes Weilheim-Schongau unter Mithilfe vieler Unterstützer durchgängig möglich gewesen, bis auf eine Woche im Oktober 2020. Das ist mit ein Grund für den aktuell guten Inzidenzwert. Der Wert ist aber eine Momentaufnahme, der sich täglich verändern kann“, antwortet der Pressesprecher des Landratsamtes, Hans Rehbehn, auf eine entsprechende Anfrage der Heimatzeitung.

Neben allen Mitarbeitern des Gesundheitsamtes und Unterstützungskräften aus anderen Organisationseinheiten des Landratsamtes seien auch zwölf Unterstützungskräfte aus anderen Ämtern – von Finanzamt, Amtsgericht, Wasserwirtschaftsamt und Bundesnachrichtendienst –, insgesamt 21 Bundeswehrsoldaten, acht Polizisten, zwei Mitarbeiter des THW und 15 neu angestellte CTT-Kräfte mit der Nachverfolgung der Ansteckungswege beschäftigt. „Das Gesundheitsamt Weilheim-Schongau wird auf absehbare Zeit auch weiterhin auf die Unterstützung der zusätzlichen Mitarbeiter angewiesen bleiben“, so Rehbehn.

Friseure machen weiter Druck und wollen öffnen

Angesichts der derzeitigen Inzidenzwerte stellt sich natürlich auch die Frage, ob einige Lockdown-Regeln im Landkreis gelockert werden können. Die Friseurinnung beispielsweise kündigten gestern an, ab sofort immer freitags auf samstags unter dem Motto „Wir brennen für unsere Kunden“ das Licht in den Salons brennen zu lassen, um auf ihre prekäre Lage hinzuweisen und auf die Wiedereröffnung der Friseurgeschäfte zu drängen. „Wir lehnen Schwarzarbeit ab. Deswegen schneide ich mir aus Solidarität mit unseren Kunden auch nicht selbst die Haare, obwohl es dringend nötig wäre“, sagte gestern Innungsobermeisterin Birgit Binder.

Gänzlich ausgeschlossenen seien lokal begrenzte Lockerungen nicht, geht aus der Stellungnahme des Landkreis-Pressesprechers Hans Rehbehn zu diesem Thema hervor: „Nach der geltenden elften Infektionsschutzmaßnahmenverordnung muss der Inzidenzwert mindestens sieben Tage lang unter 50 liegen. Erst dann kann über mögliche Erleichterungen beraten werden; dies muss allerdings mit der Regierung von Oberbayern abgestimmt werden.“

Landratsamt: „Zu früh, um über Erleichterungen zu diskutieren“

Aktuell liege zwar eine sinkende Tendenz vor, jedoch sei der Trend in den nächsten Tagen weiter zu beobachten. „Aus der Sicht des Landratsamtes Weilheim-Schongau ist es aktuell zu früh, um über Erleichterungen zu diskutieren“, schreibt Rehbehn.

Die Heimatzeitung wollte es dennoch genauer wissen und fragte deswegen bei der Regierung von Oberbayern und dem bayerischen Gesundheitsministerium an: Welche Lockerungen würden theoretisch möglich, wenn der Inzidenzwert sieben Tage in Folge unter 50 bleibt? Und sind lokale Lockerungen überhaupt möglich, wenn gleichzeitig ein bundesweiter Lockdown gilt?

Hektische Betriebsamkeit bei Regierung von Oberbayern und Gesundheitsministerium

Die Anfrage sorgte offensichtlich für hektische Betriebsamkeit in den Behörden. Nach 24 Stunden übermittelte der Pressesprecher der Regierung von Oberbayern, Wolfgang Rupp, zwei dürre Sätze: „Die Regierung von Oberbayern prüft derzeit die Möglichkeit für Abweichungen nach § 26 der 11. BayIfSMV. Wir bitten um Verständnis, dass wir insbesondere vor dem Hintergrund des bundesweiten Lockdowns noch keine konkreten Aussagen treffen können.“

Vom Gesundheitsministerium des Freistaats gab es nicht einmal eine Eingangsbestätigung für unsere Mail.

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