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Sprache in neuem Licht: Korbinian Schmid war einer der ersten, die beim Poetry Slam auftraten. 

Luise Kwak gewinnt  Poetry Slam

Eine klare Ansage vom „Reimometer“

Der Sieg einer Einheimischen krönte den vierten vom Moderatorenteam „Reimrausch“ veranstalteten Poetry Slam in der Stadtbücherei: Die erst 17-jährige Weilheimerin Luise Kwak gewann – „und dies nicht wegen eines Lokalbonusses“, wie Michael Mehler von „Reimrausch“ bestätigte.

Weilheim – Organisatorin Sandra Knittel konnte die Lücke zweier ausgefallener Poeten effektvoll schließen. Als „Gast-Slammer“ sprang Jaromir Konecny ein. Der moderne Schweijk’sche Humor des Müncheners lieferte Sahnehäubchen außerhalb der Wertung. Die Zuhörer im ausverkauften Rund lachten herzhaft über einen an Missverständnissen über Radieschen und Sternzeichen kabarettreif missglückten Biergarten-Flirt des 61-Jährigen.

Die Wertungsrunden bestritten sechs Poeten. Der 21-jährige Korbinian Schmid aus der Gegend von Kloster Scheyern sprach über eine Abfolge von Albtraum-Bildern, worin ihm radikale Vegetarier gewaltsam seinen Lebensstil wegzwingen wollen. Andere Schreckensbilder fand die Pollingerin Melli Koss. Die 36-Jährige erlebte einen „Banküberfall“: das Fordern von mehreren Kalendern durch einen Randale-Rentner am Bankschalter. Sie selber bekam jedoch keine Gratis-Gabe und so schweiften ihre Gedanken ab in eine Panik übers Alt-Werden.

Stilistisch witzig wählte „Mo!“ zum Schimpfen auf Rap-Texte ausgerechnet die Form eines Raps. Diese Lieder seien ganz unnötigerweise sprachliche Tiefschläge: „Sprich verständlich, denn ästhetisch sprechen ist nicht schändlich“, reimte der Passauer. Ein Bildungs-Thema wählte auch die 17-jährige Weilheimerin Luise Kwak: „Warum gebt ihr uns diese Zeit nicht – ? Man könnte meinen, ihr habt Angst, dass man über Euch spricht!“ Anhand wunderbar inspirierter Beispiele zeigte sie auf, dass an den Schulen Unterrichtszeit für Theater und Politik fehlt.

Die emotional härtesten Texte kamen von Anna Wicher und von Martin Hönl. Die 28-jährige Münchenerin reimte auswendig und engagiert gegen das bequeme Wegschauen in Missbrauchsfällen. Der 29-Jährige – angereist aus Ansbach – rhythmisierte mit effektvoll variierten Betonungen seine Zeilen über die „Generation Leistungsdruck“: Mangertypen, die allen, auch sich selber, mittels Karrierezielen das Glück versprechen, bis dann Depression einsetzt: „Im Kopf ’ne Maschine, im Herzen ein Kind: du steigst hinauf auf ein Hochhaus und springst.“

Die Jury bewertete die Texte mit Aufforderungen zur Lebensveränderung am höchsten. Martin Hönl, Anna Wicher und Luise Kwak lasen als Spitzentrio je einen Finaltext.

Das „Reimometer“ des Publikums-Beifalls vergab den Siegerplatz an Luise Kwak, deren Beobachtung einer Schreckensnachricht am Fernseher zu einer regelrechten Theater-Abfolge von Szenen ausgebaut wurde. Kwak hat damit, nach einem Wettbewerb in Murnau, erst ihren zweiten Slam absolviert – und beide auf dem ersten Platz beendet.

Andreas Bretting 

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