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Die Polsterei-Werkstatt ist für Petra Andrä heute "ein bisschen wie meine Wohnung".

was macht eigentlich... petra andrä?  

„Das Theater lässt mich nie ganz los“

Weilheim - Petra Andrä war Vorsitzende des Weilheimer „Kellertheaters“. Auch mit  70 Jahren ist sie privat und beruflich gefordert.

Auch dem "Kabarett Zeit-Lupe" gehörte Petra Andrä einige Jahre an (hier bei einem Auftritt 2003 im Weilheimer Stadttheater, 2.v.r.).  

Nein, es habe nicht aufgehört zu schlagen, ihr Herz fürs Theater, versichert Petra Andrä. Wie denn auch, wo sie doch schon seit früher Jugend heimisch war auf den Brettern, die die Welt bedeuten! Richtig sei aber, dass sie ihr Engagement zurückfahre, schließlich habe sie versprochen, ab ihrem 70. im August 2015 mehr für ihren Mann und ihre Enkel da zu sein. „Den Vorsitz mache ich seitdem nicht mehr, auch wenn ich gern noch durchgehalten hätte, um 20 Jahre im Vorstand des Kellertheaters rund zu machen.“

1997 war es, als sie zu den Mitgründern der engagierten Weilheimer Laienbühne gehörte – und dies gleich als 3. Vorsitzende. Kurz nach der Jahrtausendwende rückte sie auf den Chefposten vor und verschaffte sich dort mit ihrer voluminösen Hildegard-Knef-Stimme Respekt. Aber auch ihr Händchen fürs Bühnenbild war berühmt, denn durch die Mitarbeit in der Polsterei ihres Mannes brachte Andrä reichlich Ideen und Geschick für die Ausstattung mit. „Einmal hängte ich sogar das Porträt meiner Mutter zur Ausschmückung an die Bühnenwand“, sagt sie und kichert, als sei sie immer noch das junge Mädchen, das einst in Weilheim erste Theater-Erfahrungen machte.

Ganz klassisch in einem Krippenspiel trat sie erstmals auf. Später gab’s die Auftritte der evangelischen Theatertruppe im „Bräuwastl“ und auch die ersten Sporen im Stadttheater. „Da habe ich mit 16 Jahren schon die Rolle einer Mutter gespielt und den früh verstorbenen Halleluja-Billy beweint.“ Gleich fällt ihr noch ein, wie sie vor 55 Jahren in diesem Musical singen musste: „Heiß ist es, heiß, da rinnen meine Tränen…“.

Und in der Tat, Sängerin stand als Karriere auch zur Debatte. „Meine Berufsschullehrerin hatte mich unbedingt in diese Richtung bringen wollen.“ Später reichte es dann zur Hobby-Vokalistin im Gospelchor, „meist in der Stimmlage von Bariton oder Bass“, ergänzt sie und setzt fröhlich glucksend hinzu, sie habe im Grunde doch eh nie ganz exakt gesungen. Eine kesse Untertreibung, klar, denn in ihrer Jugend bekam sie zweieinhalb Oktaven Stimmumfang attestiert.  Ihr eigentlicher Berufstraum aber war Goldschmiedin gewesen, kurz habe sie auch an Archäologin gedacht, doch die Eltern waren für etwas Handfesteres. Da passte es wenigstens, dass sie in der 1982 gegründeten Polsterei ihres Mannes einsteigen konnte. „Meine Spezialität war gleich die Stoffberatung – ein bisschen was Künstlerisches…“.

Und natürlich wurde das Kellertheater – benannt nach dem Auftrittsraum unter der Apostelkirche – zum Herzensanliegen. Als Regisseurin setzte sie auf Stücke mit humoristischer Note, sie spielte aber auch selber mit. „Meine Rollen waren meist Putzfrau oder Oma“, sagt Andrä lachend. Vermutlich habe ihre Figur sie stets älter wirken lassen. Heute ist es eher umgekehrt, denn der offensive Humor und der strahlende Blick zeichnen die Weilheimerin aus, selbst weiße Haare hat sie kaum. Überdies hält sie die Arbeit in der Polsterei auf Zack. Eigentlich habe sie sogar weniger freie Zeit als zuvor. „Also höchstens kleine Sachen beim Theater könnte ich noch machen“, sagt sie und setzt aus Spaß mit Bühnenstimme, ganz tief timbriert, flirtend hinzu: „Wenn man mich fragt…“

Passieren könnte dies durchaus, denn das Kellertheater werde, nach einem Jahr Auszeit, bald wieder starten. Wann und mit welchem Stück, das wisse sie aber nicht. Schließlich sei sie ja nicht mehr in der Leitungsebene. Allerdings ist sie wohl weiter unverzichtbar, allein schon vom Fundus her: „Die beiden Kinderzimmer bei mir im Haus sind das inoffizielle Theater-Depot“, sagt Petra Andrä und sinniert, wie schön es wäre, wenn sich langfristig dafür eine andere Örtlichkeit fände. Schließlich sei es ihr mit dem Kürzertreten ganz ernst, auch wenn sie sich an manchen Tagen noch wie 17 fühle. Die gegenteiligen Tage gebe es halt aber auch. Dennoch: „Das Theater lässt mich nie ganz los.“

Andreas Bretting

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