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Allerorten Prominenz: Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie auf der „Blauen Couch“ mit Moderatorin Barbara Wahlster (l.).
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Rafik Schami (Weilheimer Literaturpreisträger  2003) beim Talk am „Zeit“-Stand.
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Bestseller-Autor Peter Wohlleben  beim Talk im ARD-Forum. 
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Uwe Timm („Weilheimer Heft“ Nr. 63 im Jahr 2008) im Interview mit „Spiegel“-Chefredakteur  Klaus Brinkbäumer.
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Sten Nadolny (Weilheimer Literaturpreisträger 2010) im Gespräch mit Jörg Plath.
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Rockstar Udo Lindenberg mit Musikern des „Panikorchesters“ beim Spontankonzert auf der „Open Stage“.
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Ellen Verwold, Buchhandlung „Zauberberg“ in Weilheim: „Mich haben die vielen Veranstaltungen mit Autoren fasziniert; ich finde es schön, die Menschen hinter den Büchern zu erleben. Was mir auffiel, nachdem ich 20 Jahre nicht mehr da war: Viele kleine Verlage fehlen heute, es konzentriert sich auf die großen.“
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Peter Rolles, Buchhandlung „Rolles“in Penzberg: „Das Interview mit Buchpreis-Gewinner Robert Menasse auf der ,Blauen Couch’ bleibt mir in Erinnerung. Man liest ein Buch mit ganz anderen Augen, wenn man den Autor erlebt hat. Und ich schwelge gern in der Halle mit den großen Kunstbildbänden.“

Unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse

Die wundervolle Qual der Wahl

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286.425 Besucher kamen auf die Frankfurter Buchmesse. Darunter auch „Tagblatt“-Redakteur Magnus Reitinger. Er berichtet von spannenden Begegnungen.

Ständig muss man sich entscheiden im Leben... Und auf der Frankfurter Buchmesse erst! Natürlich wäre es absolut sinnlos, sich durch alle 13 Hallen kämpfen zu wollen, sehen zu wollen, was 7300 Aussteller aus 102 Ländern an Büchern, Projekten oder technischen Hilfsmitteln rund um die Themen „Literatur“ und „Bildung“ anzubieten haben. Man muss sich also selbst beschränken in diesem Festbankett, in dem nicht nur hunderttausende Bücher aufgetischt werden, sondern auch lockende Werbemittel in allen Variationen.

Abräumprofis mit jahrelanger Buchmessen-Erfahrung ziehen stundenlang mittelgroße Rollkoffer hinter sich durch die Gänge, um nicht des Gewichts wegen auf Gratisgaben verzichten zu müssen. Genießer aber wählen aus. Sie lassen einige Hallen aus und begnügen sich mit ein paar ausgesuchten kleinen „Mitnehmseln“ – selbst bei den Tageszeitungen, die hier so flächendeckend zum Probelesen angeboten und dankbar aus den Händen gerissen werden, dass man sich nur wundern kann, warum es so schick geworden scheint, durch all die neuen Medien zu posaunen, die Zukunft des gedruckten Wortes sei großteils schon Vergangenheit.

Sten Nadolny schreibt „mindestens noch drei Alterswerke“

Man muss sich entscheiden auf der Buchmesse, ständig. Und wenn man sich entschieden hat, darf man nicht dran denken, was man gerade versäumt. Dass just jetzt in einem versteckten Winkel der übernächsten Halle oder auf der kleinen Bühne der unabhängigen Verlage ein völlig unbeschriebenes, aber großartiges Blatt zu entdecken wäre – während man gerade wieder bei einem der alten Bekannten gelandet ist, die reihum zu Talks auf die Podien großer Zeitungsverlage geladen werden: bei Uwe Timm (77) oder bei Rafik Schami (71) oder bei Ingo Schulze (54), die man vor Jahren schon bei den Weilheimer Dichterlesungen erlebt hat. Oder bei Sten Nadolny (75), der dem Moderator auf der „Blauen Couch“ von ZDF und „Deutschlandfunk Kultur“ gerade mit seinem schalkhaftesten Lächeln erklärt, dass er „mindestens noch drei Alterswerke“ zu schreiben gedenke – da doch nicht nur sein jüngster, sondern auch schon sein voheriger Roman ein solches genannt wurde.

Und dann ist man vor der „Blauen Couch“ und im „ARD-Forum“, an den Ständen von „Zeit“ oder „Spiegel“ ja auch noch bei so richtig, also fernsehmäßig prominenten Autoren hängen geblieben wie Salman Rushdie und Ranga Yogeshwar. Und beim telegenen Förster Peter Wohlleben, der gerade auf allen Kanälen Bäume, Wald und das sonstige Leben erklärt und in der Buchmessewoche gleich mit drei Werken in den Sachbuch-Top-10 steht. Und bei Daniel Kehlmann hat man noch vorbeischauen müssen, dessen Auftritte an den allergrößten Menschentrauben zu erkennen waren. Und bei Axel Hacke und bei Sven Regener und bei der einnehmenden Mariana Leky, die für ihr gewitztes Dorfporträt „Was man von hier aus sehen kann“ gerade alles Lob einfährt, das die Branche zu vergeben hat. Und ein Muss war natürlich Robert Menasse, der am Vorabend der Messe für seinen Roman „Die Hauptstadt“ den „Deutschen Buchpreis“ bekam und deshalb auf keiner, auf überhaupt keiner Bühne fehlen durfte.

Wundervoll ist das, auf so engem Raum so viele so schlaue Stimmen hören zu können und aus nächster Nähe die zugehörigen Gesichter zu sehen und auch mal kleine Nervositäten der Persönlichkeiten spüren zu können. Und wenn der offizielle Messetag gegen 18 Uhr endet und sich die geladenen Gäste zum Trinken, Tratschen und Tanzen in den Verlagsvillen und Museumsbars treffen, kann der normale Literaturfreund beim Festival „Open Books“ in der Innenstadt, rund um den Römer, weiterlauschen: Die Kulturradios von SWR und HR ließen da zum Beispiel an zwei Abenden je acht illustre Autoren im Viertelstundentakt vorlesen und Fragen beantworten. Neben den allgegenwärtigen Menasses, Timms und Regeners waren auch einige noch nicht ganz so bekannte, aber vielversprechende Schriftsteller dabei: Theresia Enzensberger, Mirko Bonné, Jens Steiner und einige mehr. Und die Besucher standen teils Stunden vor den randvollen Römerhallen, um irgendwann wenigstens für einen Teil der Lesungen eingelassen zu werden.

„Buchsingung“ mit Udo Lindenberg

Dass die Lust und die Fähigkeit, zu lesen, zuzuhören und sich zu konzentrieren durchwegs nachgelassen hätten, das ließen diese Buchmessetage jedenfalls nicht erleben. Wer trotzdem schwarz sieht, dem seien zwei zugegebenermaßen simple, aber unsterbliche Songzeilen von Udo Lindenberg aus Frankfurt mitgebracht. Von wem? Von Panik-Udo? Ja, der war auch auf der Buchmesse und stellte den Bildband zu seiner Stadiontour vor. Das tat er freilich, für viele überraschend, nicht als Lesung, sondern als „Buchsingung“. Mitsamt „Panikorchester“ rockte Lindenberg also am Freitag-Feierabend das Freigelände, rund ein Dutzend Songs lang. Und mindestens zwei davon können notfalls auch Literaturfreunden Mut machen: „Ich mach mein Ding – egal, was die andern sagen“. Und natürlich: „Hinter dem Horizont geht’s weiter“...

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