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Auf dieser Seite der Klagemauer gab’s Lösungsvorschläge für die auf der anderen Seite beklagten Probleme. Im Bild (v.l.): Manfred Unger (DGB), Petra Reiter (KAB), Daniela Fischer (IG Metall) und Andreas Kohl (KAB). 

Maikundgebung am  „Tag der Arbeit

Das Arbeitsleben als „Zitterpartie“

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„Wer 15 Jahre als Minijobberin gearbeitet hat, bekommt gerade mal eine Rente von 70 Euro“, klagte Betriebsseelsorger Andreas Kohl bei der zentralen Maikundgebung am  „Tag der Arbeit“. Auch die Teilzeitbeschäftigung und den digitalen Wandel nahm er ins Visier.

Weilheim – Kritisch äußern sollten sich bei der Veranstaltung, zu der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eingeladen hatten, auch die Besucher: An einer aus Kartons errichteten „Klagemauer“ konnten sie im Foyer der Stadthalle kleine rote Banner mit eigenen Anmerkungen befestigen. Eine ungerechte Vermögensverteilung wurde auf den Zetteln genauso beklagt wie Tarifflucht und eine zu geringe Wertschätzung für Sozialberufe.

Zum Thema „Vermögensverteilung“ hatte Betriebsseelsorger Kohl zuvor in seiner Rede gesagt: „Deutschland hat ein massives Gerechtigkeitsproblem.“ Der Redner forderte unter anderem eine Neuauflage der Vermögenssteuer.

Er beklagte auch, dass fast vier von zehn Arbeitnehmern in Deutschland keinen normalen Arbeitsvertrag hätten. „Das Arbeitsleben ist für die Betroffenen zur Zitterpartie geworden“, sagte Kohl. Und eine unsichere Beschäftigung sei ein „echter Hemmschuh“ für die Lebensplanung – für ehrenamtliches Engagement genauso wie für die Familiengründung.

Mit den Minijobs ging der Redner genauso ins Gericht wie mit der Leiharbeit und der Teilzeitarbeit. Vor allem Frauen seien in der Teilzeit-Falle, so die Meinung Kohls, der einen rechtlichen Anspruch auf die Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung forderte. Es könne nicht sein, dass Frauen benachteiligt würden, die wegen der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen beruflich kürzer treten.

Die KAB sieht es laut Kohl auch als ihre Aufgabe, den digitalen Wandel wachsam zu begleiten. Viel Beifall von den Zuhörern erntete der Betriebsseelsorger für seine Aussage: „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht die Technik und schon gar nicht der Markt.“ Für „ordentliche Tarifverträge“ brach Kohl genauso eine Lanze wie für die Idee der Erwerbstätigenversicherung als Altersvorsorge, in die Angestellte genauso einzahlen wie Selbstständige und Politiker.

Rudi Hochenauer, ehemals Betriebsratsvorsitzender der „Telekom“ in Weilheim, warnte in seiner Rede vor einem Rechtsruck in der Gesellschaft und sagte, starke Gewerkschaften seien in Deutschland unabdingbar. Nach seiner Erfahrung sind in jüngster Zeit viele junge Menschen Gewerkschaftsmitglieder geworden. Und auch unter den schätzungsweise gut 100 Besuchern in der Stadthalle war eine ganze Reihe junger Zuhörer.

Mehr Infos

über die Sozialaktion „Hier arbeitet ein Mensch“, die die Betriebsseelsorge der KAB Augsburg gestern gestartet hat, gibt es im Internet unter www.kab-augsburg.org.

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