Menschenleer ist dieser Strand auf Ibiza – Katrin Hammer vom Penzberger Reisebüro „Ibiza-Spezialreisen“ ist seit mehreren Wochen auf der Insel, für die es wie auf Mallorca keine Reisewarnung mehr gibt.
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Menschenleer ist dieser Strand auf Ibiza – Katrin Hammer vom Penzberger Reisebüro „Ibiza-Spezialreisen“ ist seit mehreren Wochen auf der Insel, für die es wie auf Mallorca keine Reisewarnung mehr gibt.

Nur wenige Buchungen

„Alle geiern nach Sonne“: Mallorca-Ansturm bleibt bei Reisebüros in Weilheim-Schongau trotzdem aus

Mallorca und alle balearischen Inseln sind seit dieser Woche kein Risikogebiet mehr. Damit entfallen vorerst Testpflicht und Quarantäne für Reiserückkehrer. Beginnt nun der große Run auf die Reisebüros?

Landkreis – „Also, mir läuft im Moment noch keiner die Bude ein“, sagt Florian Troeml. Der Inhaber des VBR-Reisebüros ist aus dem Urlaub in der Dominikanischen Republik zurückgekehrt und sitzt mittlerweile wieder in seinem Büro in der Lechstadt. Trotz der Lockerungen für die Balearen kann er aktuell keinen Ansturm auf Mallorca-Reisen verzeichnen. Viele seiner Kunden seien nach wie vor stark verunsichert. „Keiner weiß doch, wann die nächste Reisewarnung kommt“, sagt er frustriert.

Für den Sommer habe er bisher nur vereinzelt Buchungen, Reiseziele seien unter anderem Italien, Griechenland oder die Türkei. Im Vergleich zu coronafreien Vorjahren sei die Anzahl aber immer noch sehr gering. An die Politik richtet der Reiseverkehrskaufmann deutliche Worte: „Bevor man Mallorca als Reiseziel freigibt, sollte man lieber mal an den innerdeutschen Tourismus denken.“ Eine zeitnahe Öffnung von deutschen Hotels ist in seinen Augen überfällig. „Außerdem sind so viele Fragen ungeklärt“, sagt Troeml. So wisse man noch nicht, ob das Reisen ohne Impfung im Sommer überhaupt möglich sein werde.

Karl Schramm: „Im Flieger fühle ich mich sicherer als in der Münchner U-Bahn“

Scharfe Kritik übt auch Karl Schramm vom Reisebüro Tscharlies Reisen in Peiting: „Die Politiker haben uns komplett verloren mit diesen unlogischen Bestimmungen.“ Er verstehe nicht, wieso Urlauber, die über Ostern nach Mallorca fliegen, verteufelt werden. „Warum sollte man denn nicht in ein Land reisen, das im Moment besser dasteht als Deutschland?“, fragt er sich. „Im Flieger fühle ich mich sicherer als in der Münchner U-Bahn.“

Laut Schramm ist es kein Partytourismus, der dort jetzt stattfindet, sondern zu dieser Jahreszeit kommen Touristen hauptsächlich zum Wandern oder Fahrradfahren auf die Insel. „Und genau das ist doch auch wichtig für das Immunsystem“, sagt der Reisebüroinhaber. „Mal Abschalten und zur Ruhe kommen nach diesem verrückten Jahr.“ Zudem sollte man an die Ortsansässigen denken, deren Haupteinnahmequelle der Tourismus sei. „Denen geht es doch viel schlechter als uns“, sagt er.

Für Pfingsten und Sommer hat Schramm nach eigenen Angaben mehrere Buchungen für Griechenland, jedoch verzeichnet die Tourismusbranche auch weiterhin sehr starke Einbußen. „Wir sprechen hier von einem Umsatzverlust von bis zu 80 Prozent“, sagt er.

Katrin Hammer: „Alle geiern nach Sonne“

Katrin Hammer ist seit einigen Wochen auf der balearischen Insel Ibiza. Der Penzbergerin gehört das Reisebüro „Ibiza-Spezialreisen“. „Im Moment bin ich auch ganz zufrieden“, sagt sie. Denn für Ostern habe sie bereits fünf Buchungen erhalten, auch für den Sommer seien mehrere Anfragen eingegangen. „Alle geiern nach Sonne“, sagt Hammer. Vor Ort verhandele sie gerade mit ihren Hotelpartnern, um ihren Gästen kostenlose Stornierungen bis einen Tag vor Anreise zu ermöglichen. „Weil keiner weiß doch, wie es im Sommer werden wird.“ Hammer geht davon aus, dass viele Urlaubsreifen heuer via Internet buchen. „Denn die meisten wollen wahrscheinlich in Ferienwohnungen und nicht in Hotels“, vermutet sie.

Uta Orawetz: „Können uns nicht noch Jahre einschließen“

Uta Orawetz, Inhaberin des Weilheimer Reisebüros Simader sagt: „Wir hatten zwar mehrere Anfragen zu Mallorca, Buchungen über Ostern gab es aber bisher nur eine.“ Nach langen Beratungsgesprächen entschieden sich die anderen Interessenten gegen eine Reise ins Ausland. „Wir beraten unsere Kunden nach bestem Wissen und Gewissen“, sagt Orawetz. Keiner solle unaufgeklärt reisen, da im Moment große Vorsicht geboten sei.

Dennoch ist sie der Meinung, dass es so nicht weitergehen kann. „Wir können uns nicht noch Jahre einschließen“, sagt sie. Die Weilheimerin stört sich an der Berichterstattung zu Mallorca. „Wir haben doch jetzt nicht plötzlich Hunderte von Flieger am Himmel“, sagt sie. Zwar wollten die Menschen verreisen, aber der Großteil sei weiterhin zurückhaltend.

Für Pfingsten und den Sommer liegen dem Reisebüro Simader laut Orawetz vereinzelt Buchungen für Griechenland, Ischia oder auch Deutschland vor. „Aber eine Garantie für den Urlaub gibt es natürlich keine.“

Jennifer Battaglia

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