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„Endlich mal wieder im wunderschönen Weilheimer Stadttheater“, freute sich Martin Kälberer bei seinem Solokonzert am Freitagabend. 

Martin Kälberer im Stadttheater 

Im „Flow“ mit dem Klang-Erspürer

Er ist in Weilheim ein gern gesehener Gast, der Musiker Martin Kälberer. Mit seinem Soloprogramm „Suono“  trat  er wieder einmal im Stadttheater auf. 

Weilheim – In Scherzformulierung, passend zum Winter, könnte man Martin Kälberer charakterisieren als „kein Skifahrer, doch ein Meister des Hanges“. Das Hang nämlich, die Schweizer DeLuxe-Version der Steeldrum, hatte der 50-jährige Musiker gleich in vier Größen im Weilheimer Stadttheater dabei. Doch im Solo-Programm „Suono“ griff Kälberer am Freitagabend vor rund 200 Zuhörern auch zu Jazz-Keyboard und Loop-Maschine.

Zum Einstieg aber sitzt er am Flügel: Kälberer lässt helle Töne weit davonschweben, unterfüttert sie manchmal mit tiefgelagerten, jazzigen Crescendi, und doch lässt er die Beschleunigungen immer wieder auslaufen und die sphärische Helligkeit hervortreten – und, ja: Er lässt seine Anschläge regelrecht abheben und fliegen. Erfahrenen Weilheimer Zuhörern kommen da Assoziationen an den Richtung Füssen verzogenen Tastenzauberer Martin Vatter.

„Ich spiele mit dem festen Vorsatz, beim Musizieren an jeder möglichen Abzweigung abzuzweigen“, erklärt Kälberer. Jedes Konzert werde dadurch anders, getragen von spontanen Inspirationen – aber der Auftritt in Weilheim sei ohnehin ganz besonders, denn: „Ich gebe heute mein Programm ,Suono’ zum letzten Mal, und ich mag es sehr gerne.“
 Tupfend bringt Kälberer das Hang zum Singen und baut den Klang aus durch einen tiefensatten Trommel-Ton, den er in die Loopmaschine einspielt. Eine Minute lang spürt er auf dem Hang dem Rhythmus nach: Kernig-vorwärtsstrebend wird der Sound, bis er die Tiefen zurücknimmt und nun leise, jazzige Silben ins Mikro summt. Traumverloren endet der „Red Sky“ und erntet viel Beifall.

Meist wechseln nun Stücke an einem der Hange und am Piano. Nicht immer geht es meditativ zu. Am Flügel gibt es auch dynamische Jazz-Klänge, bisweilen gar mit einem Hauch von Stride, Funk oder Blues, dies stets jedoch so kurz und zart vorüberziehend, als werde man von einem wehenden Seidentuch gestreift. Bald darauf schichtet Kälberer den melodiösen Silbengesang zum Keyboard kunstvoll-hallig übereinander fast wie die irische New-Age-Sängerin „Enya“.

In kurzen Moderationen erklärt er mit sonorer Stimme seine Instrumente oder auch die Entstehungsgeschichte einzelner Kompositionen, so das Stück „Gibellina“ für einen Erdbeben-Gedenkort auf Sizilien. Durch eine Tamburin-artige Fußtrommel kommt hier südlich-heißblütiges Tempo zum Hang hinzu.
 Als weitere Varianten punktet der Klang-Erspürer mit raschem Silbengesang oder auch mit dem Ausbau des Hangs zum Rhythmusinstrument: Da wird das stählerne Klang-Ufo dann nicht nur, mit Fingerkuppen getupft, zum Singen gebracht, sondern auch mit Knöcheln geklopft oder für einen tiefen Trommeleffekt regelrecht gefäustelt.

So bot „Suono“ (das italienische Wort für „Klang“) sehr viele seelenschmeichelnde Momente, wenngleich der fließende Effekt des Konzerts es schwierig macht, spezielle Teile zu erinnern. Vielleicht ist dieser musikalische „Flow“ aber gerade die spezielle Stärke – und Kälberer hat bereits ein neues Programm in petto.

Andreas Bretting

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