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Alle Augen richteten sich auf das Urmel: (Alexandra Stölzl, kniend): Die „Bühnenflöhe“ im Stadttheater.

Max Kruses Geschichte im Stadttheater

Viele „Bühnenflöhe“ und ein Urmel begeistern das Publikum

Auch ohne die Marionetten der „Augsburger Puppenkiste“ ist es eine Schau. Die Münchener „Bühnenflöhe“ begeisterten  mit „Urmel aus dem Eis“.

Weilheim Wer beim Anblick des Bühnenbilds im Stadttheater sofort die Marionetten der Augsburger Puppenkiste vor Augen hat, ist vermutlich mit seinen Enkelkindern hier. Denn die Geschichte vom „Urmel aus dem Eis“, der wohl berühmtesten Figur Max Kruses, wurde 1969 von der Puppenkiste erstmals verfilmt und in der ARD ausgestrahlt. Dass der niedliche kleine Dinosaurier, eingefroren im Ei, Millionen Jahre nach seinen Vorfahren als später Nachkömmling aus diesem schlüpft und bei einem Professor landet, der den Tieren das Sprechen beibringt, hat allerdings auch die folgenden Generationen begeistert. Am Samstagnachmittag war die ungebrochene Faszination, die vom Urmel ausgeht, daran abzulesen, dass es im Theaterfoyer bunt durcheinander wuselt und die Vorfreude der vielen Kinder unüberhörbar ist.

Die „Bühnenflöhe“ des Münchener „Theaters in der Au“ haben ein liebevoll gemachtes Bühnenbild mitgebracht. Links steht die Tiersprechschule des Professor Tibatong, ein Häuschen aus Bambusstämmen, davor die Riesenmuschel, das Zuhause des Warans Wawa, die im Kopf sofort zur „Mupfel“ wird, wie sie Ping, der Pingiun, zu nennen pflegt. Hinter dem Haus erblüht die üppige Vegetation der Insel Titiwu; im Vordergrund liegt der Felsen, auf dem der See-Elefant Seele-Fant seine schaurigen Lieder zu singen pflegt. Der Anblick des Bühnenbilds genügt, um all diese Erinnerungen wach werden zu lassen, noch ehe ein Akteur die Bühne betreten hat. Diese werden nun gegen die zauberhaften Marionetten anspielen müssen. Kein leichtes Unterfangen. Doch, das sei vorweg genommen, es gelingt, jedenfalls weitestgehend.

Richard Bechler gibt den Professor ganz dem Klischee verhaftet: zerstreut, weltfremd, versponnen in seine Wissenschaft. Inge Kuhn fällt die nicht eben leichte Aufgabe zu, seine Haushälterin Wuz, ein Schwein und die fehlerlos sprechende Meisterschülerin Tibatongs, darzustellen. Brunhild Wetzler fegt als Tim, Pflegesohn des Professors, über die Bühne und hat die Herzen der kleinen Zuschauer sofort gewonnen. Ladin Loebe gibt einen sehr niedlichen Ping, hilfsbereit und freundlich, wenn es nicht gerade darum geht, dass er „auch eine Mupfel“ haben will. Deren Bewohner Wawa wird von Elke Zimmer mit gelassener Souveränität dargestellt. Aleksandra Kaplina lässt den Seele-Fant herzergreifend falsch singen und Karola Hafner als Schusch, der Schuhschnabel, verleiht dem hierzulande weitgehend unbekannten afrikanischen Vogel Würde und sympathische Ausstrahlung.

Allen voran aber muss Alexandra Stölzl genannt werden, die es schafft, das Urzeit-Tier als ein ebenso ungewöhnliches wie liebenswertes Wesen darzustellen, dessen Charme sich weder die Inselbewohner noch die Zuschauer entziehen können. Lediglich Yegor Pogorilyy als König Pumponell, der das Urmel der Galerie seiner Jagdtrophäen hinzufügen möchte, bleibt ein wenig eindimensional. Vielleicht hat die Regie (Christian Janda, Inge Kuhn) den einzigen Bösewicht im Stück aber auch bewusst so angelegt. Die Botschaft, die Kruse seiner Geschichte beigegeben hat, kommt jedenfalls rüber: Der Mensch ist nicht mehr und nicht weniger als Teil der Schöpfung. Daher muss er alle seine Mitgeschöpfe achten und verstehen lernen. Die Inselbewohner auf Tititwu haben das längst verinnerlicht. Nach einer Verfolgungsjagd und der dramatischen Rettung aus einer eingestürzten Höhle hat es auch König Pumponell begriffen. Lauter, begeisterter Beifall der kleinen und großen Zuschauer.

Sabine Näher

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