Telefonteam im Landkreis aktiv

IG Metall holt abtrünnige Mitglieder zurück

Mitglieder, die ausgetreten sind, lässt die IG Metall nicht einfach gehen. Sie versucht, die Abtrünnigen mit eine Rückholaktion zum Bleiben zu veranlassen.

Die beiden christlichen Kirchen machen es, bei Unternehmen ist es gang und gäbe, und auch die IG Metall versucht, mit einer Rückholaktion, ausgetretene Mitglieder davon zu überzeugen, ihren Schritt rückgängig zu machen. Und sie ist erfolgreich: Rund 30 Prozent der Mitglieder überlegen es sich anders und bleiben.

Bei der Gewerkschaft, die knapp 7000 Mitglieder im Oberland vertritt, ist Marion Jauch in der Verwaltungsstelle in Weilheim für die Rückholaktion mit einem ehrenamtlichem Team zuständig. Meist abends kommt das Quintett – derzeit neben Jauch noch Claudia Steindorf, Tom Lindner, Manfred Unger und Birgit Hammer – in die Verwaltungssstelle und ruft die Männer und Frauen an, die ihre Mitgliedschaft bei der IG Metall gekündigt haben. „Zunächst informieren wir über unsere Leistungen wie Rechtsschutz oder Freizeitunfallversicherung, das wissen viele Mitglieder einfach nicht“, so Jauch.

„Was hat die IG Metall mit Tarifverträgen zu tun?“, auch das bekommen die Rückholer zum Beispiel am Telefon zu hören. Andere sagen: „Das brauche ich nicht mehr“, wenn sie den Betrieb verlassen, arbeitslos werden oder in Rente gehen. Dann verweisen die Rückholer darauf, dass sowohl Rentner und Arbeitslose als auch Schüler und Studenten deutlich geringere Beiträge zahlen.

Neben dem persönlichen Nutzen appellieren die Fünf auch an die Solidarität der Austrittswilligen. Die Argumente zeigen bei knapp einem Drittel Wirkung: Seit 2012 sind 1128 Mitglieder bei der Gewerkschaft ausgetreten, 330 haben es sich dann nach dem Anruf anders überlegt (29,3 Prozent). Bei manchen allerdings reichen weder der Appell an die Solidarität und der Hinweis auf persönliche Vorteile noch Überredungskünste: Sie bleiben bei ihrer Meinung, manche vermerken sogar, dass sie nicht angerufen werden wollen, anderen legen einfach auf, wenn sich die IG Metall meldet.

Doch die meisten hören zumindest zu. Die meisten Gespräche verlaufen „sehr freundschaftlich“ – meist im bei der Gewerkschaft üblichen „Du“, so Jauch. Die Rückholer der IG Metall bereiten sich mit Workshops auf ihre Aufgabe vor und besprechen auch die aktuellen Fälle, bevor sie zum Telefon greifen.

Am meisten zu tun haben die Ehrenamtlichen zu Jahresbeginn – „in der dunklen Jahreszeit“, wie Jauch sagt. Hauptgründe für den Austritt sind „Ärger“ über die Gewerkschaft, finanzielle Aspekte und die Meinung „Das brauch’ ich nicht“.

Jauchs erfreulichstes Erlebnis in Zusammenhang mit der Rückholaktion war eine Jubilarehrung vor einigen Jahren: Eine ältere Frau fiel ihr überraschend um den Hals, sie bedankte sich, dass sie vor vielen Jahren überzeugt worden war, bei der Gewerkschaft zu bleiben, und sich nun sehr über die Mitgliederehrung freute.

Und für die IG Metall bedeuten verbliebene Mitglieder Geld in der Kasse. Bleiben 80 Mitglieder pro Jahr dabei, bedeutet das bei einem durchschnittlichen Monatsbeitrag von 30 Euro knapp 30 000 Euro in der Kasse.

Übrigens: Auch bei der Gewerkschaft „ver.di“ gibt es eine solche Rückholaktion. Die Quote liegt zwischen fünf und 30 Prozent, je nachdem, ob es ein ehrenamtliches Team vor Ort gibt oder die Aufgabe von Mitarbeitern von außen vorgenommen werden, so Bezirksleiter Werner Röll auf Anfrage. Bei der Gewerkschaft GEW ist sie gerade im Aufbau – die holt sich dazu Tipps bei der IG Metall, so Jauch. jt

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