Stelllten die Umfrage vor: (von links) Gerhard Schneider („Hörmann Automotiv“ Penzberg, Dieter Faust, Dietmar Ahl („Bechtold“ Weilheim) und Marc Hilgenfeld (Geschäftsführer der bayme vbm).

Metallarbeitgeber im Oberland

„Weniger Arbeitszeit – das geht gar nicht“

Volle Auftragsbücher, gute Renditen und beste Perspektiven: Für die Metallarbeitgeber im Oberland müsste der Himmel eigentlich voller Geigen hängen – wären da nicht der Fachkräftemangel und die Pläne der IG Metall zur Reduzierung der Arbeitszeit.

Weilheim/Landkreis – Selbst Dieter Faust, Vorsitzender der Metall- und Elektroarbeitgeberverbände der Region im Oberland (bayme vbm), war überrascht vom Ergebnis der jährlichen Umfrage unter den rund 120 Metall- und Elektrobetrieben, die von etwa der Hälfte beantwortet wurde. Schon 2016 war die Stimmung sehr gut, 2017 ist sie noch ein wenig besser – trotz der unsicheren Weltlage. Das habe er kaum für möglich gehalten, so Faust bei einem Pressegespräch des Arbeitgeberverbandes bei der Firma „Bechtold“ in Weilheim. Die Beschäftigung ist so hoch wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, aktuell arbeiten in den dem Arbeitgeberverband angeschlossen Betrieben in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg, Starnberg, Garmisch-Partenkirchen und Landsberg 17 000 Menschen, zum Jahresende sollen es 17.500 sein. Knapp die Hälfte aller Firmen plant Neueinstellungen, Entlassungen befürchten nur etwa sieben Prozent.

Die geplanten Neueinstellungen werden sich laut Faust nicht ohne Weiteres umsetzen lassen. Denn die Branche leide unter dem Fachkräftemangel. 28 Prozent der Betriebe gab an, dass dies ein Problem für sie sei. Dem könnte man mit erhöhter Flexibilität – nicht mit Mehrarbeit – entgegenwirken. Da seien Gesetzgeber und Gewerkschaft gefragt. Ein Arbeitstag mit maximal zehn Stunden passe nicht mehr in die Zeit, so Faust. Es müsse möglich sein, an einem Tag mehr zu arbeiten, die Wochenarbeitszeit solle dabei aber nicht überschritten werden. Es gebe sehr viele Mitarbeiter in der Branche, die bereits jetzt freiwillig mehr als die tariflich festgesetzten 35 Stunden arbeiten und entsprechend mehr verdienten.

Da passten die Forderungen der IG Metall, mit denen sie in die nächste Verhandlungsrunde 2018 gehen wolle, nicht mehr ins Bild, so Faust. „Weniger Arbeitszeit, das geht gar nicht.“ Die Gewerkschaft diskutiert über eine Forderung, wonach Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben werden solle, individuell die Arbeitszeit auf 28 Stunden (ohne Ausgleich) zu verkürzen. Die 35-Stunden-Woche insgesamt werde nicht angetastet, so Daniela Fischer von der IG Metall auf Nachfrage.

Die Ertragslage der Firmen im Oberland ist nach wie vor gut. Laut Umfrage erwirtschaftet knapp die Hälfte eine Nettoumsatzrendite von vier Prozent und mehr; bei jedem sechsten Betrieb liegt sie unter zwei Prozent. Die Geschäftslage im In- und Ausland in der ersten Jahreshälfte bewerten rund 72 Prozent der Betriebe positiv, unzufrieden waren nur zwei Prozent.

Johannes Thoma

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