Das Schechenfilz bei Iffeldorf zeigt die Schönheit der heimischen Moorlandschaft.
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Das Schechenfilz bei Iffeldorf zeigt die Schönheit der heimischen Moorlandschaft.

Renaturierung der Moore im Landkreis

Millionen für natürlichen CO2-Speicher

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Ein zentraler Punkt beim Klimaschutz im Landkreis Weilheim-Schongau ist der Erhalt und die Renaturierung von Moorflächen. Denn diese binden Unmengen an CO2, das bei ihrer Trockenlegung in die Atmosphäre abgegeben wird.

Landkreis – Seit Jahren kauft der Landkreis Weilheim-Schongau aus diesen Gründen Moorflächen an und renaturiert diese. Wie weit das Projekt vorangeschritten ist, darüber informierte jetzt der Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung, Florian Steinbach, die Mitglieder des Umweltausschusses und des Energiebeirates im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung.

Dabei werde man kräftig vom Freistaat Bayern unterstützt, so Steinbach. Unter anderem finanziere diese eine Fachkraft zur fachlichen Umsetzung – früher eine Drittel-, seit 2020 dann eine halbe Stelle.

Zudem gebe es großzügige Zuschüsse für den Erwerb oder die dingliche Sicherung von Flächen aus dem Klimaprogramm Bayern 2050. Eine dingliche Sicherung ist ein im Grundbuch vermerktes Recht, ein Grundstück dauerhaft in Anspruch nehmen zu können – beispielsweise durch eine Renaturierung der Moorfläche. Das Grundstück selbst verbleibt dabei beim Besitzer, er erhält allerdings eine Entschädigung für den mit der Nutzung einhergehenden Wertverlust.

Der Zuschuss des Freistaats für den Ankauf oder die besagte dingliche Sicherung der Grundstücke belaufe sich auf 90 Prozent, so Steinbach im Ausschuss. Dadurch sei es in den vergangenen Jahren möglich geworden, 343 Hektar Moorflächen zu sichern. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf rund 2,2 Millionen Euro, davon entfielen rund 320 000 Euro als Eigenanteil auf den Landkreis.

Die angekauften Flächen liegen in Bernbeuren, Böbing, Hohenpeißenberg, Iffeldorf, Obersöchering, Peiting und Wildsteig. Der Erwerb ist das eine, die Renaturierung das andere. Hierfür müssen die ehedem trockengelegten Flächen wieder bewässert werden. Von den 343 Hektar Hochmoorfläche, die der Landkreis im Besitz hat, wurden bislang 122 Hektar wieder renaturiert, berichtete Florian Steinbach vom Landratsamt. Die Kosten für die Renaturierungsarbeiten übernehme zu 100 Prozent der Freistaat Bayern.

Auf den besagten Flächen sei bereits jetzt eine spürbare Zunahme der Artenvielfalt zu erkennen. Bei einer angenommenen Ausgasung von 15 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr seien durch die Renaturierungen bis jetzt 1837 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart worden. Zum Vergleich: Im Durchschnitt produziert jeder Bürger in Deutschland 7,9 Tonnen CO2 pro Jahr.

Bis jetzt wurde vor allem durch die Renaturierung der Moorflächen das weitere Ausgasen von CO2 verhindert, so Steinbach weiter. Wenn sich aber jetzt auch wieder die Torfmoose ansiedeln, nehmen diese rund drei Tonnen CO2 pro Jahr und Hektar zusätzlich auf.

Er verwies in seinem Bereich darauf, dass in dieser Statistik nur die Flächen des Landkreises berücksichtigt seien. Die tatsächlichen CO2-Einsparungen durch die Renaturierung von Moorflächen liege aber noch höher, da Naturschutzverbände und Staatsforsten ebenfalls Moore renaturiert hätten.

Folgekosten durch die Renaturierung würden kaum entstehen, sagte Steinbach. In der Regel lägen die Grundstücke fernab aller öffentlichen Wege, weswegen auch keine Verkehrssicherungspflichten bestehen. Lediglich die Dammbauten müssen alle paar Jahre kontrolliert werden – vor allem nach großen Hochwasserereignissen.

Für die Zukunft sollte geprüft werden, ob der im vergangenen Jahr neu gegründete Landschaftspflegeverband des Landkreises bei der Pflege der erworbenen und gesicherten Flächen eingebunden werden könnte.

An Steinbachs Vortrag schloss sich eine kurze Debatte im Umweltausschuss an. Romana Asam (Freie Wähler/Weilheim) forderte wie schon im vergangenen Herbst, dass die Belange der Landwirte, die Flächen bewirtschaften, die direkt an die renaturierten Moorgebiete anschließen, beachtet werden sollen.

Prof. Stefan Emeis (Grüne/Weilheim) wies als stellvertretendes Ausschussmitglied darauf hin, dass man auf der einen Seite erhebliche Summen in die Renaturierung von Moorflächen investiere, andererseits aber auf dem Gebiet der Stadt Weilheim weiterhin Torfabbau zugelassen werde.

Aus der Verwaltung hieß es dazu, man suche das Gespräch mit der Stadt Weilheim, wenn man sich die Flächen aber nicht gesichert habe, sei man auf die Bereitschaft der Besitzer angewiesen, das Projekt „Renaturierung von Moorflächen im Landkreis Weilheim-Schongau“ zu unterstützen.

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