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In den vergangenen Jahren wurde intensiv in das Krankenhaus Weilheim investiert.

4,77 Millionen Euro Verlust

Millionenverlust bei Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Seltsame Situation im Kreistag: Da steht der Bericht des Krankenhaus-Geschäftsführers Thomas Lippmann auf der Tagesordnung – und der Geschäftsführer fehlt. Statt dessen wurde wortlos der Beteiligungsbericht des Landkreises verteilt.

Landkreis – Landrätin Andrea Jochner-Weiß erklärte im Kreistag, dass es Missverständnisse bei der Terminabsprache gegeben habe. Anschließend fragte sie, ob der Kreistag angesichts des Umstands, dass man den Geschäftsbericht der Krankenhaus GmbH ausgeteilt habe, noch Bedarf sehe, dass Lippmann zur nächsten Sitzung eingeladen werde. Gleich mehrere Kreisräte bejahten das mit Blick auf die Jahresergebnisse für 2017, die vorgelegt wurden.

Einmal mehr steht am Ende ein Fehlbetrag, der aus Steuergeldern ausgeglichen werden muss. Konkret überweist der Landkreis 4,77 Millionen Euro an die Krankenhaus GmbH, um das Minus auszugleichen. 1,7 Millionen Euro weniger als noch 2016.

Interessant ist beim Blick auf das Geschäftsergebnis, wie unterschiedlich sich die einzelnen Standorte der Krankenhaus GmbH entwickeln. So macht die Klinik in Schongau deutlich weniger Verluste als der Standort Weilheim und schaffte es 2017, ihren Fehlbetrag weiter zu reduzieren. Wies Schongau im Jahr 2016 noch ein Minus von 2,8 Millionen Euro aus, waren es zwölf Monate später nur noch rund 2,2 Millionen Euro. Ganz anders die Entwicklung in Weilheim, wo das Krankenhaus nach 2,5 Millionen im Jahr 2016 ein Jahr später ein Minus von rund 2,6 Millionen Euro auswies.

Schließung des Krankenhauses Peißenberg zahlte sich aus

Warum sich das Gesamtminus im Vergleich zum Vorjahr reduzierte, wird beim Blick auf die Kosten für das Krankenhaus Peißenberg klar. Dafür wurde im Jahr 2016 noch ein Minus von 1,2 Millionen Euro ausgewiesen, obwohl die Einrichtung bereits am 31. Januar 2016 geschlossen wurde. Selbst das geschlossene Krankenhaus kostete weiter Geld: 47 000 Euro wurden dafür im Jahr 2017 fällig. Die einzige Einrichtung der Krankenhaus GmbH, die 2017 schwarze Zahlen schrieb, war die Geriatrische Rehabilition, die einen Überschuss von 15 000 Euro auswies.

Dabei stiegen 2017 laut dem Geschäftsbericht die Einnahmen. In Schongau wurden 1,9 Millionen Euro mehr eingenommen, in Weilheim 704 000 Euro. Am Ende reichte das aber nicht, die gestiegenen Kosten auszugleichen. Das liege unter anderem an den „Bestrebungen der Politik, zukünftig Krankenhäuser auf eine Mindestgröße von 500 Betten auszurichten“, heißt es im Geschäftsbericht. Das Krankenhaus in Schongau verfügt über 180 Betten, das in Weilheim über 160.

49 neue Vollzeitstellen geschaffen

Der Personaleinsatz für den Betrieb der Krankenhäuser ist beträchtlich: Zum Jahresende 2017 waren insgesamt 879 Mitarbeiter beschäftigt, die sich – weil etliche in Teilzeit beschäftigt sind – insgesamt 651 Vollzeitstellen teilen. Das bedeutet, dass 2017 binnen eines Jahres 49 Vollzeitstellen zusätzlich geschaffen wurden. Die Krankenhaus GmbH ist auch weiterhin einer der größten Ausbildungsbetriebe im Landkreis Weilheim-Schongau.

Zur Unterstützung medizinisch nachhaltiger Projekte, die nicht durch Fördermittel des Freistaats Bayern gedeckt werden können, gründete sich im September 2017 ein Förderverein der Krankenhaus GmbH.

„Insgesamt wird die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr als stabil beurteilt“, heißt es weiter im Geschäftsbericht. Eine Stabilität, die den Landkreis 2017 knapp fünf Millionen Euro kostete. Ein Ende des Zuschussbedarfs ist kurzfristig nicht zu erwarten. Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2018 gehen die Verantwortlichen von einem Zuschussbedarf für das Jahr 2018 aus, der bei rund 7,6 Millionen Euro liegen wird.

Landrätin bekennt sich zu kommunalen Krankenhäusern

Viel Geld für einen Landkreis mit erheblichen Schulden und einer der höchsten Kreisumlagen in ganz Oberbayern. Das ist auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß klar, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Krankenhaus GmbH ist: „Wir brauchen uns keine Hoffnungen zu machen, mit der Krankenhaus GmbH eine schwarze Null zu erreichen“, sagte sie im Dezember im Gespräch mit der Heimatzeitung. Angesichts der bundespolitischen Rahmenbedingungen „ist es schon fast ein Luxus, dass wir im Landkreis immer noch drei Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung haben. Schade ist nur, dass diese Situation nicht immer geschätzt wird“, hatte sie damals weiter gesagt. Ein „Luxus“, der aus dem Kreishaushalt finanziert wird.

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