“Wir hatten Blickkontakt“

Mit Kleinbus: 56-Jähriger aus Weilheim fuhr Nachbarn um

Zwei Nachbarn aus Weilheim lagen jahrelang im Streit. Im August letzen Jahres fuhr dann einer den anderen mit seinem Kleinbus um, verletzte ihn dabei und fuhr auch noch davon.

Weilheim Der Angeklagte zeigte sich sehr aufgebracht im Weilheimer Amtsgericht. „Jetzt kommen Sie mal runter“, wies ihn die Vorsitzende Richterin Christiane Serini zurecht. Der Mann schilderte den Unfallhergang aus seiner Sicht. Sein Nachbar sei aus seinem eigenen Bus am Ende der Straße, an einem Wendehammer, ausgestiegen und mit seinem Hund zu seinem Haus gelaufen. Er selbst saß in seinem Bus und wollte wegfahren. Der Nachbar habe das gesehen, seinen Hund zurückgezogen und einen Schritt rückwärts gemacht. „Dann bin ich langsam gefahren“, sagte der 56-jährige Angeklagte. Plötzlich habe er Hilferufe gehört, sei ausgestiegen und habe seinen Nachbarn am Boden liegend gesehen.

„Ich wußte gar nicht, was passiert ist“, sagte er. Zwei Nachbarinnen waren hinzugekommen und hatten dem verletzten Mann aufgeholfen. „Er hat mich wüst beschimpft“, behauptete der Angeklagte. Dann sei sein Nachbar ins Haus gegangen und er dachte, alles sei erledigt, deshalb sei er weitergefahren.

„Er ist bewusst auf mich zugefahren“

Ganz anders schilderte der 70-jährige Geschädigte den Vorfall. „Er ist bewusst auf mich zugefahren. Wir hatten Blickkontakt“, schilderte er – ebenfalls sichtlich erregt – das Geschehen vor Gericht. Durch den Unfall zog er sich eine langwierige Knieverletzung und ein paar Aufschürfungen zu.

Worum es sich bei diesem Nachbarschaftsstreit eigentlich handelte, wollte die Richterin nicht so detailliert wissen. Laut Aussagen der Kontrahenten ging es um die Kleinigkeiten wie das unerlaubte Fahren über das Nachbargrundstück. Außerdem soll der Angeklagte häufig in betrunkenem Zustand seinen Nachbarn vor Kindern massiv beschimpft haben.

Vorwurf der Unfallflucht

„Dass so ein Streit so endet, ist aber furchtbar“, sagte eine Zeugin aus. Sie hatte die Hilferufe gehört und war dem verletzten Nachbarn zur Hilfe geeilt. Sie bestätigte, dass dieser mit Unterstützung einer weiteren Nachbarin in sein Haus gegangen sei, aber nicht weil die Sache für ihn erledigt gewesen sei, wie es der Angeklagte erst erklärt hatte. „Pass auf, dass er nicht davon fährt! Ich hole die Polizei“, hatte der Geschädigte der Frau aufgetragen. Und das habe der Angeklagte auch gehört, so die Zeugin.

Mit dieser Aussage erhärtete sich der – neben der Straßenverkehrsgefährdung – im Strafbefehl angegebene Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Als die Richterin noch nach dem Alkoholkonsum des Angeklagten an besagtem Tag nachfragte, sprach der Angeklagte nur von einem Bier vor dem Unfall und eineinhalb Bier bei seiner Freundin danach – bis die Polizei ihn aufsuchte. Nachdem die zugezogene Sachverständige eingeworfen hatte, dass diese Schilderung mit den später ermittelten Blutwerten nicht übereinstimmen könne, zog sich das Gericht zur Beratung zurück.

Der Angeklagte knickte nach Rücksprache mit seinem Verteidiger ein, zog seinen Einspruch zurück und akzeptierte damit den Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 2000 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot.

Von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa / David-Wolfgang Ebener

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