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Der Jagdschein ist gefragt: Auch Frauen besuchen die Jagdschulen im Landkreis.

Frauen auf dem Vormarsch

Mit lackierten Fingernägeln zur Jagd

Den Menschen, die einen Jagdschein machen, ist es heute wichtiger als früher, Zusammenhänge in der Natur zu verstehen. Das zumindest hat Christian Schroll, Ausbildungsleiter an der Jagdschule Weilheim, festgestellt. Und das gilt für Männer wie für Frauen. 

Landkreis/Oberhausen – Im Ausbildungsjahr 2016/17 war der Andrang bei der Jagdschule Weilheim, die sich auf Gut Achberg bei Oberhausen befindet, so groß, dass sie Interessenten abweisen musste. 18 sogenannte Jungjägeranwärter, darunter drei Frauen, wurden aufgenommen, wobei der Kurs laut Schroll eigentlich auf nur etwa 15 Teilnehmer ausgerichtet ist. Sieben und damit deutlich weniger Schüler sind es im jetzt laufenden Kurs 2017/18. Schroll sieht den Rückgang als „natürliche Schwankung“ an, zudem hätten sich einige Interessenten noch gemeldet, seien aber zu spät dran gewesen.

Auch diesmal sind wieder drei Frauen unter den Kursteilnehmern. Frauen stehen den Männern laut Schroll bei der Ausbildung in nichts nach. Manchmal gingen sie sogar forscher an die Aufgaben ran, sagt der Ausbildungsleiter. Er erinnert sich, dass selbst eine Jungjägeranwärterin, die rot lackierte Fingernägel hatte, bei der Arbeit „gut hingelangt“ hat.

Das Image, dass es eine „Altherrenbeschäftigung“ ist, den Jagdschein zu machen, trifft nach Schrolls Erfahrung nicht mehr zu. Im Schnitt seien die Kursteilnehmer bei der Jagdschule Weilheim etwa 20 bis 60 Jahre alt. Aber auch ein 15-Jähriger sei schon ausgebildet worden. 1400 Euro kostet die Ausbildung an der Schule auf Gut Achberg – Unterlagen, Exkursionen und Leihwaffen inklusive. Für Munition muss extra bezahlt werden.

Wer am Ende wirklich Jäger ist und wer nur Jagdscheininhaber, das stelle sich erst nach der Jagdprüfung heraus, sagt Schroll. Bei der Jagd sei viel zu beachten. Und Jäger zu sein, sei mit viel Arbeit verbunden. „Da trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt der Ausbildungsleiter, dem es wichtig ist, dass an der Schule „Waidgerechtigkeit“ vermittelt wird, die eng mit dem Tierschutz verbunden sei. Das gestiegene Interesse der Jungjägeranwärter an Zusammenhängen in der Natur beziehe sich etwa auf das Verhalten von Füchsen zu bestimmten Zeiten im Jahr, sagt Schroll. Zur Vorbereitung auf den Jagdschein gehören laut Schroll 60 Stunden theoretischer Unterricht und mindestens 60 Stunden Praxis in einem Jagdrevier. Dazu kommt die Teilnahme an Pflichtveranstaltungen, wie einer Lehrtreibjagd.

Während die Jagdschule Weilheim mit ehrenamtlichen Kräften arbeitet, handelt es sich bei der Jagdschule Schongau um eine professionelle Einrichtung. Dort werden jährlich rund 120 neue Jäger ausgebildet. Auch unter ihnen sind viele Frauen. Deren Anteil liege mittlerweile bei 30 Prozent, so der Inhaber der Schule, Martin Kästl.

In Bezug auf die Mitglieder des „Jagd- und Naturschutzvereins Schongau und Umgebung“ stellt der Vorsitzende, Robert Eichner, fest: „Die Jägerschaft ist extrem überaltert.“ Der Altersdurchschnitt der 350 Waidmänner im Verein liegt bei über 60 Jahren. Eichner vertritt daher die Ansicht: „Es ist immer gut, wenn junge Jäger nachkommen.“

sts/mg

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