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Symbolfoto.

Mit Stuhl und Flasche Mann angegriffen

Vier Jahre Gefängnis für jungen Schläger

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Seine Stuhl- und Flaschenattacke in einer Weilheimer Unterkunft muss ein Asylbewerber (21) aus Nigeria mit einigen Jahren hinter Gittern büßen: Das Landgericht München II verurteilte ihn zu vier Jahren Haft wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.

Weilheim/Rottenbuch –  Obwohl sein genaues Alter nicht bekannt ist, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt, weil es dort mehr Hilfs- und Bildungsangebote gibt. „Wenn er Hilfe hat, könnte er noch was aus seinem Leben machen“, sagte die Vorsitzende Richterin, „wir möchten ihm das zuteil werden lassen.“

Der Nigerianer, der in Rottenbuch wohnte, verbrachte die meiste Zeit in der Container-Unterkunft in Weilheim, weil dort nigerianische Freunde von ihm lebten. Dort tranken sie, ratschten und machten Party. So auch am 27. Mai vorigen Jahres. Doch der 21-Jährige „missbrauchte sein Gastrecht in dieser Asylunterkunft massiv“, wie es die Richterin ausdrückte. Wie so oft drehte er spät abends noch laut die Musik auf, sodass ein Bewohner nicht schlafen konnte. Dieser verwies ihn schließlich der Unterkunft.

Der Nigerianer verließ die Container, kam aber durch einen zweiten Eingang wieder zurück. Das erboste den Bewohner, einen Landsmann, der ihn noch einmal hinauswarf. Daraufhin packte der Angeklagte einen schweren Stuhl mit Metallgestell und zog ihn dem Bewohner über den Schädel, der eine stark blutende Risswunde erlitt.

Damit nicht genug. Nachdem ein Mann aus Mali die beiden Streithähne getrennt hatte, ging der Angeklagte erneut auf seinen Landsmann los, griff nach einer abgebrochenen Glasflasche und zog ihm auch diese zweimal über den Kopf. Damit fügte er ihm weitere Schnittwunden zu.

Der Angeklagte hatte angegeben, dass er sich wegen seiner Alkoholisierung an vieles nicht mehr erinnern könne. Er gab aber zu, dass er mit dem Stuhl zugeschlagen habe. Er stellte sich aber eher als Opfer denn als Täter dar, weil er angeblich von dem Landsmann gewürgt worden sei. Das nahm ihm das Landgericht so nicht ab – und sah die Gewalteskalation eindeutig auf Seiten des Angeklagten. Sein Opfer hatte ihn lediglich nach der blutigen Stuhl-Attacke kurz am Hals gepackt.

War es eine Affekthandlung, eine Spontantat? Die Antwort der Richterin: „Nein.“ Er habe dableiben und Spaß haben wollen. „Genau das wollte er durchsetzen.“ Er habe seine eigene Persönlichkeit in den Vordergrund gestellt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre und sechs Monate Haft gefordert, der Verteidiger zehn Monate auf Bewährung.

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