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Hängt sich rein für die gute Sache – und für die eigene. Am Ende warb Philipp Weber für den Auftritt seiner Lebensgefährtin Inka Meyer am 16. September im „Hänsel’s“ Weilheim und fürs eigene neue Solo am 1. Oktober auf Oberhausens „Stroblbühne“. 

„kabarett-Abo weilheim“  mit Philipp Weber

Moral macht Spaß

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Philipp Weber begeisterte sein Publikum im ausverkauften Stadttheater.  Der Kabarettist bewies, dass auch Appelle  Spaß machen können. 

Weilheim – Die Pointen, die Philipp Weber am Sonntagabend im Stadttheater in der ersten halben Stunde verfeuerte, würden manchem Kabarettkollegen für drei Programme reichen. Pointen auf den Ort des Gastspiels („ich hab’ schon viele Weilheims bespielt, aber das ist das schönste, das ich je gesehen habe“); Pointen aufs eigene Herkunftsstädtchen, das kinolose fränkische Amorbach („wenn ich einen Film sehen wollte, musste ich einen Fliegenpilz rauchen“); Pointen auf schlechtes Bier, überzuckerte Trendgetränke, lyrisch überhöhte Weine, umweltfrevlerische Kaffeekapseln und Christkindlmärkte, die zum „Advents-Ballermann“ verkommen sind...

Warum Weber die Pointen – die oft so sitzen und so witzig sind, dass sie auch im Genießermodus wirken würden – im Turbotempo raushaut, das wird bei seinem Gastspiel im Rahmen des „Kabarett-Abos Weilheim“ schnell klar: Der studierte Biologe und Chemiker, der ernsthaft als „Kabarettist, Autor, Verbraucherschützer“ firmiert, weiß einfach zu viel. Er muss viel unterbringen. Und zwar im Falle seines Programms „Durst“ über den flüssigen Teil der Ernährung: über das ungesunde und das angeblich gesunde Trinken, über Probleme mit und ohne Alkohol, über Allerweltswasser, das, in Plastikflaschen gezwängt, in alle Welt geflogen wird – und über weitere Tricks und Perversionen der Lebensmittelindustrie und der modernen Welt.

Seine herrlichen Geschichten und gekonnten Spitzen, während derer er mal schülerhaft mit dem Stuhl schaukelt, mal wie Rumpelstilzchen über die Bühne springt, durchsetzt der 42-Jährige mit ernsthaften Appellen, das eigene Verhalten zu überprüfen, fair und bewusst einzukaufen – und nach der Zugabe auch mit der Bitte, weiterhin und möglichst noch öfter Kleinkunstveranstaltungen zu besuchen, am besten von Kollegen, die man noch nicht vom Fernsehen kennt. Da spricht ein Moralist. Aber einer mit Witz und Esprit. Das Publikum im ausverkauften Theater war fasziniert – und gluckste vor Vergnügen.

Nächster Termin

beim „Kabarett-Abo“ im Stadttheater: Christine Eixenberger mit „Lernbelästigung“ am Sonntag, 30. April, 18 Uhr. Restkarten: kartenengl.de.

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