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Die  neue Presswasservergärunganlage in Erbenschwang.

Abfallwirtschaft

Aus Restmüll wird Strom - so läuft die neue EVA-Anlage

Die EVA in Erbenschwang übergibt im September die Presswasservergärungs-Anlage ihrer Bestimmung. Schon jetzt versorgt die Anlage das Entsorgungsunternehmen mit Energie.

ErbenschwangEin anstrengendes Jahr liegt hinter Holger Poczka und Fritz Raab. Im Juni 2018 berichtete Raab, Geschäftsführer der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA), dass man eine Presswasservergärungsanlage bauen werde, um den Restmüll noch besser nutzen zu können. Nun gab sein Stellvertreter Poczka einen Überblick über den Projektstand.

Große Türme

Wo noch vor einem Jahr nur eine planierte Schotterfläche zu sehen war, erheben sich die Fermentertürme. Das ist das Herzstück der Anlage, in der das Gas produziert wird. Dazu stehen ein Blockheizkraftwerk, ein Rührwerk und der Gasbunker. Man sei in der Phase des Einfahrens der Anlage, erklärt Projektleiter Poczka. „Wir lernen die Prozesse kennen.“ Man sei dabei, alle Abläufe zu optimieren. Denn die gesamte Anlage ist laut EVA bislang einmalig auf der Welt. 

4,2 Millionen Euro werden investiert

Deshalb gibt es auch knapp eine Million Euro Förderung vom Umweltministerium. Obwohl neue Investitionen anstehen, halte man die geplante Gesamtinvestition von 4,2 Millionen Euro, heißt es.

Methangas wird verstromt

Seit Mai produziert die Anlage, die mit dem bislang nicht mehr genutzten Restmüll gespeist wird – dabei wird dieser mit Wasser versetzt und zum Gären gebracht, das erzeugte Methangas wird anschließend verstromt. Bis heute, so Poczka, habe das BHKW so rund 145  000 Kilowattstunden Strom produziert. Diese Menge würde reichen, um drei Dutzend Vier-Personenhaushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Und zusammen mit den eigenen Photovoltaikanlagen der EVA deckt die Anlage dreiviertel des Strombedarfs des Unternehmens. Das sei, so Geschäftsführer Raab, sehr erfreulich.

Erfahrungen sind neu

Bis die Abnahme der Anlage erfolgt, ist die Herstellerfirma Sutco der Betreiber. „Wir unterstützen den Erprobungsbetrieb, um zu lernen, wie die Anlage gesteuert werden muss“, sagt Poczka. Etwa beim Sieben der Restmüllfraktion. „Manche Erfahrungen machen wir jetzt erstmalig“. So auch mit dem aggressiven und explosiven Schwefelwasserstoff, der bei der Gärung entsteht und vor der Verstromung herausgefiltert werden muss. 

Biofilter ist Neuland

Derzeit übernimmt das ein Aktivkohlefilter, man werde aber in Kürze einen Biofilter einbauen. So wird die Firma Züblin den Filter liefern, in dem schwefelliebende Bakterien ihre Arbeit verrichten werden. Auch hier beschreitet man in Erbenschwang Neuland.

Uni begleitet Betrieb

Noch bis Ende 2020 begleitet eine Doktorandin der Uni Rostock wissenschaftlich den Betrieb und analysiert alle Prozesse. Erste Ergebnisse, so Poczka, zeigten, dass die Werte denen anderer Biogasanlagen entsprächen und alle Prozesse stabil ablaufen würden. Man sei dabei, auch im Interesse der Herstellerfirmen, das Optimierungspotenzial zu erörtern und die Stoff- und CO2–Bilanz zu erarbeiten. 

Gewinn für Klimaschutz

Schon jetzt lasse sich sagen, dass durch die Eigenstromnutzung – „wir haben zu bestimmten Zeiten mehr Strom ins Netz eingespeist als bezogen“ – auch die CO2-Emmission, bezogen auf die Bürger im Landkreis, zurückgehe. Durch die neue Anlage wird der Restmüll wieder ein Stück mehr erschlossen: neben der Rohstoffquelle wie Metall und als Ersatzbrennstoff nun in Form des Biogases als speicherbare Energieform. Angesichts der Möglichkeiten bleibe „das ein spannendes Feld“, blickt EVA-Geschäftsführer Raab in Zukunft.

Oliver Sommer

Lesen Sie auch EVA weiter auf Erfolgskurs.

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