Eine der Paradetouren aus dem neuen Buch von Eduard Soeffker: Blick auf den Achensee östlich der Bärenbadalm (1457 Meter), wo auch der Aufstieg zum Bärenkopf (1991 Meter) möglich ist
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Eine der Paradetouren aus dem neuen Buch von Eduard Soeffker: Blick auf den Achensee östlich der Bärenbadalm (1457 Meter), wo auch der Aufstieg zum Bärenkopf (1991 Meter) möglich ist

Eduard Soeffker über sein zehntes Familienwanderbuch

In diesem Wanderführer stehen auch die Geheimtipps – meistens

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Kann man noch neue Touren in den „Münchner Bergen“ entdecken? Autor Eduard Soeffker (52) aus Weilheim beweist es mit seinem zehnten Familien-Wanderbuch.

Weilheim – Nach drei Jahren Pause hat Eduard Soeffker (52) aus Weilheim ein neues Wanderbuch geschrieben – sein zehntes. Mit 30 neuen Familientouren in den „Münchner Bergen“ führt der Jurist und Familienvater wieder in das Gebiet, in dem sowohl seine Wander- als auch seine Autorenkarriere begonnen haben. Dass er dabei nach innerem Kampf auch Geheimtipps verrät und doch ein bisschen was für sich behält, erzählt er im Interview.

Nach Ausflügen u.a. nach Südtirol und in die Schweiz kehren Sie jetzt in die „Münchner Berge“ zurück. Daheim ist es doch am schönsten, oder?

Da muss ich mit einem entschiedenen „Jein“ antworten. Sicherlich gibt es in Südtirol und der Schweiz faszinierendere Berglandschaften als vor unserer Haustür – da darf man sich nichts vormachen. Und für einen Urlaub fahren meine Familie und ich da sehr gerne hin. Meine große Liebe gilt aber den Münchner Bergen, in denen ich quasi das Laufen gelernt habe, erst mit meinen Eltern, dann mit unserem Pfarrer und der Ministrantengruppe, mit meinen Freunden und schließlich mit meiner eigenen Familie. Deshalb war’s mir eine Herzensangelegenheit, für mein kleines Jubiläum des zehnten Buches wieder dahin zurückzukommen, wo alles begonnen hat: in meine geliebten Münchner Berge!

Wanderbuch-Autor Eduard Soeffker (52) aus Weilheim.

Wie definieren Sie eigentlich „Münchner Berge“?

Das ist tatsächlich kein feststehender Begriff. Wichtig ist für mich, dass die Anfahrt von München aus in maximal nicht viel mehr als 90 Minuten bei normaler Verkehrslage zu schaffen ist. Das Buch umfasst Wanderungen von Schloss Hohenschwangau im Westen bis zum Inntal im Osten. Für das Allgäu und den Chiemgau gibt es separate Kindererlebnisbücher beim Bergverlag Rother.

Ist es noch möglich, in diesem Gebiet neue Touren zu entdecken?

Gewiss sind nahezu alle offiziellen Wege in den Münchner Bergen und im Alpenvorland schon einmal irgendwo beschrieben worden. Bei der Recherche habe ich aber einige Wanderungen entdeckt, die ich bisher noch nicht in Kinderwanderbüchern gesehen habe, die sich aber bestens für Familien eignen – darunter mit den Gumpen am Schronbach, der Finzbachklamm bei Wallgau und dem Feuerköpfl überm Inntal ganz besondere Juwele. Zudem sind in den letzten Jahren tolle Erlebnispfade für Familien dazugekommen, wie der Märchenpfad bei Wallgau oder der Alpentiere-Rundweg unterm Bärenkopf. Besonders toll ist auch der Flößerspielplatz in Krün oder der Mittelalterspielplatz bei Bad Feilnbach.

Viele Orte in dieser Region stöhnen in letzter Zeit über die steigende Zahl der Ausflügler. Haben Sie Verständnis dafür?

Da verstehe ich die Anwohner der betroffenen Gebiete sehr gut, genauso habe ich aber Verständnis für die Menschen, die durch die Einschränkungen der letzten 16 Monate das Bedürfnis haben, raus in die Natur zu kommen. Vielleicht kann ja das neue Buch ein wenig dabei helfen, dass sich der Ausflugstrom ein bisschen besser verteilt. Die meisten Touren habe ich letztes Jahr recherchiert, da hatte ich bei keiner ein Problem, auf einem offiziellen Parkplatz zu parken, obwohl wir meistens erst nach 9.30 Uhr dort waren.

Wie kann man vermeiden, bei Ausflügen in Staus und Wanderer-Kolonnen zu landen?

Viele der beschriebenen Touren lassen sich auch gut mit Bahn und Bus erreichen, wir haben daher stets die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – wo dies sinnvoll ist – mit angegeben. Oft hilft es am Wochenende und feiertags bei schönem Wetter, ein bisschen vor der Masse loszufahren. Wenn man um halb acht startet und um 15.30 Uhr zurückfährt, hat man gute Chancen, weder bei der Hin- und Rückfahrt noch auf der Wanderung in Staus zu geraten.

Ihre fünf Töchter sind zwischen 9 und 23 Jahre alt. Können Sie noch alle fürs Mitwandern begeistern?

Alle kommen noch gerne mit, aber natürlich nicht mehr ganz so oft wie früher. Meist bin ich heutzutage mit einem immer wechselnden Teil der Familie unterwegs. Die größeren begleiten mich aber oft nicht ganz uneigennützig, schließlich dürfen dann die „Führerschein-mit- 17-Inhaber“ mit Papas Auto ihre Fahrkünste erproben.

Welche Tour aus dem Buch gehen Sie am liebsten mit den jüngeren, welche mit den älteren Töchtern?

Die jüngeren Kinder lieben besonders die Erlebnispfade mit ihren teils interaktiven Stationen, wie den tollen Wassererlebnispfad an der Weissach oder den Timberland-Trail bei Bad Kohlgrub. Bei den größeren sind dann eher die richtigen Bergtouren wie zur Stepbergalm oder auf den Bärenkopf gefragt, wobei mittlerweile unterwegs meist die Kinder auf die Eltern warten müssen und nicht umgekehrt wie noch vor einigen Jahren. Alle Kinder sind gerne dabei, wenn das Ziel ein Bergsee ist, wie der sensationelle Seebensee bei Ehrwald, oder wenn etwas Besonderes, wie die Fahrt mit der Zahnradbahn auf den Wendelstein lockt.

Gibt es auch eine Lieblingstour, die Sie niemals in einem Buch preisgeben würden?

Ich muss gestehen, dass ich es mir bei einigen Touren schon überlegt habe, die Wanderungen für mich zu behalten, da ich befürchtet habe, dass bei einer Veröffentlichung zu viele Leute die Tour gehen wollen und die Magie des besonderen Platzes schnell dahin sein könnte. Letztlich siegt aber der Wanderbuchautor in mir und ich veröffentliche die Geheimtipps wie die Gumpen im Gerstenrieder Graben in Band I der Münchner Berge oder die Isarsteigrunde bei Scharnitz im aktuellen Buch dann doch. Ich muss aber zugeben, dass ich bei der ein oder anderen Tour vielleicht doch nicht alle tollen Plätze ausdrücklich erwähne. Die darf dann jeder selber finden.

„Münchner Berge – Band 2“ ist ihr zehntes Buch – ein stolzes Jubiläum. Hat der Verlag schon Champagner vorbeibringen lassen?

Das ist eine gute Idee, da muss ich demnächst mal beim Verlag mit dem Zaunpfahl winken... Nein, im Ernst: Der Verlag und ich wissen beide, was wir aneinander haben. Viel wichtiger als ein sprudelndes Getränk ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit über die vielen Jahre, die stets gezeigte Anerkennung für meine Arbeit und immer ein offenes Ohr für meine manchmal nicht ganz alltäglichen Buch-Vorschläge.

Und was haben Sie fürs elfte Buch vor?

Dafür habe ich tatsächlich schon so eine Idee. Das Wandergebiet wird aller Voraussicht nach wieder in den Münchner Bergen liegen. Mehr wird aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten.

Das Buch

„Münchner Berge – Band 2“ in der Reihe „Erlebniswandern mit Kindern“ ist erschienen im Bergverlag Rother: 184 Seiten mit 179 Fotos, 16.90 Euro.

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