Eine Frau kümmert sich um eine ältere Dame und fasst ihr von hinten an die Schulter
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Angehörige dürfen ihre Lieben in den Seniorenheimen auch an Heiligabend und den Feiertagen besuchen.

Nicht alles fällt heuer aus

Müssen Senioren alleine Weihnachten feiern? - So sieht die Situation in den Pflegeheimen aus

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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In diesem Jahr ist Weihnachten wegen Corona für alle anders. Große Familienfeiern sind nicht erlaubt. Und auch ältere Menschen sollten als Risikopatienten die Feierlichkeiten meiden. Doch müssen die Bewohner in Seniorenzentren deshalb Weihnachten ganz alleine verbringen? Wir haben nachgefragt.

  • Wegen der Corona-Pandemie läuft Weihnachten bei vielen Familien nicht wie gewohnt ab
  • Doch in den Seniorenheimen muss niemand alleine feiern
  • Die Einrichtungsleiter im Landkreis Weilheim-Schongau haben sich viel einfallen lassen

Landkreis – „Wir haben uns auf den Kopf gestellt“, sagt Christian Osterried. Und meint damit die Vorkehrungen, die das Heilig-Geist-Spital in Schongau für Heiligabend und die Feiertage getroffen hat. Denn jeder Angehörige, der seine Lieben im Seniorenzentrum besuchen will, muss einen negativen Corona-Test nachweisen. Damit das auch sicher der Fall ist, wurde vor Ort im Heilig-Geist-Spital getestet. „Die Schnelltests dürfen nicht älter als drei Tage sein und die PCR-Tests maximal vier Tage“, erklärt der Einrichtungsleiter.

Weihnachten im Seniorenheim Schongau: Gottesdienst findet in der eigenen Kirche statt

Bis zum heutigen Mittwoch, 23. Dezember, werden die Angehörigen noch im Seniorenzentrum getestet. „Danach übernimmt das das BRK“, sagt Osterried. Er ist dankbar für diese Möglichkeit: „Es war uns wichtig, den Bewohnern den Besuch der Angehörigen zu ermöglichen.“ Weihnachten alleine verbringen müsse also keiner der Senioren.

Eine Weihnachtsfeier oder dergleichen wird es nicht geben. Doch der Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag kann stattfinden, sagt Osterried. Aber auch nur, weil das Heilig-Geist-Spital eine eigene Kirche habe und die Abstände dort sehr gut einzuhalten sind. „Das Pflegepersonal wird sich an Heiligabend selbst zwar um eine weihnachtliche Stimmung kümmern, doch in diesem Jahr ist leider nicht mehr möglich“, sagt Osterried.

Peiting: Weihnachten wird wie jedes Jahr gefeiert

Wenig ändert sich dafür im AWO-Seniorenzentrum in Peiting. Bereits in den vergangenen zwei Wochen fanden viele kleine Weihnachtsfeiern in den einzelnen Bewohnergruppen statt. „Das machen wir jedes Jahr so“, erklärt Einrichtungsleiter Dominik Spring. Heiligabend und die Feiertage werden ebenfalls in kleinen Gruppen verbracht. Für etwas weihnachtliche Stimmung sorgt nachmittags bei Kaffee und Plätzchen leise Weihnachtsmusik. Am Abend essen die Senioren gemeinsam. Besuche sind dort an den drei Weihnachtstagen ebenfalls erlaubt – und auch nur mit negativem Corona-Test. Das schreckt die Familien der Bewohner aber nicht ab. „Wir sind schon ziemlich ausgebucht“, sagt Spring in Bezug auf die bisherigen Anmeldungen.

Auch ohne Anmeldung findet sich eine Lösung für den Weihnachtsbesuch in Peißenberg

Auch in Peißenberg dürfen die Angehörigen im Altenheim St. Ulrich und im Josef-Lindauer-Haus für eine Stunde zu Besuch kommen. „Eine Anmeldung wäre schon gut, aber wir finden auch ohne eine Lösung“, zeigt sich Einrichtungsleiter Stephan Schmidt optimistisch. Feiern wird jede Wohngruppe separat. Vom Ratschen bis hin zum Geschichtenvorlesen sei alles dabei. „Nur singen geht in diesem Jahr nicht“, betont Schmidt.

Individuelles Programm im Bürgerheim Weilheim - „Wir schauen, was Bewohner brauchen“

In Weilheim hat das Bürgerheim „den Einsatz der Betreuungsassistentinnen erhöht“, wie Einrichtungsleiter Rainer Schlosser sagt. Diese werden ein individuelles Programm für die Senioren der einzelnen Wohngruppen anbieten. Zum Beispiel gemeinsam Spiele spielen oder eine Geschichte lesen, könnten Teil des Abends sein. Aber auch Einzelgespräche sind bei Bedarf möglich.

„Wir schauen einfach, was unsere Bewohner möchten“, sagt Schlosser. Viele würden auch Besuch bekommen, die Anmeldungen bisher seien enorm. Wie überall gelten auch hier „die Richtlinien der elften Infektionsschutzmaßnahmenverordnung“, betont Schlosser eindrücklich. Kritisch sieht der Einrichtungsleiter jedoch, wenn Senioren für das Fest an Heiligabend zu den Familien nach Hause geholt werden. „Für die Besuche sind besondere Schutzmaßnahmen nötig, die zu Hause nicht umgesetzt werden können.“ Zwischen 30 und 40 Bewohner würden abgeholt werden. „Ich sehe da eine große Sicherheitslücke“, mahnt Schlosser.

Zwar werden die Senioren auf Corona getestet, sobald sie wieder im Heim ankommen und dann noch mal nach zwei oder drei Tagen. Das stehe jedoch nicht in Relation zum Aufwand, der für die Besuche betrieben wird. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt Schlosser.

Auch den Bewohnern der anderen Seniorenzentren haben die Möglichkeit, ihre Familien an Heiligabend oder den zwei Weihnachtsfeiertagen zu Hause zu besuchen.

Bereits im Frühjahr wurden die Einrichtungsleiter der Pflegeheime im Landkreis kreativ. Viele Senioren konnten mit ihren Liebsten trotz Besuchsverbot in Kontakt bleiben - per Videochat und Postkarten.

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