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Schranke verletzt Frau schwer und verändert ihr Leben: Sie wartet noch immer auf Schadenersatz

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Von: Kathrin Hauser

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Der Parkplatz vor dem Schloss Murnau mit der Schranke.
Die Schranke am Parkplatz vor dem Schloss Murnau fiel der Frau auf den Kopf. Zu diesem Zeitpunkt war keine Pendelstütze montiert. © Privat

Im Februar 2017 hat eine Frau im Schlosshof in Murnau unverschuldet eine Schranke auf den Kopf bekommen und wurde schwer verletzt. Bis heute hat sie keinen Schadensersatz erhalten.

Landkreis – Fast fünf Jahre sind vergangen seit dem 24. Februar 2017, doch die Frau aus dem Landkreis Weilheim-Schongau (Name der Redaktion bekannt) kann jenen Tag nicht vergessen. Schließlich leidet sie noch immer massiv unter den Folgen des Unfalls, der im Schlosshof in Murnau passierte. Dennoch hat sie noch immer keinen Schadensersatz und kein Schmerzensgeld erhalten, obwohl unstreitig feststeht, dass der Markt Murnau als Betreiber und Eigentümer für die Schranke verantwortlich ist, die der Landkreis-Bewohnerin völlig unvermittelt auf den Kopf krachte, als sie unter dieser hindurch gehen wollte. Und das, obwohl Murnau – wie jede Kommune – eine Haftpflichtversicherung hat, die in solchen Fällen einspringt.

An jenem schicksalhaften Tag hatte die Frau die Beerdigung eines Bekannten besucht und befand sich zusammen mit einer Freundin auf dem Rückweg zum Auto. Gerade als sie am Ende des Schlosshofes unter der offenen Schranke durchgehen wollte, passierte es: „Die Schranke fiel herunter und traf mich ohne optische oder akustische Vorankündigung erst auf den Kopf, dann schrammte sie über die Nase nach unten“, erzählt die Frau.

Murnau: Frau von Schranke schwer verletzt – Erstversorgung in der Unfallklinik

Dabei habe es das Metallgestell der Brille in ihr Nasenbein gerammt. Sie sei zurückgefallen und an die angrenzende Hausmauer getaumelt. „Mir lief Blut runter, die Freundin zog mir die Brille aus dem Nasenbein. Ich hatte das Bedürfnis, mein Gesicht mit beiden Händen zu halten, weil es sich anfühlte, als ob es runter klappt“, erinnert sich die Frau.

Die Freundin habe sie anschließend in die Unfallklinik Murnau gebracht, wo sie geröntgt, verarztet und mit einer Packung Schmerzmittel wieder entlassen worden sei. Doch der Schlag auf den Kopf war nicht so harmlos, wie er zunächst schien. In späteren Untersuchungen wurden unter anderem Schwindel, Kopf- und Rückenschmerzen, ein Schädel-Hirn-Trauma, Verletzung der Augen sowie eine HWS-Distorsion diagnostiziert. Zudem sind mehrere Zähne kaputt gegangen.

Nach Schranken-Unfall in Murnau: „Ich fühle mich alt und krank“

Die Verletzungen waren auch deswegen so schwer, weil die Pendelstütze an jenem Tag abmontiert war und die Frau mit voller Wucht von der Metallblende getroffen wurde, an der die Stütze normalerweise befestigt ist. Laut Betriebsanleitung hätte die Schranke ohne diese Stütze außer Betrieb genommen werden müssen.

Die Frau war acht Monate krankgeschrieben und kann heute nur noch in Teilzeit arbeiten, weil sie immer noch nicht voll belastbar ist. Früher habe sie als Power-Frau gegolten, heute sei das anders: „Ich fühle mich alt und krank“, sagt sie.

Doch es sind nicht die Verletzungen und Beeinträchtigungen allein, die der Landkreis-Bewohnerin das Leben schwer machen. Es ist auch die Tatsache, dass sich im Bezug auf eine Regulierung des Schadens durch den Markt Murnau nichts bewegt, obwohl sie sich schon bald nach dem Unfall eine Anwältin genommen hat. Auf Schreiben oder Nachfragen wurde nur äußerst schleppend reagiert.

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Schranken-Unfall in Murnau: Markt reagiert nur schleppend auf Schreiben

Nachdem sonst die Verjährung der Ansprüche gedroht hätte, hat sich die Frau im Jahr 2020 dazu entschlossen, vor Gericht zu ziehen. Der gegnerische Anwalt hatte empfohlen, auch die Wartungsfirma zu verklagen und zugesagt, die Mehrkosten im Rahmen der Abgeltung auszugleichen – davon will er nun nichts mehr wissen.

Die Polizei habe ein Organisations-Verschulden festgestellt, da es innerhalb der Verwaltung Unstimmigkeit gegeben hat, wer für die Schranke zuständig sei, sagt die Frau. Zudem hätten Sicherheitsmaßnahmen gefehlt, die laut Betriebsanleitung vorgeschrieben wären. Erst nach dem Unfall seien unter anderem eine Signal-Leuchte, ein Warnschild und ein Ultraschallsensor montiert worden.

Auch auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Marktverwaltung gab es keine konkreten Auskünfte. Es wird nicht bestritten, dass die Frau durch eine Schranke der Kommune beeinträchtigt wurde: „Wir bedauern sehr, dass durch eine unserer Liegenschaften jemand zu Schaden gekommen ist und hoffen, dass der Fall schnell geklärt werden kann“, so die Pressesprecherin des Marktes, Annika Röttinger: „Für Schäden, die durch Einrichtungen des Marktes Murnau entstehen, ist die Haftpflichtversicherung zuständig, bei der der Markt Murnau als Versicherter gemeldet ist.“ Diese regele den Schadensfall und prüfe die Ansprüche. „Als Versicherter können wir – wie jeder andere Versicherte– auf die Bearbeitung und Vorgehensweise unserer Versicherung keinen Einfluss nehmen.“ Weiter könnten keine Angaben zu dem Fall gemacht werden: „Bei dem Sachstand handelt es sich um ein laufendes Versicherungsverfahren, zu dem wir leider keine nähere Auskunft erteilen dürfen.“

Hinweisschild, das darauf aufmerksam macht, dass die Schranke nach jedem Fahrzeug schließt.
Erst neun Monate nach dem Unfall wurde dieses Schild angebracht. © Privat

Murnau: Frau von Schranke schwer verletzt – Sie wartet noch immer auf Schadenersatz

„Die Versicherung des Marktes Murnau will die Haftung nicht voll anerkennen“, sagt die Frau. Die Versicherung sehe vielmehr die Wartungsfirma in der Verantwortung. „Wir kommen nicht weiter.“

Der Richter hat in einer früheren Verhandlung klargestellt, dass er das Verschulden beim Betreiber sieht, weil eine Verkehrssicherungspflicht verletzt worden sei und hat deshalb den zweiten Beklagten, die Wartungsfirma, bereits aus der Klage entlassen. Nun hofft die Frau, dass die Gegenseite die Schuld zweifelsfrei anerkennt und die Mehrkosten für den zweiten Beklagten doch übernimmt.

„Wenn bei einem Unwetter ein Baum auf ein Auto fällt, ist es gar keine Frage, dass der Schaden reguliert wird. Wo ist da der Unterschied?“, fragt sie sich.

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