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Das Fassgeschäft ist wegen der Schließung sämtlicher Gaststätten beim Dachsbräu in Weilheim nahezu komplett eingebrochen. Im Bild: Günter Klose.

Brauerei in Weilheim stemmt sich gegen die Krise

Muss Dachsbräu Fassbier wegschütten?

Die mittelständischen und kleinen Brauereien in Bayern stehen massiv unter Druck. So manch Weilheimer macht sich deshalb Sorgen um ein beliebtes Traditionsunternehmen der Stadt: den fast 150 Jahre alten Dachsbräu.

Weilheim – Der Lagerkeller ist voll, die Abfüllung von Fassbier gestoppt – immerhin ein Drittel der gebrauten Biermenge. Aber trotzdem: Beim Dachsbräu in Weilheim gibt es sehr zur Freude der Mitarbeiter noch keine Kurzarbeit. „Die Politik macht alle 14 Tage neue Ankündigungen, und wir machen alle 14 Tage eine neue Personalplanung“, erzählt Brauerei-Chefin Ulrike Flassig.

Statt Kurzarbeit werden erst einmal Urlaub und Überstunden abgebaut. Bis auf den über 80 Jahre alten Seniorchef und seine Frau sind alle Mitarbeiter an Bord: „Sie sind alle gesund“, sagt die Betriebswirtin, die zusammen mit ihrem Bruder Günter Klose, dem Braumeister, das Familienunternehmen führt. Und sie verspricht: „Wir haben immer so gewirtschaftet, dass wir den Erhalt der Brauerei trotz dieser Krisenzeiten gewährleisten können.“

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Der Fassbier-Markt ist fast komplett eingebrochen: Volksfeste und Dulten sind abgesagt, private Feiern untersagt und Restaurants sowie Gasthäuser bleiben vorerst noch geschlossen. „Wir haben in unseren Partner-Betrieben teilweise die Fässer wieder zurück genommen“, so Flassig.

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Dennoch ist in der Brauerei noch genug zu tun: Der Umsatz beim Flaschenbier, zwei Drittel der Braumenge, steigt in diesen Tagen an. „Ich muss mich wirklich bei den Weilheimern und den Bürgern der umliegenden Gemeinden bedanken, die uns auch beim Verkauf ab Brauerei sehr unterstützen.“ Dort wurde der Corona-Situation Rechnung getragen: Beim Bezahlen fällt der übliche Gang ins Büro weg. „Wir haben ein altes Schalterfenster geöffnet und außerdem kann mit Karte bezahlt werden.“ Diese Sicherheitsmaßnahme sei man Mitarbeitern und Kunden schuldig, meint Ulrike Flassig. 

Weilheimer konzentrieren sich auf regionales Geschäft

Der existenzgefährdende Einbruch beim Export, den der Bayerische Brauerbund bei vielen Betrieben beklagt, spielt bei dem Weilheimer Familienunternehmen keine Rolle. Früher ging das Dachsbräu nach Italien sowie Spanien; und auch Lieferungen in die USA waren in der Überlegung: „Aber wir haben uns inzwischen ganz auf das regionale Geschäft konzentriert“, so die Brauerei-Chefin. 

Mit zwei Lastwagen ist die Brauerei täglich unterwegs, um Kunden zu beliefern: „Auch unsere Fahrer, die ja den direkten Kontakt haben, sind Gottseidank noch fit.“ Neben den Privatkunden ist die Gastronomie in der Region Hauptabnehmer der neun Biersorten. Deshalb hoffen die Brauerei-Chefs, dass die Betriebe bald wieder öffnen können.

Pächter der Gastwirtschaft bieten „Essen to go“ an

Erfreut ist Ulrike Flassig darüber, dass die Pächter des zur Braustätte gehörenden Bräustüberls seit einiger Zeit über Mittag und am frühen Abend täglich mehrere Speisen zum Abholen anbieten: „Vor allem viele unserer Stammgäste sind begeistert.“

Helfen würde dem Dachsbräu auch eine politische Entscheidung, so die Chefin: „Ich wünsche mir eine Senkung der Biersteuer auf das frühere Niveau für kleine Brauereien mit weniger als 200 000 Hektolitern pro Jahr.“

Dann ließe sich vielleicht auch ein bisschen verschmerzen, dass das derzeit gelagerte Fassbier demnächst weggekippt werden müsste, wenn die Gastronomie nicht bald wieder hochfährt. 

VON RALF SCHARNITZKY

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