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Debatte im Kreisausschuss

MVV-Beitritt: Landrätin fordert Geduld

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Der Großraum München wird aktuellen Prognosen zufolge bis 2035 um bis zu 300 000 Einwohner wachsen. Das stellt auch den Landkreis Weilheim-Schongau vor Probleme. Im Kreisausschuss wurde nun darüber diskutiert, wie man mit den Entwicklungen umgeht.

LandkreisDie Debatte um einen möglichen Beitritt des Landkreises Weilheim-Schongau zum MVV kam für Landrätin Andrea Jochner-Weiß zur Unzeit. Daran ließ sie am Montagnachmittag im Kreisausschuss keinen Zweifel aufkommen. Sie fühle sich ungerecht behandelt, weil ausgerechnet jetzt, wo verschiedene umliegende Landkreise ernsthaft versuchen, dem MVV beizutreten, auch hier darüber gesprochen werden soll.

Eigentlich sollte es im Ausschuss um einen möglichen Austritt aus dem Verein „Europäische Metropolregion München“ (EMM) gehen. Immer wieder war in der Vergangenheit Kritik an der nach Ansicht einiger Kreisräte unzureichenden Arbeit des Vereins laut geworden. Man hatte deshalb einen Katalog mit Forderungen an die EMM geschickt. Darin wurden die Themenkreise umrissen, in denen man sich vom Verein Unterstützung erwartet.

EMM-Geschäftsführer Wolfgang Wittmann war selbst nach Weilheim gekommen, um die Fragen der Kreisräte zu beantworten. Allerdings wurde schnell klar, dass der effektive Handlungsspielraum des EMM arg begrenzt ist. Immer wieder verwies er auf die verschiedenen Arbeitsgruppen, in denen Themen wie Wirtschaft oder Mobilität besprochen werden sollen. Wittmann erinnerte auch daran, dass Hauptansprechpartner des Vereins in den Landkreisen die Wirtschaftsförderer seien. Ein Posten, der in Weilheim-Schongau seit längerem verwaist ist – im nichtöffentlichen Teil des Kreisausschusses stellten sich die Bewerber vor.

Kreisräte üben harsche Kritik an EMM

Das alles reichte den Kreisräten nicht. Sie übten teils harsche Kritik am EMM. „Der Verein ist ein zahnloses Tigerbaby, kann nur reden, analysieren und Kaffee trinken“, sagte Peter Ostenrieder (CSU/Peiting). Ähnlich argumentierte viele weitere Kreisräte. Die Arbeit, die EMM-Geschäftsführer Wolfgang Wittmann und seine Mitarbeiter machen, sei gut. Aber rein strukturell sei der Verein nicht in der Lage, ein wirkliches Sprachrohr der Umlandkommunen im Streit mit der Landeshauptstadt zu sein. Auch in Fragen der Mobilität. Landrätin Andrea Jochner-Weiß verknüpfte die EMM-Debatte mit der Frage, ob der Landkreis dem MVV beitreten solle. „Wir müsse uns irgendwann fragen, wollen wir uns großräumig aufstellen oder nicht“, sagte sie.

Dazu gehöre auch, sich Gedanken darüber zu machen, wie der Öffentliche Personennahverkehr in Zukunft aussehen soll. „Wir brauchen ein Nahverkehrskonzept. Das die vorhandenen Busverbindungen und die Taktungen nicht ausreichen, ist klar“, sagte sie. Aber nur, „weil jemand mit der Einladung wedelt, müssen wir nicht gleich mit wehenden Fahnen aufspringen. Eine Mitgliedschaft im MVV wird viel Geld kosten.“

„Wir brauchen eine saubere Debatte über das Thema“

„Uns bleibt nichts anderes übrig als eine enge Vernetzung mit München“, gab Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) zu bedenken. Er schränkte aber auch ein: „Die MVV-Erweiterung kommt nicht, weil wir sie brauchen, sondern weil München sie braucht. Die Stadt schwappt nach außen – bis hin zu uns.“ Auch Klaus Gast (CSU/Weilheim) forderte zunächst eine „saubere Debatte“ über das Thema, bevor eine solch weitreichende Entscheidung wie ein Beitritt zum MVV gefällt würde. Am Ende vertagte das Gremium die Frage, ob man aus dem EMM-Verein austreten soll, erneut. Der nächste Kreistag, der im kommenden Jahr gewählt wird, soll schlussendlich darüber befinden, war die einhellige Meinung.

Warum ein MVV-Beitritt des Landkreises Weilheim-Schongau sinnvoll wäre, lesen Sie hier.

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