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Nach 45 Jahren im Rathaus hört Wunder auf

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Von: Boris Forstner

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Da steht bald ein anderer Name drauf: Andreas Wunder hört als Ordnungsamtsleiter am Weilheimer Rathaus auf, seinen Nachfolger Walter Weber arbeitet er bereits seit Oktober ein.
Da steht bald ein anderer Name drauf: Andreas Wunder hört als Ordnungsamtsleiter am Weilheimer Rathaus auf, seinen Nachfolger Walter Weber arbeitet er bereits seit Oktober ein. © Gronau

Im Weilheimer Rathaus geht eine Ära zu Ende: Der langjährige Ordnungsamtsleiter Andreas Wunder verabschiedet sich in den Ruhestand. Seinen Nachfolger arbeitet er bereits ein, er ist bei der Stadt kein Unbekannter – saß bis vor kurzem in Sitzungen aber noch auf der anderen Seite.

Weilheim – Wie ein angehender Ruheständler schaut Andreas Wunder nicht aus: Schlank wie eh und je schaut er gefühlt aus wie vor 20 Jahren. „Schmarrn, ich habe doch viel mehr graue Haare“, winkt er ab und lacht. Und Ruhestand ist eigentlich auch nicht korrekt, schließlich tritt der 62-Jährige zum 31. Januar erst die so genannte zweijährige Freistellungsphase der Altersteilzeit an. Doch faktisch ist er damit raus aus dem Amt.

Damit endet eine Ära, die 1976 so nicht vorherzusehen war. Damals hat Wunder nämlich im Rathaus seine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten begonnen. Er wurde übernommen und fing erst im Bauamt an, wo es um Bebauungspläne und Ähnliches geht, ehe er 1988 ins Standesamt wechselte – „in einen ganz anderen Bereich, und zwar bewusst“. Er wollte nach einer gewissen Zeit Abwechslung haben.

„Da gab es wirklich jeden Tag Abwechslung“

Die hatte er bei den geschätzt 1300 Trauungen, die er in dieser Zeit durchführen durfte, auf jeden Fall. „Tatsächlich ist jede Trauung anders“, sagt Wunder – manche Eheleute sind sehr lustig, andere ernst, viele freuen sich, andere sind angespannt wie auf einer Beerdigung. Und wenn jemand der frisch angetrauten Ehefrau den Kuss verweigert, „muss man damit auch umgehen können“, sagt Wunder.

2006 schließlich wurden die Hochzeiten zur Nebensache, als Wunder das Ordnungsamt übernahm. „Da gab es wirklich jeden Tag Abwechslung“, sagt er über den Posten, den er jetzt 15 Jahre bekleidet hat. Von verkehrlichen Angelegenheiten etwa mit Tempo-30-Diskussionen über Wahlen, die Feuerwehr und der Katastrophenschutz – die Themen als Ordnungsamtsleiter waren breit gefächert.

„Das war meine Traumstelle“

Bei Letzterem hatte er schon mit seinem Nachfolger zu tun: Walter Weber (50) war nämlich bis vor kurzem am Landratsamt für den Brand- und Katastrophenschutz zuständig, hat in dieser Position schon oft mit Wunder zusammengearbeitet. Zuvor bei der Stadt München als Personal-Sachbearbeiter tätig, hatte er den Posten am Landratsamt acht Jahre lang mit viel Freude ausgeführt – „ich wollte da eigentlich nie weg, das war meine Traumstelle. Denn man weiß nie, was der Tag bringt“, sagt Weber und erinnert an die beiden Bombenfunde in Weilheim von 2014 und 2018 oder die explodierte Granate bei Baggerarbeiten im Starnberger See in Seeshaupt.

Doch als Weber dachte, „auf dem Posten gehe ich mal in Rente“, bekam er die Ausschreibung für Wunders Posten mit – und kam ins Grübeln. „Das war natürlich eine große Chance für mich, weil es eines der schönsten Aufgabengebiete in meiner Heimatstadt ist“, sagt Weber. Schon in seiner Zeit als Stadtrat für die Freien Wähler habe er etwas bewegen wollen, das könne er jetzt auf der anderen Seite fortführen.

Es sei schon ungewohnt gewesen, sich vor seinen ehemaligen Stadtrat-Kollegen präsentieren zu müssen, sagt Weber. Aber er hatte in den sechs Jahren offenbar einen ordentlichen und kompetenten Eindruck hinterlassen, sonst wäre die Wahl wohl nicht auf ihn gefallen. Noch kurioser wäre es gewesen, wenn Weber, der wieder für die Freien Wähler angetreten war, erneut in den Stadtrat gewählt worden wäre – dann hätte er von seinem Ehrenamt zurücktreten müssen.

Alpen-Überquerung ist geplant

Das war aber nicht nötig, Weber, der ursprünglich aus Altenstadt stammt, lange in Birkland und Epfach lebte und im Jahr 2000 nach Weilheim kam, wo seine drei Töchter (14 und zwölfjährige Zwillinge) geboren wurden, konnte bereits im Oktober bei der Stadt anfangen und so von Wunder perfekt auf seinen neuen Posten vorbereitet werden.

Wunder freut sich schon auf ein „sorgenfreies Leben“, wie er sagt. Das schließt natürlich die Familie mit Frau, zwei Kindern und Enkel mit ein, aber auch die Hobbys wie Radfahren – eine Alpen-Überquerung steht da ganz oben auf dem Ruhestands-Plan. Und vielleicht kann Wunder auch mal wieder genießen, einfach nur am Dietlhofer See zu liegen und auszuspannen. Denn zur Ruhe kam er dort kaum, irgendjemand sprach ihn immer an. „Die kann ich jetzt alle auf meinen Nachfolger verweisen“, sagt Wunder.

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