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Der stellvertretende Marktleiter Herbert Hütter desinfiziert die Einkaufswagen vor dem Hagebaumarkt in Weilheim.

Nach Corona-bedingter Schließung

Baumarkt-Neustart in Weilheim auf Nummer sicher

Seit Montag sind die Baumärkte im Landkreis wieder für die Kunden geöffnet. Der befürchtete Massenansturm blieb weitestgehend aus. Im Weilheimer Hagebaumarkt hatte man sich akribisch auf die Wiedereröffnung vorbereitet.

Weilheim – In einer langen Warteschlange, die sich am Montagmorgen bis weit auf den Parkplatz zurückstaute, stand vor dem Weilheimer Hagebaumarkt auch Hans-Jochen Vogt. Der Grund dafür war bei der vielfach ersehnten Wiedereröffnung aber nicht ein riesiger Ansturm von Kunden, sondern ihre Einhaltung des Sicherheitsabstands.

Auch wer nach der vierwöchigen Schließung bloß ein paar Nägel oder Schrauben kaufen wollte, durfte das Geschäft nur mit einem Einkaufswagen betreten. „Denn anhand der Wagen wissen wir, wie viele Leute wir einlassen können“, so Geschäftsführer Fritz Neidhart.

Außer für den 12 800 Quadratmeter großen Laden in Weilheim ist er für weitere Baumärkte in Peißenberg und Penzberg mit insgesamt 150 Beschäftigten zuständig. „Sie arbeiten alle nur mit Mundschutz“, sagt Neidhart, „unsere Kassenkräfte tragen außerdem wegen des Kontakts mit Bargeld zusätzlich Handschuhe.“

Ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche, so lautet die Vorschrift zum Schutz vor Corona-Ansteckung. „Wir könnten theoretisch also mehr als 600 Kunden einlassen“, stellt der Geschäftsführer fest, „diese Zahl wird aber in der Praxis nie erreicht, weil wir nur 180 Einkaufswagen haben.“

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Zurückgegebene Wagen werden von den Mitarbeitern sofort desinfiziert. Obwohl viele Gartenfreunde die Eröffnung schon sehnsüchtig erwartet hatten, herrschte gestern normaler Betrieb und es war nicht schwer, einen Parkplatz zu bekommen.

Hans-Jochen Vogt war auf der Suche nach Material, um daheim das Kinderzimmer zu renovieren. „Dazu hätte ich in den vergangenen Wochen genügend Zeit gehabt, weil ich in Kurzarbeit bin“, erzählt er, „jetzt bin ich froh, dass ich endlich loslegen kann!“ Andere Kunden kauften vor allem Saisonartikel zum Garteln oder Corona-Chillen wie Pflanzen und Wassertechnik, Gartenmöbel oder Grillzubehör. Rund 65 000 Artikel hat der Weil-heimer Baumarkt vorrätig, „leider mussten wir vieles entsorgen“, bedauert Neidhart.

Denn schon im vergangenen Jahr hatte er zahlreiche Ostergestecke und Pflanzschalen bestellt, die kurz vor der Zwangsschließung im März angeliefert wurden. Die kaputten Blumen seien freilich nicht das Schlimmste, sagt er: „Statt des üblichen Frühjahrsgeschäfts hatten wir null Umsatz, während unsere finanziellen Verpflichtungen natürlich weiterlaufen.“

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Deshalb musste er Kurzarbeit und einen Überbrückungskredit beantragen, Entlassungen seien aber in keinem der Märkte nötig. „Unsere Kunden verhielten sich gestern sehr vernünftig und hielten sich an alle notwendigen Regeln“, freut sich der Geschäftsführer. „Viele kamen mit eigenen Masken, die ja ab nächster Woche in ganz Bayern Pflicht sind. Zur Zeit warten wir auf eine Lieferung aus China.“

Er hält es für wichtig, durch umfassende Hygiene-Maßnahmen den Menschen ihre Angst vor Ansteckung zu nehmen und zu zeigen, „dass schrittweise eine Rückkehr zum normalen Leben möglich ist“. Gefragt seien jetzt Rücksichtnahme und Sensibilität, „damit in dieser schwierigen Situation alle auf der sicheren Seite sind“.

Streng kontrolliert werde die Einhaltung aller Schutzvorschriften sowohl durch die Bundespolizei als auch durch Beamte der Weilheimer Inspektion: „Die sind am Montag gleich mit Checklisten gekommen, waren nach eingehender Überprüfung aber sehr zufrieden.“

Zufrieden mit seinen Einkäufen zeigte sich  auch Lukas Radmann, der in seinem Garten einen Sandkasten für die Enkel zimmern will. „Die werden sich riesig freuen, wenn endlich wieder alles normal läuft und sie nach Herzenslust buddeln können!“ Nach langen Wochen beginnt ganz langsam der Alltag wieder.

VON PETER STÖBICH

Über ein „Danke“ in Zeiten von Corona freuen sich wohl viele Mitarbeiter in systemrelevanten Berufen. In Weilheim haben sie nun besondere Botschaften erhalten.

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