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So manche Partei musste bei der EU-Wahl im Landkreis Federn lassen.

Von Freude bis Entsetzen

Nach der EU-Wahl - so reagieren die Landkreis-Parteien

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Schmerz, Freude, Zwiespältigkeit und Zufriedenheit: Bei den Parteien im Landkreis ist die Gefühlswelt nach der Europawahl so unterschiedlich wie ihre Programme.

Landkreis– In Wildsteig ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest aus Sicht der CSU. 56,3 Prozent holte die Partei am Sonntag bei der EU-Wahl. Spitzenwert im Landkreis. Deutlich über den kreisweiten 41 Prozent. Weniger erfreulich lief es dagegen in Wildsteig für die SPD, die im kleinen Dorf ihr schlechtestes Kreisergebnis einfuhr: Die Genossen landeten mit kümmerlichen 3,0 Prozent noch unter dem Landkreisschnitt von 7,9 Prozent. Vor fünf Jahren hatte es zwischen Lech und Loisach immerhin noch zu 16,9 Prozent gelangt.

SPD-Kreischef Dominik Streit versuchte gestern auch nicht, die Verluste schön zu reden. „Was soll ich noch sagen?“ Die Partei habe es nicht geschafft, sich auf lokaler Ebene gegen den schlechten Bundestrend zu stellen. Auch auf die einstigen Hochburgen ist kein Verlass mehr – obwohl die SPD dort über dem Kreisschnitt lag. Aber die Zeiten, dass dort hohe zweistellige Werte erzielt wurden, sind schon länger vorbei. Selbst in den einst roten Bergwerksstandorten Penzberg (10,9 Prozent), Peiting (10,3) und Peißenberg (8,3) war kein Blumentopf zu gewinnen. Das beste Ergebnis wurde in Iffeldorf (12,2) erzielt. Was den Kreisvorsitzenden aber nicht besonders freut: „12 Prozent ist auch nicht unser Anspruch“, sagt Streit. Er flüchtet sich in Zweckoptimismus: Die SPD sei im Landkreis wenigstens noch drittstärkste Kraft nach CSU und Grünen. „Man muss sich an kleinen Dingen freuen.“

Ganz anders die Gefühlslage bei den Freien Wählern. (FW). Sie machen im Landkreis einen Sprung von zuletzt 4,5 auf 6,0 Prozent. Spitze war Ingenried mit 10,7 Prozent. „Auf jeden Fall“ sei sie zufrieden, sagt Kreisvorsitzende Susann Enders. Die Weilheimerin hatte erwartet, „dass wir zulegen“. Ein Optimismus, der sich in der politschen Arbeit vor Ort, aber auch in der Münchner Regierungsverantwortung als Partner der CSU gründet. Abheben wollte Enders trotzdem nicht. Und überhaupt: „Die Europawahl wird nicht für so wichtig angesehen wie eine Kommunalwahl.“ Bei der wollen die FW im März 2020 „Kandidaten stellen“, kündigt Enders an – man werde sowohl mit Bewerbern um Bürgermeisterämter als auch für den Landrat ins Rennen gehen.

Freistaat-Partner CSU hat sich derweil kreisweit auf hohem Niveau stabilisiert. Der „intensive Wahlkampf“ habe sich gelohnt, so Kreisvorsitzender Alexander Dobrindt aus Peißenberg, der den Erfolg auch auf die hohe Präsenz vor Ort zurückführt. „Unser Ergebnis haben wir gegenüber 2014 klar verbessert und liegen im Landkreis sogar über dem Landesdurchschnitt.“ So gut Wildsteig war, so schlecht schnitt Weilheim ab: 35,6 Prozent sind das schlechteste Ergebnis.

Die Grünen hatten am Sonntagabend allen Grund zum Feiern. Im Weilheimer Kreisbüro lief eine kleine Wahlparty. „Die Stimmung war gut“, sagt Kreissprecher Manuel Neulinger. Dem Weilheimer zufolge kam das Ergebnis von landkreisweit 18 Prozent – Spitzenreiter ist Bernried mit 26,7 Prozent – nicht überraschend. Angesichts des allgemeinen Höhenflugs der Partei und dem Zuspruch für „grüne Themen“ sei der Zuspruch zu erwarten gewesen. Allerdings mahnt Neulinger zu Bescheidenheit: „Man muss aufpassen, dass man es nicht für selbstverständlich hält.“

Auch die ÖDP legte zu. Von 4,8 auf 6,2 Prozent. „Im Landkreis ist es super gelaufen“, sagt zweiter Kreisvorsitzender Markus Kunzendorf aus Oberhausen. In seinem Dorf holte die Ökopartei mit 14,3 Prozent die meisten Stimmen. Allerdings ist Kunzendorfs Stimmung mit Blick auf das Landesergebnis „ein bisschen zwiegespalten“. Bayernweit gab es nur 3,0 Prozent – angesichts des erfolgreichem Bienen-Volksbegehrens hatte sich die Partei mehr erhofft.

Die AfD errang die meisten Stimmen in Hohenfurch (10,6 Prozent), die FDP in Seeshaupt (4,8), die Linke in Peiting (3,0) und die Bayernpartei in Pähl (2,6). Europa zieht in Bernbeuren nicht so: Hier war die Wahlbeteiligung mit 55,3 Prozent (Landkreis 63,9) am niedrigsten. Bernried und die EU passen dagegen: 75,9 Prozent der Wahlberechtigten gaben dort ihre Stimme ab.

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