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Nahverkehr: Schlechtes Zeugnis für den Landkreis - Versetzung stark gefährdet

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Im Landkreis Starnberg plant man mittlerweile die Errichtung von „Mobilitätsstationen“: Mit der Bahn in die Region, mit dem Bus weiter und dort kann man sich dann ein E-Rad, ein Lastenfahrrad oder ein E-Auto für die letzte Meile leihen.
Während man im Landkreis Weilheim-Schongau grübelt, ob man so etwas wie den ÖPNV wirklich braucht, wird in Starnberg mittlerweile die Errichtung von „Mobilitätsstationen“ geplant: Mit der Bahn kommt man in die Region, mit dem Bus weiter in die Nähe des Ziels und dort kann man sich dann ein E-Rad, ein Lastenfahrrad oder ein E-Auto für die letzte Meile leihen. © Grafik: André STOCKER DESIGN/ARCHIV

Nach Jahren intensiver Arbeit wurde nun das Nahverkehrskonzept vorgelegt. Der Inhalt ist brisant: Um zumindest das eigentlich vorgeschriebene Mindestangebot zu etablieren, wird der Landkreis Millionen ausgeben müssen.

Landkreis – Felix Kühnel von der Firma plan:mobil in Kassel, die im Auftrag des Landkreises das Nahverkehrskonzept erstellte, war sehr diplomatisch, als er den Entwurf des Konzepts am Montag im Umweltausschuss des Landkreises vorstellte.

Mit keinem Wort ordnete er die Situation des Öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Weilheim-Schongau ein. Aber die Daten, die er präsentierte, sind sehr eindeutig.

Man muss nur mal in seiner Präsentation bis zu der Übersicht weiterblättern, in der all die Bus-Linien aufgeführt werden, die der Landkreis einführen müsste, um wenigstens das Mindestangebot nach der bayerischen Richtlinie zur Nahverkehrsplanung zu erfüllen.

Die Liste ist lang. Und am Ende steht, was es jährlich kosten würde, sie umzusetzen: rund 3,8 Millionen Euro. Zieht man von dieser Nummer die zu erwartenden Fahrgeldeinnahmen und die aktuell verfügbaren Fördermittel ab, bleibt unterm Strich ein jährlicher Zuschussbedarf von rund 2,2 Millionen Euro für einen minimalen ÖPNV im Landkreis übrig.

Alpenbus als schnelle Verbindung zwischen den Landkreisen im Oberland

Aufgeführt auf der Liste ist neben dem „Alpenbus“, der eine schnelle, überregionale Verbindung von Murnau über Penzberg, Tölz bis nach Miesbach (und eventuell Rosenheim, dort ziert man sich aber noch) schaffen würde, aber auch zahlreiche Linien im Landkreis. So die Verbindung von Peißenberg über Huglfing nach Penzberg, die Linie von Schongau über Peiting nach Hohenpeißenberg, die von Weilheim über Polling nach Eberfing, von Eglfing über Obersöchering nach Habach, von Prem nach Steingaden, sowie von Steingaden über Wildsteig nach Rottenbuch.

Wohlgemerkt: Das sind nur die Linien, die nach Ansicht der Nahverkehrsplaner höchste Priorität haben. Es gibt noch zehn weitere – unter anderem die Verbindungen von Schongau nach Füssen, nach Landsberg und nach Marktoberdorf oder die Linie von Weilheim über Iffeldorf nach Penzberg, die eine niedrigere Priorität haben, dennoch zur Erfüllung der Mindeststandards notwendig sind.

Debattiert wurde lieber über die Versäumnisse der anderen

Das waren schlechte Nachrichten für die Mitglieder des Umweltausschusses. Und sie beschlossen, sie in der Debatte weitestgehend zu ignorieren. Stattdessen wurde viel unternommen, um die Schuld bei anderen zu suchen. So brandete viel Kritik an der – eigentlich schon beschlossenen – Beteiligung des Landkreises am „Alpenbus“-Projekt auf. Tenor: Wenn der Freistaat diese Linie wünsche, wie von der CSU im Wahlkampf kundgetan, soll er die Kosten dafür auch unternehmen.

Zudem wurde sehr viel über den Bahnverkehr im Landkreis gesprochen. Zwar begann fast jede Wortmeldung mit der Feststellung „mir ist klar, dass der Landkreis für den schienengebundenen Nahverkehr nicht zuständig ist“, aber dennoch wurde immer wieder der zweigleisige Ausbau der Pfaffenwinkelbahn gefordert. So lange, bis Landrätin Andrea Jochner-Weiß der Geduldsfaden riss: „Was glauben Sie, machen wir im Landratsamt?“, fragte sie. Seit Jahrzehnten kämpfe man für den Ausbau der Strecke. „Aber es ist schwierig.“

Millionenteurer Bahnhalt an einem Krankenhaus, das geschlossen werden soll?

In der von Hans Schütz (Grüne/Peiting) wieder aufgebrachten Debatte um eine Verlängerung der Bahnstrecke vom Bahnhof bis zum Krankenhaus nach Schongau streckte Jochner-Weiß dann irgendwann die Waffen. Zuvor hatte Kreiskämmerer Norbert Merk erklärt, man habe das schon untersucht. Die 600 Meter lange Strecke würde einen „zweistelligen Millionenbetrag“ kosten, ganz abgesehen davon, dass die geforderten 1000 Fahrgäste pro Tag an diesem Haltepunkt nicht erreichbar seien. Schütz blieb bei seiner Forderung und die Landrätin willigte am Ende ein, den zusätzlichen Haltepunkt in den Nahverkehrsplan aufzunehmen. Wohl wissend, dass dieser einem Wunschzettel gleicht und jedes einzelne Vorhaben, jede darin aufgeführte Linie noch einmal einzeln im Kreistag diskutiert und beschlossen werden muss.

IHK fordert MVV-Verbundtarif und ÖPNV als echte Alternative zur Fahrt mit dem eigenen Auto

Spätestens dann wird man sich auch inhaltlich mit dem Zustand des ÖPNV im Landkreis auseinandersetzen müssen, der bislang außer dem Schulbusverkehr nicht viel zu bieten hat. Denn der Bedarf ist da, wie die Stellungnahmen der 79 Gemeinden, Vereine und Institutionen deutlich machen, die im Zuge der Erarbeitung des Planes gehört wurden.

Die Industrie- und Handelskammer beispielsweise lässt keinen Zweifel daran aufkommen, was ihre Mitgliedsbetriebe vom Landkreis erwarten: eine Steigerung der Attraktivität des ÖPNV durch den Beitritt zum MVV-Verbundtarif, den Ausbau der Schieneninfrastruktur, dafür zu sorgen, dass der Bus als echte Alternative zur Fahrt mit dem eigenen Pkw wird. Das soll erreicht werden, indem das vorhandene Schienennetz so mit Bussen angebunden wird, dass man täglich verlässlich zur Arbeitsstätte und zurück kommt. Dabei sollen auch nachfragesteuerte, kosteneffiziente Angebotsformen wie Rufbusse genutzt werden, so die IHK.

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