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Über mögliche Auswirkungen einer Umfahrung im Westen Weilheims informierte die „Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos“ bereits im Mai 2018. Gemeinsam mit anderen Verbänden hält sie eine Umgehungsstraße weder im Osten noch im Westen Weilheims für tragbar.

Gemeinsame Erklärung mehrerer Naturschutz-Organisationen

Verbände warnen vor Umfahrungen im Westen und Osten Weilheims

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Mehrere Naturschutzverbände schalten sich in die Diskussion um eine Umgehungsstraße ein – und warnen vor Umfahrungen im Westen und Osten Weilheims. Sämtliche Trassen dort, so heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, hätten drastische Auswirkungen auf Fauna, Flora und den Menschen.

Weilheim – Für die aktuelle Stellungnahme haben sich der Bund Naturschutz, die Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos, der Landesbund für Vogelschutz sowie der Agenda-21-Arbeitskreis „Natur in und um Weilheim“ zusammengetan. Sie bitten die Mitglieder des Stadtrates eindringlich, sich bei ihrer Entscheidung für den Erhalt der nach Bundes- und Landesrecht geschützten Biotope sowie der nach europäischer FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen und Arten einzusetzen. „Mit einer optimierten Unterfahrungs- bzw. Tunnellösung bestehen Alternativen, die aufgeführten Natur- und Umweltschäden zu vermeiden“, heißt es im Schreiben an die Stadt.

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Die Naturschützer betonen, dass eine Beeinträchtigung oder Beseitigung der teilweise national und europäisch geschützten Naturgüter keine politische Ermessenssache, „sondern eine naturschutzrechtlich zu beurteilende Faktenlage“ sei. Und diese könne im Falle einiger dargestellter Naturgüter „nicht so einfach weggewogen werden“. Würde das Staatliche Bauamt dennoch Planungen für eine Umgehungsstraße im Westen oder im Osten weiter verfolgen, so wären den Verbänden zufolge „zwingend vertiefende detaillierte Erhebungen insbesondere zu den von uns aufgezeigten Hotspots vorzunehmen, die durchaus ein Scheitern der anvisierten Trassen zum Ergebnis haben könnten“.

Die Stellungnahme der Naturschutzverbände listet unter anderem folgende zu erwartende Auswirkungen auf Natur und Landschaft auf:

Westumfahrungs-Varianten:

- FFH-Gebiete (Schutzgebiete von europäischem Rang) werden tangiert oder durchschnitten.
- Zwei gesetzlich geschützte Feuchtbiotope nördlich der Kläranlage werden zerstört.
- Der Nahrungsraum der Störche, Grau- und Silberreiher wird durchschnitten (was deren Unfallgefahr erhöht).
- Das Storchennest am westlichen Stadtrand wird vermutlich verschwinden.
- Die Lebensräume geschützter Tier- und Pflanzenarten (Kiebitz, Braunkehlchen, Fledermäuse, verschiedene Libellen und Schmetterlinge, seltene Orchideen, Kleeseide und viele mehr) werden „eingeschnürt“. Folge: „eine lebensbedrohliche Verinselung“.
- Die Hydrologie des Weilheimer Mooses wird massiv verändert.

Zudem verweisen die Verbände auf folgende Probleme: Die meisten Böden der Westtrassen seien „nicht oder nur wenig tragfähig“. Der Flächenverbrauch von 19 bzw. 26 Hektar nehme landwirtschaftlichen Betrieben ihre Existenz. Die großen Straßenlängen würden – etwa im Vergleich zu einem B2-Kurztunnel – große Umwege bedeuten. Das Naherholungsgebiet im Weilheimer Westen werde „erheblich beeinträchtigt“. Die vorherrschenden Westwinde würden „Abgase in die Wohngebiete blasen“.

Ostumfahrungs-Varianten:

- Beseitigung von Alleen (etwa im Bereich des Dietlhofer Sees oder des Angerbaches).
- Zerstörung von Trockenlebensräumen bzw. Teilhabitaten der Zauneidechse (am Gögerl und am Tennisheim).
- Beseitigung einer Feuchtfläche (Fortpflanzungshabitat des Laubfrosches).
- Massive Zerschneidung eines Eichenwäldchens.

Bei einer ortsfernen Ostumgehung wäre den Naturschützern zufolge je nach Lage des Bauwerkes ein „besonders hochwertiger nährstoffarmer Stillgewässerkomplex“ gefährdet und das Vorkommen der extrem seltenen Pflanzenart „Kriechender Sellerie“ bedroht. Dies wären „massive Eingriffe in einen besonders empfindlichen gesetzlich geschützten Lebensraum und eine streng geschützte Art“.

Bei dieser Aufstellung, so wird betont, handle es sich nur um „eine erste Grobabschätzung der Beeinträchtigungen geschützter Naturgüter“. Alle Ostvarianten würden zudem „eine massive Zerstörung der Erholungslandschaft für die Weilheimer Bevölkerung, insbesondere im Norden zum Dietlhofer See, nach Osten zur Hardtlandschaft sowie nach Süden zum Gögerl“ bedeuten. Auch Weilheims Siedlungsentwicklung wäre stark behindert, konstatieren die Vertreter der Naturschutzverbände. Und: „Die Schutzansprüche der Anwohner gegen Lärm und Feinstaub würden durch die geplanten Trassen massiv beeinträchtigt.“

Fazit:

Die Zerstörung von gesetzlich geschützten Biotopen, so erklären die Autoren der Stellungnahme, ist laut Bundesnaturschutzgesetz verboten–und eine Befreiung nur möglich, „wenn Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses vorliegen und die Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können“. Auch schreibe das Gesetz vor, vermeidbare Beeinträchtigungen von Naturgütern zu unterlassen. „Im vorliegenden Fall ist die Beeinträchtigung vermeidbar, da der Zweck durch eine alternative Trassenführung (zum Beispiel optimierter Tunnel) ebenso erreicht werden kann“; und diese Alternative sei zumutbar.

„Machbare Tunnelvarianten dürfen nicht durch willkürliche ,Wirtschaftlichkeitsdefinitionen’ der Straßenbauverwaltung ausgeschlossen werden“, betonen die Naturschutzverbände. Sie bemängeln, dass das Staatliche Bauamt „bis heute trotz zahlreicher Hinweise aus der Öffentlichkeit keine machbaren Tunnelvarianten detaillierter ausgearbeitet“ habe – etwa eine Untertunnelung des Narbonner Rings oder einen B2-Tunnel in Deckelbauweise.

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