Am Hauptsitz des Staatlichen Bauamts an der Münchener Straße ist ein großer Erweiterungsbau geplant.
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Am Hauptsitz des Staatlichen Bauamts an der Münchener Straße ist ein großer Erweiterungsbau geplant.

Für Stadt „unverständlich“

Behörden-Neubau in Weilheim: Ministerium will bei Tiefgarage sparen

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Beim geplanten Neubau des Staatlichen Bauamts in Weilheim soll die Tiefgarage deutlich kleiner werden als bisher gedacht. Das fordert das Bayerische Bauministerium. Die meisten der 84 zusätzlichen Autostellplätze würden dann oberirdisch geschaffen – was der Stadt sauer aufstößt.

Weilheim – Als vor zwei Jahren die Vorplanung für einen 65 Meter langen und fast 15 Meter hohen Erweiterungsbau am Bauamts-Hauptsitz an der Münchener Straße 39 vorgestellt wurde, war die Zustimmung groß im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates. Zwar sei, wie es hieß, die Kröte zu schlucken, dass einige stattliche Bäume für den Neubau fallen müssen. Doch gab es Lob für das „ökologische Konzept“ des Komplexes, der Platz für rund 130 Mitarbeiter bieten und per Steg im ersten Stock mit dem bestehenden Gebäude verbunden werden soll. Die Rede war zum Beispiel von einer Wärmepumpenheizung, von Solarzellen, Gründächern und „Regengärten“, in denen Niederschlagswasser versickern kann.

Gar nicht ökologisch wirkt dagegen, was in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung mitgeteilt wurde: Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr habe die Größe der geplanten Tiefgarage moniert, schrieb das Staatliche Bauamt Mitte Mai per E-Mail an die Stadt. Nur noch direkt unter dem Gebäude solle „eine Unterkellerung stattfinden“. Da man dort aber „auch noch etliche Technikflächen unterbringen“ müsse, könnten die notwendigen Autostellplätze „zum großen Teil nur oberirdisch“ geschaffen werden. Das heißt konkret: Von den 84 neuen Parkplätzen, die für die Erweiterung nötig sind, werden nur rund 34 in der Tiefgarage Platz finden. 50 sollen ebenerdig auf dem Grundstück entstehen. Dies zusätzlich zu den 40 Bestandsstellplätzen (22 in der bestehenden Tiefgarage, 18 ebenerdig), die von der Planung unberührt sind.

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Im Bauausschuss des Stadtrates wurde 2019 schon Kritik geäußert, dass überhaupt noch zusätzliche Parkplätze oberirdisch geplant sind. Dass die Tiefgarage jetzt noch kleiner werden soll, dafür gab es in der jüngsten Sitzung überhaupt keine Akzeptanz. „Ich musste das dreimal durchlesen und habe eigentlich nicht glauben können, dass in der heutigen Zeit so viele Stellplätze oberirdisch angelegt werden sollen“, sagte 3. Bürgermeister Alfred Honisch (Grüne): Es sei unverständlich, „dass eine Behörde sagt, das ist uns zu teuer. Hier fehlt mir absolut die Vorbildfunktion einer Staatsbehörde.“ Ähnlich CSU-Vertreter Klaus Gast: „Wir reden hier nicht von irgendwas, sondern vom Staatlichen Bauamt. Und das hat schon eine Vorbildfunktion.“ Gast sieht keinen Grund, den Bebauungsplan bezüglich der Stellplatz-Festsetzungen zu ändern – so wie es das Staatliche Bauamt erbeten hat. Diese Änderung lehnte der Bauausschuss denn auch einstimmig ab. Das Bauamt solle erst einmal die konkrete Planung vorlegen, betonte auch BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek, die ebenfalls „kein Verständnis“ für eine Tiefgaragen-Verkleinerung hat.

Vergabe an einen „Totalunternehmer“ soll weitere Einsparungen bringen

In der Detailplanung könnte es auch noch weitere Änderungswünsche geben. Denn das Ministerium will, dass der Neubau als „Funktionalausschreibung mit Vergabe an einen Totalunternehmer“ realisiert wird. Damit solle die Planung komplett in einer Hand liegen, erklärte Stefan Scheckinger, der Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, auf Nachfrage unserer Zeitung – und zwar „bei dem Unternehmer, der es baut“. Dahinter stehe das Ziel der Kostenminimierung, so Scheckinger: „Man sagt ja immer, die privaten können das günstiger.“

Auch bei der Tiefgarage gehe es um Einsparungen. „Der Freistaat will öffentliche Gebäude möglichst günstig bauen. Und das ist ja eigentlich auch richtig so, dass man mit Steuergeldern vorsichtig umgeht“, meint Scheckinger. Mit Baubeginn – vor Corona für heuer avisiert – rechnet er übrigens „nicht vor 2023“.

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