Helfer haben Personalprobleme

Neue Herausforderungen für Schwangerenberater

Die Zahl der Schwangerenberatungen am Gesundheitsamt hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. Grund dafür ist aber nicht, dass insgesamt mehr Frauen und Paare Rat suchten, sondern dass andere Beratungsstellen Personalsorgen haben.

Landkreis/Weilheim – „Wenn der Rat von Freunden und Verwandten nicht mehr ausreicht, dann sind unsere Mitarbeiter kompetente Ansprechpartner“, so Dr. Stefan Günther, kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes in Weilheim, bei einem Pressegespräch. Und die Ratschläge des sechsköpfigen Beratungsteam werden gern angenommen: Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 446 Gespräche, darunter 257 Erstberatungen, so Petra Regauer, zuständige Sachgebietsleiterin.

Meist ging es bei den Gesprächen, bei denen oft auch ein Schwangerschaftsabbruch im Raum stand, um Finanzielles und um Wohnungssuche, weil zum Beispiel Sozialwohnungen fehlen. „Und die Situation ist in den vergangenen Jahren nicht besser geworden“, so Regauer. „Fatal für die Familienplanung sind auch die zunehmende Zahl von Zeitverträgen und das Fehlen von Krippenplätzen“, so Ronald Weber, einer von zwei männlichen Beratern, der wie seine Kolleginen versucht, die angehenden Eltern so gut wie möglich und so rasch wie möglich über Hilfsangebote – auch von Vereinen und der Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“ – zu informieren. Das größte Problem sei, dass viele Frauen gerade, wenn sich alleinstehend seien, Angst davor hätten, in Hartz IV abzurutschen, wenn sie sich für ein Kind entschieden“, so Regauer. Es gebe einfach noch zu wenig Hilfsangebote, das Netz sei nicht engmaschig genug.

Gegenüber 2015 hat die Zahl der Beratungen um rund ein Sechstel zugenommen. Das liegt daran, so Regauer, dass die beiden anderen Beratungsstellen, SKF (Sozialdienst Katholischer Frauen) und „Donum Vitae“ wegen Personalproblemen deutlich weniger Termine vorgenommen haben. Der Landkreis hat darauf reagiert und eine zusätzliche Verwaltungskraft eingestellt.

Was sich neben der Zahl der Beratungen ebenfalls verändert hat, ist der Personenkreis: 25 Frauen und Paare stammten 2016 aus Nicht-EU-Ländern, ein Gespräch war daher meist nur über Dolmetscher möglich. Als Dolmetscher arbeiten die Mitarbeiter allerdings manchmal auch selbst, dann nämlich, wenn sie den deutsch sprechenden Ratsuchenden die nicht immer einfache Verwaltungssprache übersetzen. Dabei geht es zum Beispiel um mögliche Hilfsangebote und die Voraussetzungen hierfür, so Beraterin Susanne Nabholz. Die Sozialpädagogen am Gesundheitsamt, die sich noch um weit mehr Bereiche als die Schwangerenberatung kümmern, geben auch Tipps zu Elterngeld und und Hartz IV, machen aber keine Rechtsberatung.

Einfacher ist die Situation für die Berater durch die neuen Räume an der Eisenkramergasse in Weilheim geworden, die sind besser ausgeschildert und daher ohne große Nachfragen leichter zugänglich für Menschen, die anonym bleiben wollen.

Die Schwangerenberatung bezieht sich längst nicht nur auf Frauen und Paare, die ein Kind erwarten: Schwangerenberatung beginnt bereits in der Schule bei der Sexualberatung, so Stefan Günther. Und sie geht auch nach der Geburt weiter, wenn die Familien betreut werden.

Weitere Informationen

zur Beratung am Gesundheitsamt unter Telefon 0881/681-1609, 681-1600 oder schwangerenberatung@lra-wm.bayern.de.

Johannes Thoma

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