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Kleine Wohnungen, Läden und ein Bistro sollen im ehemaligen „Küchenstudio“ Platz finden. 

Neue Pläne fürs ehemalige „Küchenstudio“

Und wo sind die Stellplätze?

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Für das seit Jahren leer stehende ehemalige „Küchenstudio“ an der Ecke Münchener Straße/Schützenstraße gibt es große Pläne. Um sie umsetzen zu können, sind 37 Stellplätze erforderlich. Die gibt es – aber nur auf dem Papier. Es ist ein einzigartiger Fall in Weilheim.

Weilheim – Was Stefan Kirchmayer vom Stadtbauamt gestern Vormittag in der Sitzung des Bauausschusses über die Pläne für das vor sich hinwelkende Anwesen an der Münchener Straße 15 sagte, hörten die Stadträte durchaus gern. Im 1. Stock des ehemaligen „Küchenstudios“ sollen elf Appartements mit bis zu 35 Quadratmetern sowie zwei größere entstehen. Im Erdgeschoss sind zwei Läden vorgesehen, einer davon als Café mit kleiner Terrasse zum Brunnen hin. Kirchmayer wies darauf hin, dass der Plan „hinsichtlich der Art und des Maßes der baulichen Nutzung kein Widerspruch zu den Festsetzungen des Bebaungsplanes ist“. Die geplante bauliche Nutzung entspreche den Vorgaben des Bebauungsplanes für dieses Stadtquartier zwischen Schützenstraße/Münchener Straße und Bahnhofstraße. Die Kubatur des Gebäudes werde nicht verändert.

Zu den Stellplätzen sagte Kirchmayer, dass für das „Küchenstudio“ einst 37 Stellplätze für Kraftfahrzeuge erforderlich gewesen seien, für die künftige Nutzung sei es die gleiche Anzahl. Die 38 erforderlichen Fahrradabstellplätze würden „in einem uneingeschränkt zugängigen Kellerraum“ sowie ebenerdig neben dem Bistro angelegt.

So weit so gut. Die Mitglieder des Bauausschusses sollten nun nur noch entscheiden, ob – wie vom Bauwerber beantragt – ein Freistellungsverfahren zum Tragen kommt, das auf dem kurzen Dienstweg über die Verwaltung läuft, oder ein aufwändiges Baugenehmigungsverfahren. In ein solches sind mehrere Gremien involviert, darunter der Bauausschuss. Doch dann nahm die Diskussion eine Wende. Freie Wähler-Stadträtin Romana Asam fragte: Wo sind denn eigentlich diese Stellplätze?

Für das „Küchenstudio“, so erklärte Kirchmayer, waren die Stellplätze auf mehreren Flächen nachgewiesen. Inzwischen seien sie faktisch aber nicht mehr existent. Die Flächen, auf denen sie sich befanden, seien überbaut worden. Das ändere aber nichts daran, „dass wir die ehemaligen Stellplätze würdigen und gegenrechnen müssen“. „Der Fall ist in Weilheim einzigartig“, stellte dazu Manfred Stork, Chef der Bauverwaltung im Weilheimer Rathaus, fest. Die Stellplätze für das Gebäude seien nicht im Grundbuch gesichert worden, das geschehe generell erst seit den 1980er/1990er Jahren. Deswegen seien die nur noch auf dem Papier existierenden Stellplätze wie abgelöste zu bewerten.

Die Stadträte waren bass erstaunt ob dieser Entwicklung. „Das mag rechtlich in Ordnung sein, ist aber ein Riesenproblem“, stellte Stefan Zirngibl (CSU) fest. „Bei 37 Stellplätzen kann man auch kein Auge mehr zudrücken“. „Die Stadt hat nie Ablöse bekommen, wir dürfen keinen Präzedenzfall schaffen“, so Jochen Knittel (BfW) und Alfred Honisch (Grüne) sagte: „Es geht um Gleichbehandlung, ums Prinzip“.

Guter Rat war nun teuer, denn „das Projekt lahmlegen ist nicht Sinn der Sache“, wie es Michael Lorbacher (SPD) ausdrückte. So schlug Zirngibl vor, nur die Wohnungen bauen zu lassen und die Stellplätze ebenerdig dort anlegen zu lassen, wo Laden und Café vorgesehen sind. „Die Idee ist städtebaulich fraglich“, so Brigitte Holeczek (BfW). Ihrem Vorschlag, mit dem Hausbesitzer noch einmal zu reden und den Antrag zu vertagen, gab Kirchmayer keine Chance. Der Antragsteller habe ein Recht auf eine Entscheidung binnen vier Wochen, die Frist laufe nächste Woche ab, so Kirchmayer. Zudem sei ihm schon vor zwei Jahren gesagt worden, dass die Stellplätze gegengerechnet werden.

Letztlich beschloss das Gremium, ein Baugenehmigungsverfahren auf den Weg zu bringen, in dem auch das Landratsamt den Fall prüft. Und in Sachen „Stellplätze“ soll überlegt werden, ob der Bauherr diese nicht auf dem geplanten Parkdeck an der Krumpperstraße schaffen kann. „Das wäre eine reine Goodwill-Aktion von ihm“, sagte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt.

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