Ein Fahrzeug des Weilheimer Stadtbusses an der zentralen Haltestelle auf dem Herzog-Albrecht-Platz in Weilheim.
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Weilheims Stadtbus wird ab 2022 neu organisiert. Die Stadtwerke setzen dann auf batterieelektrische Midibusse.

Erwachsene zahlen ab 2022 wieder

Tarife für Weilheimer Stadtbus sind fix: „Wir dürfen den Bus jetzt nicht schlechtreden“

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Jetzt ist es fix: Erwachsene müssen ab 2022 wieder zahlen, wenn sie in Weilheim Stadtbus fahren. Nur Kinder und Schüler bleiben kostenfrei. Das hat der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen. Doch SPD und FW übten starke Kritik.

Weilheim – Die Stadt Weilheim „beißt in den sauren Apfel“ – wie es Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne) formulierte – und verlangt ab 1. Januar 2022 wieder Fahrgeld von Stadtbusnutzern. Für Erwachsene kostet eine Tageskarte dann einen Euro (Vergünstigungen: siehe unten). Kinder und Schüler werden aber weiterhin kostenlos befördert. Das hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen.

Seit Anfang 2020 ist Weilheims Stadtbus für alle Nutzer kostenfrei. Doch das muss sich nach Angaben der Verantwortlichen ändern, wenn die Stadtwerke kommendes Jahr den Stadtbus übernehmen: Das Kommunalunternehmen müsse zwingend auch damit umsatzsteuerlich relevante Erlöse erzielen. Und Stadtwerke-Vorstand Peter Müller hält es angesichts der „ganz erheblichen Angebotsausweitung“ mit neuen E-Bussen, längeren Betriebszeiten und dichterem Takt auch für richtig, Fahrgeld zu verlangen, wie er im Stadtrat unterstrich. Etwa 15 Prozent der Gesamtkosten sollen damit gedeckt werden – so wie es bis 2019 der Fall war.

An dieser Argumentation gab es im Stadtrat aber deutliche Kritik. Er stelle nicht die steuerlichen Gründe in Abrede, sagte Horst Martin (SPD); doch die weiteren Begründungen – wie Müllers Aussage, Kostenfreiheit führe nicht zu stärkerer Nutzung – störten ihn. „Ich behaupte, dass ein Großteil der Weilheimer nicht einmal weiß, dass der Stadtbus kostenlos ist“, so Martin, „wir haben nie richtig dafür geworben“. Auch das Argument, dass jene, die das verbesserte Angebot nutzen, an dessen Kosten zu beteiligen seien, ließ der SPD-Mann nicht gelten: Denn auch wer nicht selbst Stadtbus fahre, profitiere von weniger Autoverkehr in der Stadt.

Martins Bitte: Der Stadtrat solle vor einer Entscheidung klären, wie man Stadtbusnutzern weiterhin Gebühren ersparen könnte. Doch Bürgermeister Markus Loth (BfW) und Müller betonten, wegen diverser Fristen müsse rasch entschieden werden.

Wie die beiden SPD-Vertreter lehnten auch die Freien Wähler die Wiedereinführung von Stadtbustarifen ab. „Jetzt, wo es den Menschen schlechter geht, fangen wir an, wieder Fahrgeld einzuführen“, rügte Romana Asam. Susann Enders fand „traurig, dass die Bereitschaft, das Auto zuhause stehen zu lassen, jetzt steuerlichen Zwängen unterworfen sein soll“. Doch alle anderen Stadträte trugen die Neuregelung ab 2022 mit. „Hier geht es nicht um ein Wunschkonzert, sondern schlicht um steuerliche Vorgaben“, sagte Klaus Gast (CSU). „Ganz wichtig“ aber sei, dass Kinder weiter kostenlos fahren dürfen.

Ihre Fraktion stimme den Tarifen zu, obwohl sie vor zwei Jahren den Antrag auf Kostenfreiheit gestellt hatte, erklärte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek. Denn die Voraussetzungen seien damals andere gewesen: „Der Stadtbus war nicht bei den Stadtwerken, und kein Mensch hat da von Umsatzsteuer gesprochen.“ Dass die Stadtwerke aber bei der Vergabe an sie auf das Steuerproblem hätten aufmerksam machen müssen, warf Rüdiger Imgart (AfD) ein. Doch laut Müller hätte der Stadtrat heuer ohnehin neu über die Kostenfreiheit entscheiden müssen – da diese zunächst auf zwei Jahre beschränkt wurde.

Für Grünen-Sprecher Neulinger wäre noch zu überlegen, ob Sozialhilfebezieher künftig kostenlos Stadtbus fahren dürfen. Doch schon jetzt gestalte man die Fahrpreise – die eigentlich kein Stadtrat wolle – „so sozialverträglich wie möglich“. Keinesfalls dürfe man nun „anfangen, den Stadtbus schlechtzureden“. Müller kündigte umfangreiche Datenermittlungen an, um das Angebot ständig weiterzuentwickeln – und eine große Werbeaktion für den neuen Stadtbus ab Herbst.

Das kostet der Stadtbus ab 2022 für Fahrgäste

Laut Stadtratsbeschluss gelten ab 1. Januar 2022 für Erwachsene, die den Weilheimer Stadtbus nutzen, folgende Tarife:

- Tageskarte: 1.- Euro

- Wochenkarte: 4,50 Euro

- Zehnerkarte: 7,50 Euro

- Monatskarte: 16,50 Euro

- Jahreskarte: 150 Euro

Das Werdenfels-Ticket und das Bayern-Ticket der Bahn werden im Stadtbus als Fahrschein anerkannt.

Kinder bis einschließlich 14 Jahre sowie Schüler (Nachweis: Schülerausweis) können den Stadtbus weiterhin kostenlos nutzen.

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