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Neue Zahlen zu Weilheims Zukunft: Über 1600 zusätzliche Wohnungen bis 2038 nötig?

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Von: Magnus Reitinger

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Eines der vielen Wohnbauprojekte, die für die nächsten Jahre in Planung sind: Auf dem „Dietmayr-Anger“ bei der Pöltner Kirche werden neben den bestehende Blocks  270 bis 290 weitere Wohnungen entstehen.
Eines der vielen Wohnbauprojekte, die für die nächsten Jahre in Planung sind: Auf dem „Dietmayr-Anger“ bei der Pöltner Kirche werden neben den bestehende Blocks 270 bis 290 weitere Wohnungen entstehen. © Ruder

Im Sommer will Weilheims Stadtrat einen „Baulandbeschluss“ fassen, um Investoren künftig an den Folgekosten von Neubauprojekten für die Stadt zu beteiligen. Grundlage dafür sind fundierte Prognosen, die nun vorliegen – und besagen: Selbst bei Nullwachstum brauche es bis 2038 über 600 zusätzliche Wohnungen.

Weilheim – Wie viel wird, wie sehr soll Weilheim wachsen? Das ist zurzeit die Frage aller Fragen für den Stadtrat. Die rege Bautätigkeit lässt bei vielen Schwindelgefühle aufkommen – und die ernste Sorge: Kann die Stadt eigentlich die Folgen all der Neubauprojekte schultern? Einerseits seien neue – und vor allem bezahlbare – Wohnungen dringend nötig, heißt es immer wieder. Andererseits machen sie enorme Investitionen in die Infrastruktur nötig. Und an deren Kosten, so ist man sich einig, sollen Investoren und Bauträger in Zukunft beteiligt werden.

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Im Sommer will der Stadtrat ein solches Abschöpfungsmodell beschließen. Grundlage dafür sind umfangreiche Erhebungen fürs Stadtgebiet, mit denen das Büro „Planwerk Stadtentwicklung“ in Nürnberg beauftragt wurde: Wie wird sich Weilheims Bevölkerung bis 2038 entwickeln? Und welche Bedarfe ergeben sich daraus für die Kinderbetreuung, für Schulen, für Senioreneinrichtungen? Das wurde im Vorfeld des geplanten Baulandbeschlusses untersucht – und nun im Bauausschuss des Stadtrates vorgestellt.

Von „Nullprognose“ bis „Maximalprognose“

„Planwerk“ hat dafür dreierlei Szenarien entwickelt:
- eine „Nullprognose“ ohne Bevölkerungszunahme;
- eine „Realprognose“, die von 0,5 Prozent Wachstum pro Jahr ausgeht (wie es seit 2010 durchschnittlich der Fall ist);
- eine „Maximalprognose“ mit einem Prozent jährlichem Wachstum.
Das wohl überraschendste Ergebnis dabei: Selbst in der Nullprognose, laut der Weilheim im Jahr 2038 rund 22.800 Einwohner hätte (ähnlich wie heute), wären bis dahin rund 600 neue Wohnungen nötig – etwa, weil mehr Menschen alleine leben.

2100 zusätzliche Einwohner erwartet

Realistischer ist den Gutachtern zufolge aber die Prognose mit 0,5 Prozent Wachstum. Dann würde Weilheim 2038 circa 24.850 Einwohner zählen, gut 2100 mehr als Ende 2020. Dafür bräuchte es rund 1660 Wohnungen mehr als heute. Das aktuelle Bebauungspotenzial – Flächenreserven im Stadtgebiet, die das Stadtbauamt auf 44 Hektar beziffert (ohne weitere Ausdehnung nach außen) – wäre damit komplett ausgeschöpft, so die Berechnung von „Planwerk“, und es wären weitere neun Hektar Bauland nötig. Übrigens gibt es nach Angaben der Gutachter derzeit 183 leer stehende Wohnungen in Weilheim.

Die Prognosen für 2038 im Überblick

Die Prognosen für 2038 je nach Entwicklungsvariante im Überblick:
Nullprognose: ca. 22.800 Einwohner, davon 965 zwischen 6 und 10 Jahren sowie 3538 über 75 Jahre • 606 zusätzliche Wohneinheiten nötig (19 Hektar Baulandbedarf, damit 43 % des heutigen Bebauungspotenzials ausgeschöpft) • 402 Krippenplätze, 789 Kindergartenplätze, 895 Hort-/Mittagsbetreuungsplätze, 37 Grundschulklassen nötig.
Realprognose: ca. 24.850 Einwohner, davon 1097 zwischen 6 und 10 Jahren sowie 3619 über 75 Jahre • 1668 zusätzliche Wohneinheiten nötig (53 Hektar Baulandbedarf, 9 Hektar mehr als das heutige Bebauungspotenzial) • 466 Krippenplätze, 912 Kindergartenplätze, 1014 Hort-/Mittagsbetreuungsplätze, 42 Grundschulklassen nötig.
Maximalprognose: ca. 27.280 Einwohner, davon 1254 zwischen 6 und 10 Jahren sowie 3706 über 75 Jahre • 2928 zusätzliche Wohneinheiten nötig (92 Hektar Baulandbedarf, 48 Hektar mehr als das heutige Bebauungspotenzial) • 544 Krippenplätze, 1060 Kindergartenplätze, 1155 Hort-/Mittagsbetreuungsplätze, 48 Grundschulklassen nötig.

Kitas und Mittagsbetreuung: Bedarf steigt heftig

Steil nach oben geht in allen Prognosen der Bedarf an Plätzen in Kitas und Mittagsbetreuung. Dabei schlägt weniger das Wachstum der Stadt als vielmehr die steigende Nachfrage durch. Besuchen derzeit ca. 40 Prozent der Unter-Dreijährigen Kitas, so werden es den Experten zufolge 2038 etwa 70 Prozent sein. Dazu kommt ab 2026 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. In der Realprognose steigt der Bedarf an Hort- und Mittagsbetreuungsplätzen von heute 441 auf 1014 im Jahr 2038, der an Krippenplätzen von 234 auf 466. Wobei die Spitzenwerte schon ein paar Jahre früher erreicht sind.

Stadt kann Entwicklung durchaus steuern

Die derzeit geplanten Wohnbauprojekte seien in den Prognosen bereits enthalten, erklärte Gunter Schramm von „Planwerk“ – und betonte, dass nicht jede neue Wohneinheit Zuzug bedeute. Letzteren könne die Stadt mit ihrer „Angebotsstrategie“ zum Teil durchaus steuern. Ohne Wachstum aber wird es nicht gehen, war man sich bei ersten Stellungnahmen im Bauausschuss einig. Wobei etwa Rupert Pentenrieder (BfW) kein zusätzliches Bauland im Außenbereich für nötig hält: Im Innenbereich habe Weilheim „noch viel Potenzial“, hier werde die Bebauung dichter und höher – „und dieser Zug ist nicht aufzuhalten“.

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