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Die Reise ist beendet: Das letzte Stück Strecke wurden die neuen Glocken für die Apostelkirche mit dem Pferdefuhrwerk transportiert.

Apostelkiche

Die neuen Glocken sind angekommen

Weilheim -  Sie sind da! Rund 400 Gemeindemitglieder und Gäste begleiteten den Zug  der neuen Glocken von der Jahnhalle zur Apostelkirche.

Geprüft und für gut befunden: Glockenexperte Walter Erdt ist zufrieden mit der Neuanschaffung.  

 Der nächste Schritt ist geschafft: Die Glocken sind in der Kirche. Am Sonntag waren rund 400 Angehörige der evangelischen Gemeinde und Gäste zum Parkplatz an der Jahnhalle gekommen, um die Glocken zur Kirche zu begleiten, die am Donnerstag von der Karlsruher Gießerei „Bachert“ angeliefert worden waren.

Auf einem Pferdefuhrwerk ging es mit musikalischer Begleitung durch die Stadtkapelle zur Apostelkirche, wo das Ereignis gefeiert wurde. Es sei ein seltsames Gefühl gewesen, so Dekan Axel Piper in seinem Rückblick auf das Glockengießen am 9. September. Kurz nach der Ankunft in der High-Tech-Stadt Karlsruhe sei er in einen dunklen Raum gekommen, wo gearbeitet wurde wie vor Jahrhunderten. Tatsächlich habe sich am Glockengießen nichts geändert. Es laufe heute immer noch ab wie von Friedrich Schiller beschrieben. „Festgemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden ...“ beginnt das Gedicht.

Und die Glocken wurden, und das auch zur Zufriedenheit des Experten Walter Erdt, der sie am Dienstag begutachtet hatte. „Sonst hätte ich sie ja nicht abgenommen“, so seine lapidare Feststellung zur Qualität ihres Klangs.

Zwei Glocken sind etwas leichter ausgefallen als geplant, bei der kleinen wurde das Gewicht genau getroffen. Die große Glocke, die ein Adler ziert, wiegt 710 Kilogramm, die mittlere, deren Attribut ein Schlüssel ist, wiegt 540 Kilogramm, und die kleine mit dem Schwert hat ihre berechneten 340 Kilogramm. Die Glocken wurden von den Familien Handel, Liebl und Güthler/Erdt gestiftet. Gestaltet hat die Zier der Glocken Shigeyuki Miyagawa, ein aus Japan stammender Künstler, der in München lebt.

Die beiden Glocken, die jetzt ihren Platz für ihre Nachfolger räumen müssen, stammen aus Schlesien. Sie wurden, wie Bürgermeister Markus Loth in seinem kurzen geschichtlichen Rückblick sagte, „von den Nazis beschlagnahmt“. Und dies nicht nur aus militärischen Gründen, wie er vermute, sondern auch „um die Glocken zum Schweigen zu bringen“, weil sie eine Stimme von oben seien, die auf eine höhere Macht hinweise. Aber auch damit seien die Nationalsozialisten gescheitert - „Gott sei Dank.“

Der nächste Schritt steht in knapp drei Wochen an. Dann beginnt eine Firma aus Rothenburg ob der Tauber mit der Demontage des alten Glockenstuhls, dem Einbau des neuen Glockenstuhls und der Anbringung der drei neuen und der verbleibenden alten Glocke.

Laut Richard Eisele, der schon für den Glockentransport nach Weilheim gekommen war, können alle Arbeiten innerhalb des Kirchturm ausgeführt werden, wenn dafür die Treppe abmontiert wird. Gut fünf Wochen bleiben für die Montage, denn der Termin für die Glockenweihe steht schon fest: Zur Feier des ersten Advents soll das neue Geläut erstmals erklingen.

Alfred Schubert

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