+
Neubau am Stadtrand: So soll das neue Berufsschulzentrum am Narbonner Ring aussehen. Die Computer-Grafik zeigt die Ansicht von der Südseite. Nicht zu erkennen ist die Photovoltaikanlage, die auf das Dach kommt. 

Neues Berufsschulzentrum Weilheim

Es könnten auch 70 Millionen Euro werden

  • schließen

Die Kostenberechnung für das neue Berufsschulzentrum liegt bei 62,6 Millionen Euro.  Wie viel die Schule aber letztlich kosten wird, hängt von einer großen Unbekannten ab: der Preissteigerung im Baugewerbe. Der Landkreis plant deswegen schon mal mit einem Gesamtbudget von knapp 70 Millionen Euro.

Weilheim – Auf dem Papier ist die neue Berufsschule weitgehend fertig: Auf einer 95 Seiten umfassenden Präsentation wurden der Entwurf in der Sitzung des Kreis- und Schulausschusses vorgestellt – von A wie Aufriss der Werkstätten bis Z wie Zentralschaltung. Bodenbeläge, Mauerwerk, Parkplätze, Energieversorgung. Dabei wurde, so Florian Steinbach, Leiter der Abteilung „Gebäudewirtschaft, Schul- und Liegenschaftsverwaltung“ am Landratsamt, auch stark auf die Nachhaltigkeit geachtet. Florian Müller-Luckinger von „Krug Grossmann Architekten“ umschrieb den Bau mit den drei Worten – „einfach, elegant, dauerhaft“.

Auch die bislang nur geschätzten Kosten sind durchgerechnet, sie liegen nach derzeitigem Stand bei 62,6 Millionen Euro, aber eben nur auf dem Papier. Inklusive des prognostizierten Anstiegs bei den Baukosten um 8,5 Prozent, der sich in einer Summe von 5,3 Millionen Euro widerspiegelt, und einer Risikoreserve von 1,9 Millionen Euro umfasst das ehrgeizige Projekt ein „finanzwirksames Gesamtbudget von 69,8 Millionen Euro“, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der Sitzung am Montag im Weilheimer Landratsamt. Dem Landkreis liegt laut Kreiskämmerer Norbert Merk eine Zuschusszusage der Regierung von Oberbayern über 55 Prozent zu.

Die Nagelprobe für die Kosten kommt aber erst, wenn die Ausschreibungen für die Arbeiten beginnen. Wie Michael Wagner von der Firma „Hitzler Ingenieure“ sagte, sei die Baukostensteigerung konjunkturell regional sehr verschieden, es sei aber von einer Indexentwicklung um 8,5 Prozent auszugehen. Sicher könne das aber nicht gesagt werden, „da bei Baumaßnahmen im Volumen der Berufsschule eine ausschließlich regionale Vergabe nicht vorausgesetzt werden kann“. Es müsse auch teilweise europaweit ausgeschrieben werden. „Wir hoffen aber auch auf gute Angebote vor Ort“, so Wagner.

Die Mitglieder des Kreis- und Schulausschusses machten fast einstimmig den Weg frei für das Vorhaben. Das letzte Wort hat aber der gesamte Kreistag in seiner Sitzung am 27. Oktober. Fast einstimmig deswegen, weil Hans Geisenberger (Sachsenried) und Manuela Vanni (Peißenberg), beide Unabhängige/ödp, die aktuelle Planung ablehnen. Geisenberger sagte, dass er grundsätzlich für den Neubau sei, er die Kostensteigerung von 30 Millionen auf 70 Millionen Euro“ aber nicht mittragen könne.

Diese Ablehnung brachte ihm einen harschen Zuruf von Michael Asam (Peiting/SPD) ein. Es müsse mal gut sein, mit der Kritik, sagte er. So werde nur die Politikverdrossenheit geschürt und ein Wahlergebnis wie der Bundestagswahl provoziert. Doch gerade bei der Planung der Berufsschule sei die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik sehr konstruktiv und gut gewesen.

Asam spielte damit auf die 25 Jour-Fix-Treffen an, bei denen Kreistagsmitglieder, Vertreter der Planungsbüros und der Kreisverwaltung sich trafen. „Das war etwas Einmaliges, so sollten wir weiter verfahren“, sagte CSU-Fraktionssprecher Peter Erhard (CSU/Böbing) fest. Vizelandrat Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) stellte fest, dass bei diesen Treffen „die politische Seite auch Kostenbewusstsein reingebracht hat. Wie Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfL) sagte, dass das Berufsschulzentrum „eine runde Sache“ werde und stellte fest, dass es einen 55-Prozent-Zuschuss noch nie gegeben habe. Als er den Planern der Büros und in der Kreisverwaltung dankte, gab es viel Beifall. „Wir haben es der großen Politik vorgemacht, wir machen Sachpolitik“, lobte Susann Enders (Freie Wähler/Weilheim) die Zusammenarbeit.

Die Diskussion um die Zukunft der Schule läuft seit 2006. Nachdem die Sanierung der alten Schule an der Kerschensteiner Straße aus Kostengründen abgelehnt wurde, fiel 2014 für einen Neubau. Am 15. April 2021 soll die neue Berufsschule am Narbonner Ring in Weilheim fertig sein. Berufsschul-Leiter Dr. Burkhard Küster sagte, dass die Schule weder für die Lehrer noch die Schüler, sondern für den „Wirtschaftsstandort Oberland“ gebaut werde.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Arena für Kongresse: Baut Roche schon 2019?
Rund 1,4 Milliarden Euro hat Roche von 2013 bis 2017 in sein Penzberger Werk investiert. Weitere Pläne liegen schon vor: Eine Veranstaltungshalle soll entstehen. Die …
Arena für Kongresse: Baut Roche schon 2019?
64-Jähriger wollte mit 1,88 Promille flüchten
Nachdem er bei einem Unfall bei Obersöchering mit seinem Auto unter anderem etwa 20 Meter Stacheldraht mitgenommen hatte, wollte ein alkoholisierter 64-Jähriger fliehen. …
64-Jähriger wollte mit 1,88 Promille flüchten
Sonne blendete: Kollision in Penzberg
Weil die tiefstehende Sonne eine Autofahrerin blendete, kam es in Penzberg zu einem Unfall.
Sonne blendete: Kollision in Penzberg
B 2-Ausbau verzögert sich
Der Ausbau der B 2 nördlich von Weilheim verzögert sich. Grund ist der Naturschutz. Dieser verlangt eine Vogel-Kartierung. Baubeginn für die Brücken könnte 2019 sein, ab …
B 2-Ausbau verzögert sich

Kommentare