Stolz auf ihre Leistung: Saika Gebauer-Merx und Ralf Gebauer vor dem Hotel in der Pöltner Straße.
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Stolz auf ihre Leistung: Saika Gebauer-Merx und Ralf Gebauer vor dem Hotel in der Pöltner Straße.

Der erste Gast war schon da

Neues Hotel-Schmuckstück in Weilheims Altstadt

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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In Weilheim eröffnet am heutigen Samstag ein neues Hotel, das „Altstadthotel Bachbräu“ an der ehemaligen Bachbräupassage in der Pöltner Straße. Betreiberin ist Saika Gebauer-Merx, die das Haus zusammen mit ihrem Mann Ralf Gebauer in den vergangenen Monaten in ein wahres Schmuckstück verwandelt hat.

Weilheim – Vorsichtig öffnet die ältere Dame die Tür und schaut sich neugierig in dem Vorraum um, in dem nur ein kleiner Rezeptionstisch sowie eine gemütliche kleine Sitzecke stehen. Auf den fragenden Blick von Saika Gebauer-Merx sagt die Frau entschuldigend: „Ich bin einfach neugierig, wie es jetzt hier ausschaut.“ Weil noch nicht eröffnet ist, darf sich die Dame umschauen, kommt nach kurzer Zeit zurück und sagt zu Gebauer-Merx: „Wunderschön, dass Sie so respektvoll mit dem alten Gebäude umgegangen sind.“

So eine Szene bestärkt die Geschäftsfrau, die für die FDP als Bürgermeisterkandidatin angetreten ist und eigentlich als Immobilienbewertungssachverständige arbeitet, in ihrer Entscheidung, unter die Hoteliers zu gehen. Gekauft hatten sie und ihr Mann das Haus schon länger, „aber wir wussten irgendwie nicht, was wir damit machen sollen“, sagt sie. Die Geschäftsräume im Erdgeschoss zu vermieten, sei aussichtslos gewesen – „da kamen nur Anfragen von Dönerläden, aber das wollten wir nicht“.

Aus der ehemaligen Shisha-Bar wurde der Frühstücksraum. Die frühere Passage können künftig nur noch Hotelgäste und einige Anwohner betreten.

Schließlich reifte nach längerer Überlegung die Idee, aus dem Haus ein kleines Stadthotel zu machen. Das Ehepaar war schon mitten in der Planung, als ihnen überraschend der komplette Wohnkomplex der Bachbräu-Passage angeboten wurde, also der komplette Innenhof mitsamt den umstehenden Häusern (bis auf eines) mit rund 25 Wohnungen. Sie schlugen zu und planten um, was die Umsetzung wegen des gewonnenen Platzes deutlich einfacher machte.

„Altstadthotel Bachbräu“ hat 14 Zimmer

Denn so kamen zu dem dreistöckigen Haus in der Pöltnerstraße noch der Innenhof dazu sowie drei ebenerdige Hotelzimmer in der ehemaligen Passage, die barrierefrei erreichbar sind. Dort ist auch eine Sauna untergebracht, die aber noch nicht fertig ist. Aus der Gastwirtschaft, die zuletzt eine Shisha-Bar beherbergte, wurde der Frühstücksraum. Insgesamt hat das „Altstadthotel Bachbräu“ 14 Zimmer.

Der Ausbau, der allein fast eine Million Euro verschlungen hat, war nicht einfach, sagt Ralf Gebauer. Als Bausachverständiger kennt er sich in der Materie aus, hat schon viele ältere Objekte wie den früheren Preisinger in der Oberen Stadt saniert. „Aber das hier war eine besondere Herausforderung.“ Weil das Haus ein Einzeldenkmal ist, durfte in der Struktur nichts verändert werden – ein Aufzug war also unmöglich, weil dafür Decken hätten durchbrochen werden müssen.

Im Stil rund ums Jahr 1900 sind die Zimmer eingerichtet – jedes ist ein Unikum, weil wegen des Denkmalschutzes die Struktur beibehalten werden musste.

So ist jedes Zimmer ein Unikum, hat seinen eigenen Charme. Eingerichtet ist es im Stil von Gründerzeit bis Jugendstil, also von den Jahren 1890 bis 1925. Dafür hat Gebauer-Merx Antiquariate und Trödelläden in der weiten Umgebung leergekauft, manche Stücke kamen bis aus Berlin – und man sieht den Zimmern an, dass sie mit viel Liebe eingerichtet worden sind. Die Bäder etwa sind mit sogenannten Metro-Fliesen (nach der Pariser U-Bahn) ausgestattet, die Treppe in den ersten Stock dagegen haben sie behalten – sie ist tatsächlich aus Mahagoni. „Das haben wir erst gemerkt, als wir sie abschleifen wollten und nichts passiert ist, weil sie so hart ist. Die schaut aus wie neu“, so Gebauer.

Der erste Gast kam schon vor der Eröffnung

Die Zielgruppe sind Individualtouristen, gerne auch mit Rädern, für die im Innenhof genug Abstellplatz ist. E-Bike-Ladestationen sollen noch kommen, eventuell auch eine Überdachung vom Hotel zum Frühstücksraum – dort muss man sonst bei Wind und Wetter ins Freie.

Doch jetzt soll es erst einmal losgehen, was mitten in Corona-Reisewarnungen natürlich nicht einfach ist. „Vielleicht ist es ja gut, wenn wir langsam anfangen“, sagt Gebauer-Merx. Bisher hat sie zwei Mitarbeiter, drei weitere stünden parat. Der erste Gast war übrigens gestern schon vor der Eröffnung da – er hatte das Hotel im Internet entdeckt und einfach angefragt.

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