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Neues Internetportal in Weilheim

Gute Nachbarschaft per Mausklick

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Eine neue Form der Nachbarschaftshilfe findet in Weilheim mehr und mehr Freunde, sie funktioniert per Internet. Die „Nachbarschaftshilfe“ der Pfarreiengemeinschaft sieht sie nicht als Konkurrenz, sondern als Entlastung. Denn sie stößt an ihre Grenzen.

Weilheim – „Mit Erschrecken haben Katze und ich festgestellt, dass wir kein Futter mehr haben. Kann uns jemand aushelfen?“ Hilferufe dieser Art finden sich seit etwa einem Monat auf der Internetplattform „nebenan.de“, die die Weilheimer auf neuartige Weise zusammenbringen will.

Das Online-Portal des Sozialunternehmens „Good Hood GmbH“ mit Sitz in Berlin, das seit 2015 in verschiedenen deutschen Städten Fuß gefasst hat, bietet Nachbarn laut der Organisatoren die Möglichkeit, sich „gegenseitig auszuhelfen und kennenzulernen“ oder „dem Nachbarn einfach mal zwei Eier zum Backen zu leihen.“ Um die kostenlose Plattform nutzen zu können, die von Investoren wie dem „Burda Verlag“ finanziert wird, müssen sich Interessenten mit ihrem Namen und ihrer Adresse anmelden. Laut Betreiber sind die Daten geschützt und werden nicht weitergegeben.

Um sicherzustellen, dass sich nur Nutzer registrieren, die tatsächlich vor Ort wohnen, ist zudem ein spezieller Zugangscode notwendig. Verteilt wird dieser unter anderem von den Mitgliedern selbst: In Form einer gedruckten „Einladung“ können die Zugangsdaten in die Briefkästen im Viertel geworfen werden.

Auf diese Weise erhielt auch Isabel Fischer aus der Nachbarschaft „Am Hardt“ vor einigen Wochen eine gedruckte Einladung mit Zugangsdaten – und meldete sich direkt an: „Ich habe mir gedacht, dass eine solche nachbarschaftliche Vernetzung ja nicht schaden kann. Aber viel erwartet habe ich mir eigentlich nicht.“

Schon jetzt ist sie aber positiv überrascht: „Eine Frau, die einige Straßen entfernt wohnt, konnte ich mit Wollresten beglücken. Ich selbst habe nach einer alten Schreib-Lern-Schiefertafel aus den 60er Jahren zum Ausleihen gefragt und gleich eine angeboten bekommen.“

Die Idee, Anwohner auf diese Art zu vernetzen, findet auch bei Ursula Gerwerd Anklang, die seit 23 Jahren die Nachbarschaftshilfe der Pfarreiengemeinschaft Weilheim leitet: „Wir stoßen mit unserem Ehrenamt beinahe an unsere Grenzen. Solche Zusammenschlüsse könnten uns die Arbeit erleichtern.“

Die kirchliche Gruppe aus 28 Mitgliedern hilft insbesondere Älteren und Kranken. „Wir fahren zu Arztterminen, gehen einkaufen oder schenken einfach Zeit“, erklärt die 73-Jährige. Im Gegensatz zu „nebenan.de“ hat die Organisation keine Internetpräsenz. Sie ist telefonisch erreichbar und informiert mit Flyern, die im Krankenhaus, bei Ärzten und in Kirchen ausliegen.

Kleine nachbarschaftliche Dienste wie das Aushelfen mit Katzenfutter oder das Verleihen von Backzutaten fallen generell nicht direkt in den Aufgabenbereich der Gruppe, die mit der Langzeitbetreuung von 22 Personen und zusätzlichen akuten Fällen gut ausgelastet ist. Weitere Zusammenschlüsse dieser Art gibt es in Weilheim derzeit nicht. Die Nachbarschaftshilfe „Bürger für Bürger Weilheim“ löste sich vor etwa zwei Jahren auf.

Die Nachfrage nach neuen Formen der Vernetzung ist laut Gewerd definitiv gegeben: „Heutzutage sind viele Menschen in der Region zugezogen und haben niemanden in ihrer nahen Umgebung. Eine richtige Nachbarschaft zu haben, ist etwas, was uns heute fehlt.“

Momentan sind 140 „Nachbarn“ aus der Innenstadt und den Vierteln „Am Gögerl“, „Am Hardt“ und „Unterhausen“ auf dem Portal „nebenan.de“ aktiv, wobei jeweils nur die angrenzenden Wohngebiete für die Nutzer sichtbar sind. Wie auf einem Schwarzen Brett werden online Gesuche und Angebote geteilt und so beispielsweise Fahrgemeinschaften zum Ski-Langlauf gegründet oder es wird überzähliges Gebäck verschenkt.

Dass auch der hungrigen Katze geholfen werden konnte, kann auf „nebenan.de“ nachgelesen werden: Nachdem eine Nachbarin dem Besitzer eine Futterdose zukommen ließ, bedankte sich dieser mit einem Beweisfoto von der fressenden Katze.

Marion Neumann

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