Die Planung für den Autohaus-Neubau: Das große Gebäude in der Mitte ist der Verkaufsraum, dahinter die Werkstätten und das Teilelager. Der grau dargestellte Gebäudeteil rechts oben ist das Reifenlager, das noch um zwei Meter nach Norden erweitert werden darf. Links im Grünbereich sind rund 30 Mitarbeiter-Stellplätze zu sehen, die nun – wie geplant – oberirdisch angelegt werden dürfen.
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Die Planung für den Autohaus-Neubau: Das große Gebäude in der Mitte ist der Verkaufsraum, dahinter die Werkstätten und das Teilelager. Der grau dargestellte Gebäudeteil rechts oben ist das Reifenlager, das noch um zwei Meter nach Norden erweitert werden darf. Links im Grünbereich sind rund 30 Mitarbeiter-Stellplätze zu sehen, die nun – wie geplant – oberirdisch angelegt werden dürfen.

Millionenprojekt am Stadtrand

Neues Mercedes-Autohaus in Weilheim: Patt im Stadtrat wegen Tiefgarage

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Das Autohaus MedeleSchäfer muss für seinen Neubau im Osten Weilheims nun doch keine Tiefgarage errichten. Der Stadtrat hat diese Forderung des Bauausschusses wieder gekippt – denkbar knapp.

Weilheim – Es war eine Patt-Situation, als der Stadtrat vergangenen Donnerstag darüber abstimmte, ob die Firma MedeleSchaefer unter ihrem geplanten Autohaus an der Deutenhausener Straße eine Tiefgarage für Mitarbeiter-Stellplätze bauen muss. 15:15 lautete das Ergebnis – und Bürgermeister Markus Loth (BfW) musste erst mal innehalten, um klar zu haben, was damit Beschlusslage war: Dass die Stadt keine Tiefgarage fordert.

Dabei hatte der Bauausschuss neun Tage zuvor klar für diese Tiefgarage votiert. Parkplätze für Personal bei einem solchen Projekt oberirdisch anzulegen, sei „nicht mehr zeitgemäß“, hatte etwa BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek formuliert. Zu dieser Aussage stehe sie, erklärte sie jetzt im Stadtrat. Doch habe man in der Ausschuss-Sitzung das Bodengutachten noch nicht gekannt, das MedeleSchaefer zwischenzeitlich vorlegte. Demnach würde eine Tiefgarage dort im Grundwasser stehen, müsste also „komplett wasserdicht erstellt werden“, wie Manfred Stork vom Stadtbauamt erläuterte. Für die Autohausbetreiber würde das „zu hohe Mehrkosten“ bedeuten.

„Damit ist es eine andere Situation“, sagte Holeczek, in diesem Lichte könne man dem Bauwerber die Tiefgarage „nicht einfach aufdrücken“. Die komplette BfW-Fraktion und alle anwesenden CSU/FDP-Vertreter (außer Klaus Gast) stimmten nun gegen die Tiefgarage. Sämtliche anderen Stadtratsmitglieder votierten dafür. Vorausgegangen war eine kontroverse Debatte zum Thema Flächensparen (siehe Kasten unten).

Und die wurde sehr grundsätzlich: „Ich komme unter Berücksichtigung aller Belange zum Schluss, dass das ganze Projekt an der Stelle nicht richtig ist“, sagte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger mit Blick auch auf kritische Stellungnahmen im Bebauungsplanverfahren. Die Regierung von Oberbayern sieht durch die Planung etwa einen wichtigen Grüngürtel durchbrochen und fordert, erst alle innerörtlichen Potenziale zu prüfen. Auch die Staatsregierung habe das Ziel ausgegeben, den Flächenverbrauch in Bayern zu halbieren, so Neulinger: „Wenn man das ernst meint, können wir nicht jedes Mal ein Auge zudrücken.“

Bürgermeister Loth ist geplättet von Wortmeldung des Grünen-Chefs

Er sei „platt“ ob dieser Wortmeldung, meinte darauf Loth und erinnerte daran, dass der Stadtrat die Neubaupläne längst abgesegnet habe. Stefan Zirngibl (CSU) betonte: „Wenn wir künftig Tiefgaragen von Gewerbetreibenden fordern wollen, müssen wir unsere Stellplatzsatzung ändern – aber auch über mögliche Konsequenzen nachdenken.“ Und Claus Reindl (BfW) warnte, Wirtschaftsfeindlichkeit könne sich die Stadt angesichts ihrer Haushaltslage nicht leisten: „Wir müssen nicht zu allem Ja und Amen sagen, aber wir müssen seriös bleiben.“

Wie dringend das Projekt für MedeleSchäfer ist, das durfte Peter Schäfer – der den Betrieb zusammen mit Johannes Medele führt – spontan in der Sitzung erklären: Ohne den geplanten Neubau würde man die Mercedes-Lizenz verlieren, sagte Schäfer, bis Ende 2022 müsse man dort eingezogen sein. Um das zu schaffen, so erklärte der Geschäftsführer gegenüber unserer Zeitung, vergebe man derzeit bereits die Aufträge – „vorbehaltlich der Baugenehmigung“.

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Mit 17:13 Stimmen abgesegnet hat der Stadtrat, dass die nördliche Baugrenze des Neubaus noch um zwei Meter erweitert wird. „Diese zwei Meter spielen im Gesamtkontext keine Rolle“, befand Bürgermeister Loth. Auf Tagblatt-Anfrage erklärte Schäfer den Änderungswunsch damit, dass sich das dort vorgesehene Reifenlager so „viel sinnvoller planen“ lasse. Insgesamt ist das künftige Autohaus-Areal ca. 20 000 Quadratmeter groß. Die rund 30 Mitarbeiter-Stellplätze, die Richtung Wiesenweg vorgesehen sind, werden laut Schäfer übrigens mit „Rasenwaben“ angelegt, „die 98 Prozent Grasanteil haben“.

Warum die erforderliche Ausgleichsfläche für das Gesamtprojekt dem städtischen Ökokonto entnommen werde, wollte Saika Gebauer-Merx (FDP) im Stadtrat wissen. „Dafür haben wir ein solches Konto, dass man Flächen anbieten kann“, antwortete Bauverwaltungsleiter Stork. Die dafür nötigen Maßnahmen müsse der Bauwerber bezahlen.

Den weiteren Abwägungen des Stadtbauamtes zu den Bedenken, die bei der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung zum Bebauungsplan eingegangen sind, hat der Stadtrat mit großer Mehrheit zugestimmt. Dagegen waren Neulinger, Enders, Rüdiger Imgart (AfD) und Ullrich Klinkicht („Weilheim Miteinander“).

Stimmen aus der Diskussion im Stadtrat

„Wir haben bisher noch bei keinem Gewerbebetrieb eine Tiefgarage gefordert. Ich sehe die Gefahr, dass durch solche Regelungen Betriebe abwandern.“ Rupert Pentenrieder (BfW)

„Wir haben schon relativ große Bauchschmerzen gehabt, an dieser Stelle einem Autohaus zuzustimmen. Die Zeiten sind vorbei, wo wir wertvollste Fläche für bloßes Parken opfern.“ Alfred Honisch (Grüne)

„Wir haben von Anfang an gesagt, man stimmt nur zu, wenn flächensparsam gebaut wird. Flächensparen ist kein Wunschkonzert.“ Susann Enders (FW)

„Wir müssen jetzt zu unserer Grundsatzentscheidung stehen. Niemand von uns hat damals eine Tiefgarage gefordert.“ Stefan Zirngibl (CSU)

„Unsere Steuereinnahmen brechen ein. Eine wirtschaftsfeindliche Haltung, wie wir sie hier teilweise an den Tag legen, können wir uns nicht leisten.“ Claus Reindl (BfW)

„Es gibt Stimmen, die suggerieren, man könnte eine Ost-Umfahrung unterirdisch realisieren. Wenn selbst eine Tiefgarage nicht geht, geht das doch umso weniger!“ Klaus Gast (CSU)

„Ich denke, eine Tiefgarage ist für ein solches Unternehmen bei einem solchen Projekt machbar – und dass wir das auch fordern können.“ Horst Martin (SPD)

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