Neue Bücher von Autoren, deren Lesungen in Weilheim begeisterten:  Wolf Biermann ist einer davon.

Neues von den „Weilheimer Autoren“  

Lernen von den Biermann und Walser

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Es gibt Neues von den „Weilheimer Autoren“.  Wolf Biermann und  Martin Walser ziehen in ihren aktuellen Büchern auf unterschiedliche Weise Bilanz. 

Weilheim – „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“: Diesen Titel trägt die Nummer 37 der „Weilheimer Hefte zur Literatur“ – mit Texten von Wolf Biermann. Auf der Rückseite des Hefts, das die Deutschlehrer des Gymnasiums Weilheim im März 1994 herausgaben, prangt ein schillernder, typischer Satz des wortmächtigen Lyrikers und Liedermachers: „Lieber begeistert hoffen und wieder auf die Schnauze fallen, als tatenarm und gedankenvoll jammern.“

Worauf und wie begeistert er gehofft hat – und wie er auf die Schnauze fiel, das beschreibt Biermann, inzwischen 80, in seiner Autobiografie „Warte nicht auf bessre Zeiten!“ (Propyläen Verlag, 576 Seiten, 28 Euro). Die Erinnerungen des gebürtigen Hamburgers, der 1953 als glühend hoffnungsfroher Sozialist in die DDR übersiedelte, dann aber zum Regimekritiker avancierte und 1976 ausgebürgert wurde, sind nichts Geringeres als ein Zeitzeugnis deutscher Geschichte: Biermann erzählt beeindruckend aufrichtig, unglaublich spannend, umwerfend leidenschaftlich, erhellend lebensklug, außerordentlich gewitzt – und nicht zuletzt sprachlich bezaubernd.

Da macht es Martin Walser dem „normalen Leser“ deutlich schwerer. Sein neues Buch „Statt etwas oder Der letzte Rank“ (Rowohlt, 176 Seiten, 16,95 Euro) ist ein Selbstgespräch mit Tendenz zum Autistischen, und es ist – obgleich vom Verlag als solcher angepriesen – auch mit viel Mühe nicht „Roman“ zu nennen. Der Erzähler hat Gegner, Theorien und selbst Interessen hinter sich gelassen, er pflegt im Starren auf eine musterlose Wand die Innerlichkeit, ergründet sich in 52 knappen, handlungslosen Kapiteln selbst. In seiner Formlosigkeit spricht das wohl nur eingefleischte Walser-Leser an – was man einem 90-jährigen Schriftsteller aber kaum vorwerfen mag. Als 1985 das „Weilheimer Heft“ mit seinen Texten erschien (Titel: „Ein Angriff auf Perduz“), war Walser 58. „Man könnte. Aber man kann nicht“, hieß das Zitat unter seinem Porträtfoto auf der Rückseite.

Wie im Sturm hat bei seiner Dichterlesung im Januar 2016 der aus Bosnien stammende Autor Saša Stanišić die Herzen und Köpfe der Zuhörer in der Gymnasiums-Aula erobert – mit starken Texten und leidenschaftlichem Vortrag. Dabei konnten die Besucher ein halbes Jahr vor Erscheinen bereits eine Kurzgeschichte aus seinem Erzählband „Fallensteller“ (Luchterhand, 282 Seiten, 19,99 Euro) hören: „Im Ferienlager im Wald“. Wer dabei war und die Story nun nachliest, hat Stanišić vor Augen und im Ohr – und somit doppelten Genuss. Aber auch alle anderen dürften die überbordende Fantasie und der sprudelnde Sprachwitz des End-Dreißigers schnell erobern. Er ist gewiss ein heißer Kandidat für den Weilheimer Literaturpreis.

Die Rubrik

„Neues von den ,Weilheimer Autoren’“ stellt in loser Folge Neuerscheinungen von Schriftstellern vor, denen das Gymnasium Weilheim in den vergangenen Jahren „Weilheimer Hefte zur Literatur“ gewidmet hat.

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