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Gaspreise: „Der Markt ist außer Kontrolle geraten“

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Von: Johannes Thoma

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Der Gaspreis hat zuletzt beinahe täglich neue Rekordhöhen erklommen. Für Kunden des regionalen Versorgers „17er Oberlandenergie“ wird er sich verdoppeln.

Landkreis – Der Gaspreis am Terminmarkt hat sich seit Juli vergangenen Jahres verfünfzehnfacht. Davon spüren die Kunden der Peißenberger Gemeindewerke, der „17er Oberlandenergie“ oder der Stadtwerke Weilheim derzeit noch relativ wenig. Das liegt daran, dass die regionalen Energieversorger Gas – und auch Strom – über Jahre im Voraus, meist in kleinen Tranchen, einkaufen.

Gas Krise in Deutschland Gas Herd Erdgas 2022
Der Gaspreis ist hoch – das wird sich jedoch erst mittelfristig auf die Haushalte hierzulande auswirken (Symbolbild). © Action Pictures/Imago

Gaspreise: Preissprünge werden sich erst mittelfristig auf Haushalte auswirken

Diese Preissprünge werden sich – im Gegensatz zu den Großkunden – also erst mittelfristig auf die Haushalte hierzulande auswirken, falls die Preise nicht wieder zurückgehen. Was sich bereits ab 1. Oktober bemerkbar macht, ist unter anderem die Gasbeschaffungsumlage der Bundesregierung. Diese Umlage sowie zwei weitere, die Gasspeicherumlage und die Bilanzierungsumlage, dürften die Kilowattstunde um vier Cent verteuern. Diese Mehrkosten geben die regionalen Versorger 1:1 an ihre Kunden weiter.

Ab Oktober zahlt ein Haushalt mit einem Verbrauch von 18 000 kWh (das entspricht dem von vier Personen in einem kleineren Einfamilienhaus), der einen neuen Gas-Vertrag bei der „17er Oberlandenergie“ abschließt, 4615 Euro pro Jahr. Ein Bestandskunde rund 2100 Euro. Wer zu zweit in einer rund 65 Quadratmeter großen Wohnung lebt und zum. 1. Oktober Kunde bei der „17er Oberlandenergie“ wird, der muss mit 2100 Euro pro Jahr rechnen, ein Bestandskunde dann mit rund 1000 Euro. Aktuell zahlen Bestandskunden noch bis Ende September rund 700 Euro (bei 8000 kWh Jahresverbrauch) bzw. 1450 Euro (18 000 kWh).

Preissprung auf dem Terminmarkt: Die Preise für Gas sind laut dieser Grafik von 20 Euro für die Megawattstunde (Juli 2021) auf 150 Euro (Juli 2022) gestiegen. Seit Juli hat sich der Preis noch einmal fast verdoppelt. Vergangene Woche lag er bei 293 Euro.
Preissprung auf dem Terminmarkt: Die Preise für Gas sind laut dieser Grafik von 20 Euro für die Megawattstunde (Juli 2021) auf 150 Euro (Juli 2022) gestiegen. Seit Juli hat sich der Preis noch einmal fast verdoppelt. Vergangene Woche lag er bei 293 Euro. © 17er Oberlandenergie

Ein klein wenig höher sind die Kosten bei den Stadtwerken Weilheim, ein Bestandskunde mit 18 000 kWh Verbrauch zahlt beispielsweise rund 2170 Euro im Jahr. Angebote für Neukunden gibt es nicht. „Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen aufgrund der historisch einzigartigen Marktsituation derzeit keine Gas-Produkte anbieten können“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Sowohl „17er Oberlandenergie“ als auch Stadtwerke haben jeweils rund 2000 Gas-Kunden.

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Gaspreise: Neukunde zahlt ab Oktober 5255 Euro pro Jahr — mehr als doppelt so viel wie Bestandskunden

Die Gemeindewerke Peißenberg versorgen rund 300 Kunden, den Geschäftszweig „Gas“ gibt es erst seit rund zwei Jahren. Der Preissprung bei Alt- und Neukunden ist ähnlich hoch wie bei den Mitbewerbern: Bei einem Verbrauch von 18 000 kWh zahlt ein Neukunde ab 1. Oktober 5255 Euro pro Jahr, der Bestandskunde 2285 Euro. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 8000 kWh muss als Neukunde ab 1. Oktober mit 2422 Euro rechnen, bei einem Bestandskunden ist es mit 1102 Euro weniger als die Hälfte, aber immer noch um knapp 300 Euro über dem aktuell gültigen Tarif.

Für Thomas Feistl, den Geschäftsführer der „17er Oberlandenergie“, sind die Gaspreise auf dem Terminmarkt zuletzt „reine Phantasiepreise“ gewesen, die mit dem realen Wert der Ware nichts mehr zu tun hätten. Er würde sich ein Eingreifen des Staates wünschen. „Der Markt ist außer Kontrolle geraten.“

Da pflichtet ihm Manuel Schumnik, Abteilungsleiter bei den Gemeindewerken, bei: Für sein Unternehmen gehe es in erster Linie darum, den Kunden Versorgungssicherheit zu gewährleisten: „Daseinsvorsorge statt Gewinnmaximierung.“ Deshalb habe man heuer auch noch keinen Aufnahmestopp verfügt. Den gab es bei der „17er Oberlandenergie“ zu Jahresbeginn. „Da wurden wir regelrecht überrannt“, so Feistl.

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Gaspreise: Krise führt zu erheblicher Mehrarbeit

Alle drei Unternehmen stehen nach wie vor auf wirtschaftlich gesunden Beinen, wie sie betonen. Die Gas- und Stromkrise führe aber zu erheblicher Mehrarbeit, beispielsweise weil ständig Neukalkulationen nötig seien, so Schumnik. Hinzu komme, dass aufgrund der höheren Preise das Risiko steige, dass Kunden ihre Rechnung nicht mehr bezahlen könnten. Alle drei Unternehmen erhalten auch keine staatlichen Subventionen, weil sie keine Gasimporteure sind, sondern Gas und Strom auf entsprechenden Börsen im voraus kaufen und dann an ihre Kunden weiterveräußern.

Sowohl Feistl als auch Schumnik berichten von Anrufen besorgter Kunden, Beschimpfungen habe es aber keine gegeben. „Die Menschen wissen, dass wir für diese Krise nicht verantwortlich sind“, so Feistl.

Belastend sei die Situation trotzdem, sagt Schumnik und erzählt die Geschichte eines Bekannten: Der habe kürzlich einen Brief eines großen Energieversorgers bekommen; darin kündigt dieser eine Preiserhöhung an: statt 100 Euro pro Monat soll der Kunde jetzt 1000 Euro zahlen.

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