Nigerianer (21) wegen versuchten Mordes vor Gericht

Mit Stuhl und Flasche Opfer attackiert

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Ein Asylbewerber aus Nigeria muss sich seit Dienstag  vor dem Landgericht München II verantworten. Er hatte einen Landsmann schwer verletzt.

Weilheim – Alles fing mit zu lauter Musik an. Deshalb gab es immer wieder Streit in einer Weilheimer Asylbewerberunterkunft – bis ein solcher Streit im Mai vorigen Jahres eskalierte. Ein Nigerianer (21) soll dabei mit einem schweren Stuhl auf einen Landsmann losgegangen sein und ihm mit voller Wucht eine Kante auf den Kopf geschlagen haben mit den Worten: „I kill you.“ Doch damit nicht genug: Anschließend soll er ihm auch noch eine abgeschlagene Glasflasche über den Schädel gezogen haben. Seit gestern muss sich der 21-Jährige wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht München II verantworten.

Eigentlich wohnte der berufslose Nigerianer gar nicht in der Unterkunft in Weilheim, sondern in Rottenbuch. Dennoch verbrachte er die meiste Zeit in Weilheim, weil dort nigerianische Freunde von ihm lebten. Auch nachts blieb er dort – und auch nachts soll er dort die Musik laut aufgedreht haben. Ein Mitbewohner, der immer wieder um seinen Schlaf gebracht wurde, forderte ihn schließlich am 27. Mai gegen 22 Uhr auf, die Unterkunft zu verlassen. Daran entzündete sich ein Streit, der in Gewalt gipfelte. Hätten die Mitbewohner nicht immer wieder eingegriffen, hätte die Sache wohl noch schlimmer geendet.

Laut Anklage packte der Angeklagte einen Stuhl, um damit seinen Widersacher zu attackieren. Mitbewohner konnten ihm den Stuhl entreißen und den Mann in ein anderes Stockwerk bringen. Er lief jedoch wieder zurück, packte den Stuhl erneut und zog ihn seinem Opfer über den Schädel, das dadurch eine zwölf Zentimeter lange Risswunde erlitt.

Im Anschluss wollten Mitbewohner den 21-Jährigen daran hindern, abzuhauen. Auch der Verletzte, der sich mit einer Hand den Kopf, mit der anderen den Angeklagten festhielt. Dieser schrie auf Englisch: „Lass mich los, oder ich bringe dich um.“ Dann soll er zu einer abgebrochenen Glasflasche gegriffen und damit mindestens zweimal auf den Kopf seines Landsmanns eingedroschen haben. Das Opfer erlitt weitere Schnittwunden und ließ von seinem Kontrahenten ab. Der konnte dennoch nicht fliehen, weil in diesem Moment die Polizei eintraf.

Der Nigerianer, der seit 5. August in Untersuchungshaft sitzt, kann sich angeblich nicht an die Taten erinnern. Er sagt, dass er zu diesem Zeitpunkt betrunken war.

Mit 18 Jahren musste er nach eigenen Angaben aus Nigeria flüchten. Die Mitglieder einer geheimen Sekte hätten damals seinen Vater umgebracht, der ebenfalls Mitglied war. Anschließend sollte der Sohn in die Sekte eintreten. Als er sich geweigert habe, habe man ihm nach dem Leben getrachtet.

In Libyen wusch er Autos – wie schon in der Heimat. Sein Chef habe ihm aber seinen Lohn vorenthalten und ihn gezwungen, in ein Boot nach Italien zu steigen. Als ihm ein Freund sagte, dass es in Deutschland besser sei, bettelte er Geld für eine Fahrkarte zusammen und reiste nach Deutschland, wo er Asyl beantragte.

Nach verschiedenen Stationen landete der 21-Jährige in Rottenbuch. Seitdem er in Deutschland ist, habe er viel Alkohol getrunken, sagt er. Er schäme sich, weil er nicht lesen und schreiben könne. Eine Woche lang habe er versucht, in einem Kurs Deutsch zu lernen. „Aber es war schwierig.“ Gott habe ihm nicht das Hirn dazu gegeben. Stattdessen wolle er wieder Autos waschen – oder Fliesenleger werden. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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