Das handschriftliche Blatt, auf dem Orgellegende Jean Guillou die Disposition für Weilheims neue Orgel entworfen hat, zeigt Ulrich Bracker, der seitens der Kirchenverwaltung Mariae Himmelfahrt das Projekt Orgelneubau betreut.
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Das handschriftliche Blatt, auf dem Orgellegende Jean Guillou die Disposition für Weilheims neue Orgel entworfen hat, zeigt Ulrich Bracker, der seitens der Kirchenverwaltung Mariae Himmelfahrt das Projekt Orgelneubau betreut.

1,1-Millionen-Projekt verzögert sich

Weilheim: Noch vier Jahre Warten auf die neue Orgel

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Zwei Jahre länger als gedacht müssen Musikfreunde und Gläubige auf die neue Orgel in Weilheims Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt warten. Das 1,1 Millionen-Euro-Projekt wird wohl erst 2024 realisiert. Dann entsteht aber ein besonderes Instrument: Der Entwurf stammt vom wohl wichtigsten Organisten der letzten Jahrzehnte.

  • Wohl erst 2024 ist die ersehnte neue Orgel in Weilheims Stadtpfarrkirche fertig
  • Die Disposition dafür hat die französische Orgellegende Jean Guillou entworfen
  • Zur Finanzierung fehlen noch 300.000 Euro

Weilheim – Noch ist Geduld gefragt. Nachdem sich die nötige Zustimmung der Diözese Augsburg ein halbes Jahr verzögert hat, konnte der Auftrag für den Orgelneubau noch nicht offiziell erteilt werden – und nun kann die weltweit renommierte und entsprechend ausgelastete Firma „Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth“ erst 2023 mit dem Instrument für Weilheim beginnen. Im Frühjahr 2024, so der jetzige Zeitplan, kann die neue Orgel dann in Mariae Himmelfahrt eingebaut werden.

International gefragter Orgelbauer

Das Warten aber dürfte sich lohnen. Zum einen, weil der in March bei Freiburg ansässige Orgelbauer für höchste Qualität steht: Von dieser Firma stammen zum Beispiel Orgeln in der Universitätskirche Wien, in der Hamburger Hauptkirche Sankt Michaelis und den Konzertsälen des Konservatoriums in der chinesischen Metropole Hangzho. Ehe es mit dem Weilheimer Instrument beginnen kann, baut das Unternehmen in der nächsten Zeit unter anderem Orgeln für den Braunschweiger Dom und die „Methodist Central Church“ in Incheon/Südkorea.

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Weilheims neue Orgel wird von dem Freiburger Unternehmen nach einem Entwurf des legendären französischen Orgelvirtuosen Jean Guillou realisiert – auch das dürfte das Instrument zu etwas ganz Besonderem machen. Weilheims Kirchenmusiker Jürgen Geiger, der als international gefragter Konzertorganist öfter gemeinsam mit Guillou auftrat, hatte den verehrten „Maître“ zuletzt im Januar 2019 in Paris besucht. Dabei erarbeitete Guillou zusammen mit Geiger die Disposition der gewünschten Orgel. Weilheims Stadtpfarrkirche kannte der Virtuose von einem Gastspiel im Jahr 2011, damals eröffnete Guillou mit seinem Konzert den „Weilheimer Orgelsommer“.

Der letzte Akt einer Orgellegende

Zwei Wochen nach Geigers Besuch im Januar 2019 ist Jean Guillou im Alter von 88 Jahren in Paris gestorben. Sein Entwurf einer Orgel für Weilheim „ist das letzte Glied in der langen Kette von Instrumenten, die nach seinen Plänen in Europa gebaut wurden“, schrieb Witwe Suzanne Guillou im April 2020 in einem Brief: „Vor allem stellt es den letzten schöpferischen Akt des großen Künstlers dar, der er war.“

Auflagen der Diözese kosteten Zeit

War Guillous Disposition vor allem auf eine künstlerische Konzertorgel ausgerichtet, so wurde der Entwurf gemeinsam mit dem Augsburger Amt für Kirchenmusik im Hinblick auf die liturgischen Anforderungen ergänzt. Danach brachten jedoch Finanzierungsauflagen der Diözese das Projekt ins Stocken, erklärt Ulrich Bracker, der sich seitens der Kirchenverwaltung Mariae Himmelfahrt um den Orgelneubau kümmert. Der bereits gesicherte Anteil der Finanzierung musste plötzlich wesentlich größer sein, als es zunächst geheißen hatte. Es folgten lange Verhandlungen mit der Bistumsleitung, die nun zu einem guten Abschluss kamen. Doch der Orgelbau verzögert sich dadurch um zwei Jahre.

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Rund 300 000 Euro muss die Kirchenverwaltung dafür in den kommenden Jahren noch auftreiben. Der langjährige Notar Bracker ist guter Dinge, dass dies gelingt – und hat einige Ideen, wie sich beispielsweise Weilheimer Unternehmer dabei klangvoll einbringen könnten (siehe unten). Weil mit dem neuen Instrument nun nicht vor 2024 zu rechnen ist, ließ man die jetzige Orgel in der Stadtpfarrkirche – die zwischenzeitlich merklich aus dem letzten Loch pfiff – noch einmal umfassend vom Iffeldorfer Orgelbaumeister Dieter Schingnitz instand setzen. Somit sind in den kommenden Wochen auch wieder Benefizkonzerte mit der alten Orgel für die heiß ersehnte neue Orgel möglich.

Die Finanzierung der Orgel

Rund 1,1 Millionen Euro kostet die neue Orgel, die Weilheims Kirchenstiftung Mariae Himmelfahrt bei der Firma „Freiburger Orgelbau“ in Auftrag gibt. 800 000 Euro davon sind bereits sicher, wie Ulrich Bracker vorrechnet: 312 000 Euro gibt es als Zuschüsse, 304 000 Euro sind als Spenden eingegangen oder zugesagt, 28 000 Euro kamen bei Veranstaltungen, 18 000 Euro via Pfeifenpatenschaften herein, als zweckgebundene künftige Einnahmen sind rund 140 000 Euro avisiert. Somit sind in den nächsten Jahren noch rund 30 000 Euro aus Spenden, Patenschaften und Veranstaltungserlösen nötig. Bracker, der sich ehrenamtlich um die Finanzierung kümmert, hofft dabei auch auf größere Spenden für einzelne Orgelregister, die zwischen 12 000 und 20 000 Euro kosten. Und er hat konkrete Vorschläge für mögliches Firmenmarketing – vom „Bechtold-“, „Scheurer-“ oder „Xylem-Analytics-Register“ bis zum „Huawei-Register“

Benefizkonzerte und „Orgelsommer 2021“

Mit einem festlichen Abendkonzert zum Patrozinium wird am Samstag, 15. August (Feiertag Mariä Himmelfahrt), nach der coronabedingten Pause der Reigen der Benefizkonzerte für die neue Orgel wieder aufgenommen: Organist Jürgen Geiger und Flötistin Franziska Dahme-Kohler spielen ab 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche Werke von Mozart, Beethoven, Haydn, Piazzolla u.a. (Eintritt frei, Spenden erbeten). Künftig soll es etwa monatlich weitere Benefizkonzerte verschiedener Genres in Mariae Himmelfahrt geben, auch ein Silvesterkonzert ist heuer wieder geplant. Vorgesehen ist zudem, ab September einmal im Monat Benefizverkäufe von Kunstwerken zugunsten des Orgelneubaus anzubieten. Nachdem der Internationale Weilheimer Orgelsommer heuer ausfallen musste, soll die renommierte Reihe 2021 wieder stattfinden: Zum Auftakt ist im April ein Orgelkonzert in der evangelischen Apostelkirche geplant.

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