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An seinem Lieblingslatz: Kreis-Kämmerer Norbert Merk an seinem Schreibtisch im Büro in Weilheim.

Norbert Merk im Porträt

Der Kreiskämmer trinkt aus der HSV-Tasse

Über 1000 Überstunden schiebt Kreiskämmerer Norbert Merk, der seine Arbeit liebt, vor sich her. Im Porträt stellt die Heimatzeitung den HSV-Fan vor.

Weilheim – Akkurat gescheiteltes Haar, eine strenge Brille, Anzug oder Trachtenjanker und Krawatte: Norbert Merks (54) Äußeres ist so, wie man sich den klassischen Beamten vorstellt. Und auch Merk selbst versteht sich als klassischen Beamten – wenn damit Gesetzestreue, Loyalität zum Arbeitgeber und Pflichtbewusstsein gemeint sind. Der Kämmerer des Landkreises, das ist er seit 2012, ist einer der einflussreichsten Männer am Landratsamt und damit auch im Landkreis: Egal, ob Neubau der Berufsschule oder Sanierung von Schulen, immer ist es der Peitinger, der im Kreistag und seinen Ausschüssen die Millionen-Projekte eloquent, stringent und auch selbstbewusst vorstellt, die im Landratsamt entwickelt wurden. Dabei kommt es ihm sicher zugute, dass der nebenamtlich Dozent an Verwaltungsschule für Haushaltsrecht ist.

Bei seiner Arbeit, vor allem bei der Verabschiedung des Haushalts oder bei den mannigfaltigen Großprojekten, weiß Merk die große Mehrheit des Kreistages hinter sich, obwohl es auch einige gibt, die Kritik üben: nicht an der Arbeit des Kämmerers, sondern daran, dass Merk als „heimlicher Landrat“ seit 2014 das Sagen in der Behörde habe und nicht die Landrätin, eine Parteifreundin von der CSU. Sowohl Andrea Jochner-Weiß als auch Merk dementieren dies heftig, das liege einfach daran, dass öffentlichkeitswirksame Themen in seinen Aufgabenbereich fallen. „Das trifft mich“, so Merk, der seit 1982 Beamter ist. Aber auch die Kritiker wissen die fachliche Arbeit des Bergmann-Sohnes zu schätzen, der selbst drei Kinder und einen Enkel hat, und fühlen sich auch gleichermaßen gut von ihm und seiner Abteilung informiert.

Merk, früher im Jugendamt und als Rechnungsprüfer tätig, hat in der Kommunalpolitik aber auch Einblicke von der anderen Seite des Tisches, als CSU-Marktgemeinderat in Peiting schaut er der Verwaltung auf die Finger. Und dabei ist Merk durchaus unbequem, wenn er glaubt, dass Beschlüsse aus rechtlicher Sicht nicht haltbar oder betriebswirtschaftlich unsinnig sind. Da geht er keine Kompromisse ein und stimmt nicht immer mehrheitskonform ab.

Aber dies tut der Kreis-Kämmerer immer mit offenem Visier, das wissen auch seine Gemeinderatskollegen zu schätzen. „Ich bin so wie ich bin, wichtig ist, dass das meine Frau nicht stört“, so Merk, der auch Ortsvorsitzender der CSU ist und schon darüber nachdenkt, wer 2020 für seine Partei als Bürgermeister-Kandidat antreten soll. Er selbst auf keinen Fall: „Politik ist für mich Ehrenamt.“

Seinen Kollegen im Landratsamt dürfte in den vergangenen Tagen ein besonders gut gelaunter Norbert Merk aufgefallen sein. Aber das hat weder mit Kreisumlage noch mit Berufsschule zu tun. Das hat etwas mit seiner großen Liebe zum Hamburger SV zu tun, der in letzter Sekunde die Relegation zur Fußball-Bundesliga vermieden hat. Ausgerechnet der chaotische Bundesliga-Dinosaurier, der mit Geld so gut umgehen kann wie ein Hund mit seinen Wurstvorräten, hat es Merk angetan, allerdings nicht ganz freiwillig: Sein Sohn war glühender Fan von Rafael van der Vaart, und der Vater musste dann eben mitziehen, unter anderem auch ins Zillertal reisen, wenn der HSV und van der Vaart dort im Trainingslager waren. Nach außen hin dokumentiert Merk seine Liebe mit einem HSV-Aktenkoffer und einer Büro-Tasse mit HSV-Emblem.

Auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde: Sport nimmt beim 54-Jährigen durchaus eine wichtige Rolle ein. Als Stockschütze brachte er es zu überregionalen Ehren, als Privatkegler wurde er Peitinger Marktmeister. Allerdings leidet das Eisstockschießen, seit er Kämmerer ist. Auch als Funktionär blickt Merk auf eine beachtliche Karriere zurück: Vorsitzender des 1. EC Peiting-Fanclubs, Nachwuchsleiter beim ECP von 2005 bis 2001 und Bayerischer Eishockey-Obmann. Bei Letzterem stieß Merk an seine Grenzen, notwendige Veränderungen wurden von oben blockiert, Merk warf nach nur zwei Monaten das Handtuch. „Das war eine echte Klatsche.“

Der Rückzug war konsequent. So ist der Verwaltungsdirektor auch bei seiner Arbeit, was ihn nicht überall im Hause beliebt macht. „Das ist mir schon bewusst, aber ich will ja als Kämmerer keinen Beliebtheitswettbewerb gewinnen“, so Merk, der aus „Respekt“ vor dem Bürger und der Aufgabe, die er wahrnimmt, stets eine Krawatte trägt. Einzige Ausnahme ist der lumpige Donnerstag.

Merk geht, wie er glaubhaft versichert, sehr gern in die Arbeit im Landratsamt in Weilheim. „Ich sitze am liebsten an meinem Schreibtisch.“ Das belegen auch die über 1000 Überstunden, die er vor sich herschiebt. Ein Abbau in nächster Zeit scheint ausgeschlossen, der Landkreis und sein Kämmerer haben noch viel vor.

Johannes Thoma

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